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Digitaler Journalismus

    Eine Einführung von Leif Kramp und Stephan Weichert

    Definition:

    Der Journalismus hat im Zuge seiner ökonomisch-publizistischen Krise aufgrund einer tiefgreifenden Mediatisierung der Gesellschaft durch die Digitalisierung einen Umbruch medienhistorischen Ausmaßes erlebt. Diese in Anlehnung an die vier Perioden der Journalismusgeschichte nach Baumert (1928) und Birkner (2010, 2011) (siehe auch → redaktionstechnischer Journalismus) als fünfte Phase zu bezeichnende Revolution ist gekennzeichnet durch eine nachhaltige Aufwertung technischer Kommunikationsmedien in Kultur und Gesellschaft, einen nachhaltigen Mediennutzungswandel und einen daraus folgenden strukturellen Wandel der Pressewirtschaft (Stichwort Zeitungssterben; vgl. Weichert/Kramp 2009; Weichert/Kramp/Welker 2015). Stimuliert wurde dieser unter anderem durch die „Gratiskultur“ (Schmalz 2009) im Internet sowie neue technisch-publizistische Rahmenbedingungen, etwa die Entlokalisierung der Mediennutzung durch mobile Endgeräte, aber auch die Veränderung des Rollenselbstbildes von Journalisten.

    Angesichts des kontinuierlichen „Strukturwandels der Öffentlichkeit“ (Habermas 1962) hat der Journalismus gleichfalls digitale Kulturtechniken entwickelt, die im Rahmen seiner handwerklichen Potenziale einen erheblichen Qualitätssprung bedeuten – etwa durch die multimedialen Möglichkeiten journalistischer Darstellungs- und Erzählweisen (→ Storytelling), die automatisierte Aufbereitung und Visualisierung großer Datenmengen (Data Journalism), den Einbezug der partizipativen Leistungen seines Publikums (Audience Engagement) sowie die → Aktualität des Nachrichtenflusses insgesamt (vgl. Lilienthal u.a. 2014).

    Im Hinblick auf die Entstehung neuer professioneller Anforderungsprofile (Datenjournalist, Social Media Redakteur, Community Manager, Mobile Reporter, Multimedia Producer etc.) und die technisch bedingten Spezialisierungen muss insofern von einem „Digitalen Journalismus“ gesprochen werden. Die Forschungsdebatte um die Transformation des Journalismus wurde längstens unter dem Begriff „Online-Journalismus“ geführt (vgl. u.a. Altmeppen/Bucher/Löffelholz 2000; Neuberger 2002; Matzen 2014; Hooffacker 2016), der sich auch in der umgangssprachlichen Verwendung in Bezug auf Berichterstattung für webbasierte Medienangebote hält. Dies jedoch beschreibt nur einen Teilaspekt des Journalismus: seinen Übertragungsweg. Unter „Digitalem Journalismus“ wird hingegen der Einsatz von digitalen Technologien zur Recherche, Produktion und Distribution von journalistischen Inhalten verstanden, bei dem das Internet als Infrastruktur das primäre Entwicklungsfeld des Digitalen Journalismus darstellt (vgl. Nuernbergk/Neuberger 2018).

    Geschichte:

    Mit Spiegel Online ging am 25. Oktober 1994 der Vorreiter der journalistischen Digitalisierungswende in Deutschland ans Netz (noch einen Tag vor dem US-Magazin Time) und setzte damit eine Vorwärtsbewegung der Online-Publizistik in Gang, die eine veränderte Wahrnehmung des journalistischen Rollenbildes anstieß. Die ersten kommerziellen Webbrowser machten das Internet öffentlichkeitsrelevant, Netscape (Markteinführung: 1994) und der Internet Explorer (1995) ermöglichten Nutzern den Eintritt in ein globales Website-Angebot. In den darauffolgenden Jahren entschieden sich immer mehr Verlage und Rundfunkanbieter dazu, eigene Präsenzen im Internet einzurichten. Aufgrund der stabilen Renditeergebnisse im tradierten Verlagsgeschäft konnten viele Zeitungs- und Zeitschriftenverleger ihre Online-Ableger im ersten Jahrzehnt der Internet-Ära trotz teils umfänglicher Investition in Personal und Infrastruktur problemlos querfinanzieren. Strategischen Nutzen und publizistischen Mehrwert erkannte man im digitalen Engagement damals noch nicht. Der Online-Journalismus galt vielen als Spielerei für Technik-Freaks oder als Werbefläche für das Printprodukt, entsprechend fanden sich auf den Websites der Verlage meist Derivate der journalistischen Muttermedien statt originärer Web-Inhalte.

    Die erste deutschsprachige Tageszeitung ging im Februar 1995 online: Der Standard aus Wien veröffentlichte auf seiner Website jeweils am Vorabend die Ausgabe vom nächsten Tag und wurde schnell zur meistgeklickten Nachrichtenseite in Österreich. Kurze Zeit später starteten in Deutschland die Schweriner Volkszeitung, die tageszeitung, Die Welt und das Jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung mit Internetangeboten. 1999 gab es bereits etwa 400 Online-Medien in Deutschland (vgl. Neuberger 2000).

    Die ersten Jahre des Engagements von Verlagen und Rundfunkanstalten im Netz waren vom Anliegen geprägt, eine publizistische Präsenz in der neuen Medienumgebung aufzubauen, indem Zeitungsinhalte und Sendungen digitalisiert und quasi eins zu eins über die Homepage distribuiert wurden. Die digitale Form veränderte allerdings das Rezeptionserlebnis: Journalistische Beiträge wurden unter ihren Schlagzeilen thematisch sortiert (später folgten zusätzlich → Teaser), der gesamte Inhalt (Text/Video) wurde erst nach einem Auswahl-Klick angezeigt. Nutzer konnten darüber immer tiefer in die mehrschichtige Struktur der digitalen Nachrichtenangebote eintauchen, die auf der obersten Ebene die Empfangsseite der Homepage mit wichtigen Schlagzeilen und der Übersicht über alle Rubriken bot und deren unterste Ebene die einzelnen Beiträge bereithielt, die über → Hyperlinks miteinander verknüpft waren. Ein entscheidender Mehrwert im Vergleich zum analogen Medienangebot lag in der Archivfunktion der Websites, die eine Volltextsuche durch die Datenbank mit früheren Artikeln ermöglichte (vgl. Scott 2005).

    So, wie das Internet einen Rund-um-die-Uhr-Abruf aktueller Informationen bot, wuchsen die Anforderungen an den Arbeitstakt von Redaktionen: Nach und nach wurde auch in Zeitungsverlagen der aus dem Rundfunk bekannte Schichtdienst eingeführt, der keinen festen Redaktionsschluss vorsah, sondern die Nachrichtenproduktion zu jeder Tages- und Nachtzeit am Laufen halten sollte. Weite Teile der Nachrichtenindustrie reagierten auf die strukturellen Herausforderungen mit dem Aufbau separater Online-Redaktionen, die in der Regel über Tochtergesellschaften ausgegründet wurden und nicht der Tarifpflicht unterlagen. Die gravierende Folge: Online-Journalisten erhielten bei radikal gewandelten Arbeitsbedingungen geringere Löhne als ihre Kollegen aus den Mutterhäusern. Die aus dem Gefälle von Löhnen und Wertschätzung erwachsenden Konflikte zwischen Print- und Online-Redaktionen belasten bis heute die Unternehmenskultur und Arbeitszufriedenheit in vielen Medienbetrieben (vgl. Kramp 2015a).

    Anders als in den USA, wo mit Slate und Salon bereits Mitte der 1990er-Jahre reine Online-Nachrichtenmedien gegründet wurden und sich früh ein genuin digitaler Journalismus ausformen konnte, der mit weiteren Neugründungen wie der Huffington Post (2005) und Buzzfeed (2006) globale Strahlkraft entwickelte, stand der Digitale Journalismus in Deutschland unter starkem Reglement der Presse- und Rundfunkwirtschaft. Im Jahr 2000 startete mit der Netzeitung zwar ein eigenständiges digitales Nachrichtenmedium. Durch den Einbruch des Anzeigenmarktes und ein kaum entwickeltes Abonnementgeschäft erlebte sie jedoch eine wechselvolle Gründungsgeschichte, bis das redaktionelle Angebot durch den letztlich siebten Eigentümer, das Kölner Verlagshaus M. Dumont Schauberg, 2009 beerdigt wurde.

    Weitere verlagsunabhängige Neugründungen digitaljournalistischer Angebote waren im deutschsprachigen Raum zunächst durch freie Journalisten zu beobachten, die etliche → hyperlokale Nachrichtenmedien starteten – darunter Ruhrbarone (2007), Regensburg-digital (2008), Altona.info (2009) das Heddesheimblog (2009), Meine Südstadt (2010) und die Prenzlauer Berg Nachrichten (2010). Doch die Wirtschaftlichkeit dieser eigenständigen Publikationen stand unter schlechten Vorzeichen, da sich die nötige Anzeigenvermarktung auf Bannerwerbung konzentrierte und der lokale Anzeigenmarkt hinter den Erwartungen zurückblieb (vgl. Emmerich 2010: 90-94; Langer 2010; Jacobs 2015).

    Gleichwohl trugen solche Initiativen dazu bei, dass sich die Sicht der Nachrichtenbranche auf die Blogosphäre grundlegend veränderte: So ist eine jahrelange Skepsis gegenüber der mit Amateurhaftigkeit konnotierten Bloggerkultur, die aus Sicht mancher Branchenvertreter eine Gefahr für den Journalismus darstellen könnte (vgl. Steppacher 2006; Brauck und Müller 2009), einer Neugier für die Besonderheiten netztypischer Kommunikations- und Darstellungsformen gewichen. Zudem ist mit fortschreitendem Mediennutzungswandel in jüngeren Bevölkerungsteilen und durch die Dominanz von Social-Media-Diensten eine starke Ausformung publizistischer Prinzipien festzustellen, die vormals mit der Blogosphäre konnotiert waren, etwa Subjektivität, Transparenz, Vernetzung und Interaktion sowie eine generell stärkere Orientierung an der Kommunikation von Amateuren im Netz (vgl. Lasica 2003; Kramp/Weichert 2017).

    Gegenwärtiger Zustand:

    Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die jüngere Entwicklung im Digitalen Journalismus hat die Monopolstellung der Internetkonzerne Google und Facebook: Weil ein wesentlicher Teil der Nutzungsdauer weiter Bevölkerungskreise auf die Plattformen der beiden Unternehmen bzw. deren Ableger (z. B. Instagram, WhatsApp und YouTube) entfällt, arbeitet ein Großteil der Nachrichtenbranche an Formaten, bei denen journalistische Inhalte für die Social-Media-Angebote aufbereitet werden. Dies betrifft die inhaltlich angepasste Produktion von Texten (Suchmaschinenoptimierung, SEO), die Erprobung neuer → Darstellungsformen, die Analyse von Nutzerdaten, aber auch die direkte Zusammenarbeit mit Google und Facebook zur Distribution von Inhalten und deren Vermarktung (z. B. Facebook Instant Articles, Google Accelerated Mobil Pages).

    Für das journalistische Handwerk ist der Digitale Journalismus mit mehreren grundlegenden Veränderungen verbunden: Die Non-Linearität des Hypertexts erlaubt eine dynamische Verknüpfung von Inhalten und stellt die Abgeschlossenheit von Nachrichtenprodukten wie einer Zeitung oder Nachrichtensendung in Frage. Die Multimedialität lässt eine massive Erweiterung der Darstellung von Inhalten zu, insbesondere in der Verbindung von Text, (Bewegt-)Bild und Ton. Die Interaktivität der Netzkommunikation ermöglicht einen direkten Dialog mit Nutzern und verändert dadurch auch die Beziehung zwischen Redaktionen und ihren Nutzern. Gleichzeitig ist eine personalisierte Anpassung von Inhalten an die Bedürfnisse fragmentierter Publika möglich.

    Das Internet fordert traditionelle Nachrichtenorganisationen jedoch auch medienökonomisch heraus: Zum einen ist die Werbe- und Anzeigenvermarktung bei der digitalen Distribution von deutlich geringeren Kennzahlen betroffen und von neuen Vergütungsformen abhängig (u.a. in der Zusammenarbeit mit Social-Media-Plattformen). Zum anderen entwickeln sich Nutzererlöse durch kostenpflichtige digitale Nachrichtenangebote in der Breite nur schleppend.

    Forschungsstand:

    Die Digitalisierung als technologischer Transformationsprozess hat eine fundamentale Veränderung der Nachrichtenproduktion als auch des Medienkonsums eingeläutet und verändert zudem die organisatorischen und sozialen Strukturen im Journalismus (vgl. Klinenberg 2005; Hermida 2014; Kramp/Weichert 2012; Kramp u.a. 2013; Meijer/Kormelink 2015; Paulussen 2012). Mit Hasebrink und Hepp (2017) lassen sich fünf übergreifende Trends beschreiben (vgl. auch Kramp 2015b; Kramp/Loosen 2017):

    1. Digitale Technologien ermöglichen eine weit verzweigte Konnektivität auf unterschiedlichen Ebenen: eine orts- und zeitübergreifende Zusammenarbeit von Journalisten, z.B. in Form internationaler Rechercheverbünde wie im Fall der „Panama Papers“ (vgl. Heft/Alfter/Pfetsch 2017, siehe auch → Scoop), die Verknüpfung journalistischer Inhalte und ihrer Datengrundlage oder auch vielgestaltige kommunikative Verbindungen zwischen Journalisten und der Bevölkerung, sowohl in der Journalismus-Publikums-Beziehung als auch bei der journalistischen Recherche.

    2. Digitale Technologien ermöglichen Omnipräsenz: von journalistischen Beiträgen, die über mobile Endgeräte nahezu überall abgerufen werden können; aber auch von einer Vielzahl anderer Informationsquellen und Kommunikationsinhalten der öffentlichen Kommunikation im digitalen Zeitalter. Zudem machen digitale Übertragungsmöglichkeiten technisch ausgereifte Berichterstattung mithilfe des Smartphones möglich (vgl. Staschen 2017).

    3. Mittels digitaler Kommunikationstechnologien ist eine Differenzierung von Medienangeboten und kommunikativen Praktiken zu beobachten, die beispielsweise in Form von emergierenden Social-Media-Diensten zur wechselseitigen Kommunikation (z.B. Chat-Apps), Vergemeinschaftung (z.B. Social Networking) oder Wissensorganisation (z.B. Suchmaschinen-Alerts) entwickelt werden.

    4. Der Innovationszyklus von Medientechnologien erfährt eine immer stärkere Beschleunigung: Sowohl die Technologie selbst als auch die mit ihr entwickelten Medienangebote sowie deren Nutzung durch das Publikum sind einem permanenten Wandel unterzogen und erfordern von Nachrichtenanbietern eine flexible Strategie organisationalen Lernens, um diesen Wandel gestalterisch zu begleiten und zu antizipieren.

    5. Die zunehmende Datafizierung des digitalen Mediennutzungsverhaltens ermöglicht eine Erfassung, Auswertung und Vermarktung von digitalen Spuren z.B. in Form von Klickraten und Social-Media-Analysen, um Nutzungspräferenzen sowohl individuumsbezogen als auch in Bezug auf soziale Dynamiken und den Grad der Involviertheit zu ermitteln.

    Die für die aktuelle Transformation des Journalismus zentral erscheinende Wiederentdeckung des Publikums als zentraler Akteur für die digitale Berichterstattung (vgl. Schmidt/Loosen 2014) wird in der Forschung unter den Begriffen „partizipativer Journalismus“ (vgl. Singer et al. 2011, Sehl 2013), „kollaborativer Journalismus“ (vgl. Bruns 2005; 2018), „reziproker Journalismus“ (vgl. Lewis/Holton/Coddington 2014) und „Netzwerkjournalismus“ (vgl. Heinrich 2011) diskutiert. Sie schließen an die Konzepte des „Civic“ bzw. „Public Journalism“ (vgl. Black 1997) an: Im Vordergrund steht die Einbeziehung von Nutzern in die journalistische Praxis, die mit Redaktionen oder einzelnen Journalisten in Kontakt treten.

    Auch wenn dieser Prozess weder linear verläuft noch in allen Redaktionen mit gleichbleibender Stringenz oder Vehemenz verfolgt wird, ist davon auszugehen, dass dem Publikum im Digitalen eine aktivere Rolle zukommt als im traditionellen massenmedial und monologisch bzw. linear geprägten Journalismus, in dem das Publikum eine große „Unbekannte“ (Noelle-Neumann 1971) gewesen ist. Dazu gehört auch die Allgegenwart des Feedbacks: Nachrichtenorganisationen müssen mit einer wachsenden Zahl von Nutzer-Kommentaren umgehen, die sie über Feedback-Kanäle ihrer Websites und Social-Media-Ableger erreicht.

    Abgesehen von einem bisweilen vorherrschenden Negativismus in journalistischen Foren und den dadurch wachsenden Herausforderungen für Redaktionen im Umgang mit Hassrede (vgl. Kramp/Weichert 2018) eröffnen sich dadurch für Nutzer journalistischer Angebote neue Wege, an einem Diskurs mit den journalistischen Akteuren teilzuhaben. Mediennutzer sind zudem stärker als jemals zuvor auf sozialen Plattformen untereinander vernetzt und stellen neue Herausforderungen an das Community Building von Nachrichtenanbietern, um Nutzerbindung und damit mittelfristig auch die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen.

    Literatur:

    Altmeppen, Klaus-Dieter; Hans-Jürgen; Martin Löffelholz (Hrsg.): Online-Journalismus. Perspektiven für Wissenschaft und Praxis. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2000.

    Baumert, Dieter Paul: Die Entstehung des deutschen Journalismus. Eine sozialgeschichtliche Studie. München/Leipzig [Duncker & Humblot] 1928.

    BDZV: Zeitungsverleger wollen keine staatlichen Hilfen, aber neue Rahmenbedingungen. Pressemitteilung. In: bdzv.de, 10.07.2009. http://www.bdzv.de/nachrichten-und-service/presse/pressemitteilungen/artikel/detail/zeitungsverleger_wollen_keine_staatlichen_hilfen_aber_neue_rahmenbedingungen/

    Birkner, Thomas: Das Jahrhundert des Journalismus. Ökonomische Grundlagen und Bedrohungen. In: Publizistik, 55(1), 2010, S. 41-54.

    Birkner, Thomas: Genese, Formierung, Ausdifferenzierung und Durchbruch des Journalismus in Deutschland. In: Medien und Kommunikationswissenschaft, 59(3), 2011, S. 345-359.

    Black, Jay (Hrsg.): Mixed News. The Public/Civic/Communitarian Journalism Debate. Mahwah, New Jersey [Lawrence Erlbaum Ass.] 1997.

    Brauck, Markus; Martin U. Müller: Die Bürger-Kings. Leser in der Rolle von Reportern müssen sich nicht mehr damit begnügen, in privaten Blogs ihre Meinungen kundzutun. Mittlerweile buhlen auch etablierte Zeitungen und TV-Sendungen um die Mitarbeit der Amateure. Eine Gefahr für den professionellen Journalismus? In: Der Spiegel, 11.05.2009, S. 62.

    Bruns, Axel: Gatewatching. Collaborative online news production. New York u.a. [Peter Lang] 2005.

    Bruns, Axel: Gatewatching and News Curation: Journalism, Social Media, and the Public Sphere. New York [Peter Lang] 2018.

    Emmerich, Imken: Hyperlokale Plattformen in Deutschland. Eine qualitative Analyse von Leitfadeninterviews mit Gründern verlagsunabhängiger hyperlokaler Onlineprojekte. Masterarbeit, Universität Hamburg, 2010. Die Arbeit ist hier als PDF abrufbar.

    Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Neuwied [Luchterhand] 1962.

    Hasebrink, Uwe; Andreas Hepp: How to research cross-media practices? Investigating media repertoires and media ensembles. In: Convergence: The International Journal of Research into New Media Technologies, 23(4), 2017, S. 362-377.

    Heft, Annett; Brigitte Alfter; Barbara Pfetsch: Transnational journalism networks as drivers of Europeanisation. In: Journalism, Online First, 2017. DOI: 10.1177/1464884917707675

    Heinrich, Ansgar: Network Journalism. Journalistic Practice in Interactive Spheres. New York/Oxon [Routledge] 2011.

    Hooffacker, Gabriele: Online-Journalismus. Texten und Konzipieren für das Internet. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 4. Auflage. Wiesbaden [Springer VS] 2016.

    Jacobs, Luisa: Wer bezahlt die Kiez-Zeitung? Hyperlokaler Journalismus hat es schwer auf dem Anzeigenmarkt – nun sollen die Leser helfen. In: Der Tagesspiegel, 26.04.2015, S. 30.

    Klinenberg, Eric: Convergence: News production in a digital age. In: Convergence, 597(1), 2005, S. 48-64.

    Kramp, Leif: «Innovationshemmungen»; Über den Strukturwandel in Medien und Journalismus. In: epd medien, 15.05.2015(a), S. 19-24.

    Kramp, Leif: The rumbling years. The communicative figurations approach as a heuristic concept to study – and shape – the transformation of journalism. In: Kramp, Leif; Nico Carpentier; Andreas Hepp; Ilija Tomanić Trivundža; Hannu Nieminen; Risto Kunelius; Tobias Olsson; Ebba Sundin; Richard Kilborn (Hrsg.): Journalism, Representation and the Public Sphere. Bremen [edition lumière] 2015(b), S. 23-55.

    Kramp, Leif; Wiebke Loosen: The transformation of journalism: from changing newsroom cultures to a new communicative orientation? In: Hepp, Andreas; Uwe Hasebrink; Andreas Breiter (Hrsg.): Communicative Figurations: Rethinking mediatized transformations. Basingstoke [Palgrave Macmillan] 2017, S. 205-239.

    Kramp, Leif; Leonard Novy; Dennis Ballwieser; Karsten Wenzlaff (Hrsg.): Journalismus in der digitalen Moderne. Einsichten – Ansichten – Aussichten. Wiesbaden [Springer VS] 2013.

    Kramp, Leif; Stephan Weichert: Innovationsreport Journalismus. Ökonomische, medienpolitische und handwerkliche Faktoren im Wandel. Bonn [Friedrich-Ebert-Stiftung] 2012.

    Kramp, Leif; Stephan: Der Millennial Code. Junge Mediennutzer verstehen – und handeln. Leipzig [Vistas] 2017.

    Kramp, Leif; Stephan Weichert: Hass im Internet. Handreichungen für Redaktionen zur Inklusion, Integration und Zivilisierung von Netzdiskursen. Düsseldorf [Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen] 2018 (im Erscheinen).

    Langer, Ulrike: Aus der Nähe gesehen. In: Horizont, 15.10.2009, S. 34.

    Lasica, J.D.: Blogs and Journalism Need Each Other. In: Nieman Reports, Fall 2003, S. 70-74.

    Lilienthal, Volker; Stephan Weichert; Dennis Reineck; Annika Sehl; Silvia Worm: Digitaler Journalismus. Dynamik – Teilhabe – Technik. Berlin [Vistas] 2014.

    Matzen, Nea: Onlinejournalismus. 3., überarbeitete Auflage. Konstanz [UVK] 2014.

    Meijer, Irene Costera; Tim Groot Kormelink: Checking, sharing, clicking and linking. Changing patterns of news use between 2004 and 2014. In: Digital Journalism, 3(5), 2015, S. 664-679.

    Neuberger, Christoph: Massenmedien im Internet 1999. In: Media Perspektiven, 3, 2000, S. 102-109.

    Neuberger, Christoph: Online-Journalismus: Akteure, redaktionelle Strukturen und Berufskontext. Ergebnisse einer Berufsfeldstudie. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, 50(1), 2002, S. 102-114.

    Noelle-Neumann, Elisabeth: Der Leser – Das unbekannte Wesen. In: ZV + ZV, 36(2), 1971, S. 1500-1503.

    Nuernbergk, Christian; Christoph Neuberger (Hrsg.): Journalismus im Internet. Profession – Partizipation – Technisierung. 2. Auflage. Wiesbaden [Springer VS] 2018.

    Paulussen, Steve: Technology and the transformation of news work: Are labor conditions in (online) journalism changing? In: Siapera, Eugenia; Andreas Veglis (eds.): The handbook of global online journalism. Malden, Massachusetts [Wiley-Blackwell] 2012, S. 192-208.

    Schmalz, Gisela: No Economy. Wie der Gratiswahn das Internet zerstört. Frankfurt/M. [Eichborn] 2009.

    Schmidt, Jan-Hinrik; Wiebke Loosen: Both sides of the story. Assessing audience participation in journalism through the concept of inclusion distance. In: Digital Journalism, 3(2), 2014, 259-278.

    Scott, Ben: A Contemporary History of Digital Journalism. In: Television & New Media, 6(1), 2005, S. 89-126.

    Sehl, Annika: Partizipativer Journalismus in Tageszeitungen. Eine empirische Analyse zur publizistischen Vielfalt im Lokalen. Baden-Baden [Nomos] 2013.

    Singer, Jane B.; Alfred Hermida; David Domingo; Ari Heinonen; Steve Paulussen; Thorsten Quandt; Zvi Reich; Marina Vujnovic: Participatory journalism. Guarding open gates at online newspapers. Chichester [Wiley-Blackwell] 2011.

    Staschen, Björn: Mobiler Journalismus. Wiesbaden [Springer VS] 2017.

    Steppacher, Elvira: Können „Blogs“ den klassischen Journalismus ersetzen? Zum Strukturwandel durch den „Journalismus der Bürger“. In: Communicatio Socialis, 39(2), 2006, 117-132.

    Weichert, Stephan; Leif Kramp; Martin Welker: Die Zeitungsmacher. Aufbruch in die digitale Moderne. Wiesbaden [Springer VS] 2015.

    Weichert, Stephan, Leif Kramp: Das Verschwinden der Zeitung? Internationale Trends und medienpolitische Problemfelder. Berlin [Friedrich-Ebert-Stiftung] 2009.

    Leif Kramp

    Leif Kramp
    *1980, Dr., ist Senior Researcher und Forschungskoordinator am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Kramp gehört zum Gründungsvorstand des Vereins für Medien- und Journalismuskritik e. V., ist Mitglied des Direktoriums des journalistischen Nachwuchsförderprogramms VOCER Innovation Medialab sowie Autor und Mit-Herausgeber zahlreicher Fachbücher und Studien zur Transformation des Journalismus. Er ist Mitglied der Nominierungskommission des Grimme Online Awards 2018, der Jury des NETZWENDE-Awards für nachhaltige Innovationen im Journalismus und der Jury der Initiative Nachrichtenaufklärung e.V. Kontakt: kramp(at)uni-bremen.de

    Leif Kramp hat zusammen mit Stephan Weichert einen Einführungsbeitrag zum → Digitalen Journalismus geschrieben.
    Stephan Weichert
    Stephan Weichert
    *1973, Prof. Dr. phil., leitet den Masterstudiengang „Digital Journalism“ und das „Urban Storytelling Lab“ an der Hamburg Media School (HMS). Seit 2008 lehrt er als Professor für Journalistik in Hamburg. Weichert ist Gründer des Think Tanks VOCER.org und Gründungsdirektor des VOCER Innovation Medialab, einem Stipendienprogramm für Nachwuchsjournalisten. Seit 20 Jahren setzt er sich als Wissenschaftler und Publizist mit den Folgen der Digitalisierung für Medien, Journalismus und Gesellschaft auseinander. Zuletzt veröffentlichte er gemeinsam mit Dr. Leif Kramp eine umfangreiche Studiensammlung zur Mediennutzung junger Zielgruppen, u.a. ist bei Vistas ihr Buch Der Millennial Code. Junge Mediennutzer verstehen - und handeln erschienen. Für seine herausragende journalistische Arbeit zur ,Digitalen Gesellschaft‘ wurde Weichert im Jahr 2014 der Medienethik-Award verliehen. Kontakt: s.weichert (at) hamburgmediaschool.com Stephan Weichert hat zusammen mit Leif Kramp einen Einführungsbeitrag zum → Digitalen Journalismus geschrieben.

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App

Wortherkunft: engl. app als Kurzform von application = Anwendung.

Definition:
Unter einer App versteht man eine Anwendungssoftware bzw. ein Anwendungsprogramm auf einem Computer, Laptop oder mobilen Endgerät wie einem Tablet oder Smartphone. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff App vor allem seit Gründung von Apples AppStore im Jahr 2008 durchgesetzt.

Apps können auf Smartphones über AppStores kostenfrei oder gegen Entgelt heruntergeladen werden. Zum Teil sind auch In-App-Käufe möglich (Paywall). Apps sind jeweils nur auf dem passenden Betriebssystem (wie Googles Android oder Apples iOS) nutzbar und können verschiedenste Funktionalitäten erfüllen: von einer Nachrichten-App, Mediathek eines Fernsehsenders oder Social-Media-App für Instagram, Facebook, WhatsApp oder LinkedIn über Spiele-Apps bis zu elektronischen Landkarten, dem persönlichen Kalender oder Textverarbeitungsprogrammen. Manche Apps sind ohne, andere wiederum nur bei Internetzugang über WLAN bzw. den Mobilfunkvertrag nutzbar.

Gegenwärtiger Zustand:
Für den Journalismus kann zwischen drei grundlegend verschiedenen Apps unterschieden werden: Erstens kann das Printprodukt (wie Der Spiegel oder die Süddeutsche Zeitung) in einer App als E-Paper abgebildet werden. Die Zeitungsinhalte werden hier in der Regel eins zu eins übernommen, aber häufig mit zusätzlichen multimedialen Inhalten und Weblinks angereichert und für mobile Endgeräte angepasst. Manche Zeitungen – wie die Nürnberger Nachrichten – stellen lediglich sämtliche Zeitungsseiten automatisiert zur Verfügung. In diese Kategorie fallen auch Mediatheken von Fernsehsendern, in denen Sendungen und einzelne Beiträge abrufbar sind, die in identischer Form im linearen Fernsehen ausgestrahlt wurden.

Zweitens dienen Apps als weiterer Ausspielkanal für die redaktionellen Inhalte der eigenen Website, die dort unverändert wiedergegeben werden. Dies führt dazu, dass manche Redaktionen verschiedene Apps betreiben: Die Süddeutsche Zeitung hat eine zweite App namens SZ.de, Der Spiegel die von der Online-Redaktion bestückte App Der Spiegel, vormals SPON. Fernsehsender haben zum Teil auch eigene Apps für ihre Nachrichtensendungen, wie die Tagesschau oder ZDFheute. Der Bayerische Rundfunk hat für seine Nachrichten-App mit BR24 eine Marke geschaffen, die er für seine Nachrichten auch auf seiner Website nutzt. Die Nachrichten-Apps sind häufig personalisierbar, so dass User ihren Wohnort oder ihre Interessen für bestimmte → Ressorts angeben können.

Drittens veröffentlichen Verlage und Sender eigene Apps für Sonderprojekte oder spezifische Themen: So betreibt der Westdeutsche Rundfunk eine App für  Inhalte in den Bereichen 360 Grad, Virtual Reality (VR) und → Augmented Reality. Um VR- und 360-Grad-Inhalte nutzen zu können, ist neben dem Smartphone zum Beispiel ein Cardboard nötig, das in seiner einfachsten Ausführung aus einem Pappkarton und zwei Linsen besteht. Auch → Newsgames lassen sich in Apps spielen. Redaktionen lagern zudem Special-Interest-Themen – wie bei boerse.ARD oder wetter.de (RTL) – auch in Apps aus.

Ob Apps ein Auslaufmodell sind, ist umstritten (siehe Rondinella 2019; Parbel 2018; Krämer 2018; Schmiechen 2018; Dörner 2017). Einerseits ist die Zahl der App-Entwicklungen für Smartphones seit 2017 rückläufig, andererseits prognostiziert das US-amerikanische Datenanalyse-Unternehmen App Annie, vom Jahr 2017 ausgehend, ein Wachstum der App-Downloads bis 2022 um 45 Prozent (App Annie 2018). Darüber hinaus entwickeln sich Sprachassistenzsysteme wie Siri oder Alexa: User überlassen in diesem Fall die Suche der von ihnen gewünschten Inhalte der Software, statt selbst Apps zu öffnen.

Forschungsstand:
In der Forschung zu Apps im Journalismus lassen sich zwei Schwerpunkte erkennen: 1) Apps als Ausspielkanal, wobei insbesondere News Apps, neue Darstellungsformen sowie Apps als Vertriebsmodell berücksichtigt werden; 2) Apps als Produktionstechnik.

1) Apps als Ausspielkanal
News Apps: Häufigste Form journalistischer Apps ist die zeitnahe Bereitstellung von Nachrichten, die seit 2013 „verstärkte Aufmerksamkeit verschiedener Forschungsdisziplinen“ erfährt (Eble 2019: 3; 27f.). So gehören Apps aus dem Bereich ‚Nachrichten/Aktuelles‘ neben Kommunikations- und Servicediensten zu den beliebtesten Anwendungen (Wolf 2014: 271). Wie die Rezipientenforschung zeigt, greifen Nutzer dabei mehrheitlich „zu mobilen Ablegern etablierter Medienmarken der Offlinewelt“ (Eimeren 2013: 388f., zit. n. Wolf 2014: 271). Darüber hinaus wird die Nutzung durch Early Adopting und Screen Socialization beeinflusst, die in der sozialen Entwicklung frühzeitige Übernahme gesellschaftlicher Verhaltensweisen, hier die selbstverständliche Nutzung mobilfunkbasierter Bildschirmtechnik (Gundlach/Hofmann 2013: 34).

Durch die Erstellung einer Nutzer-Typologie fand Eble (2019) heraus, dass die Nutzung Smartphone-basierter Nachrichten im Zusammenspiel verschiedener Einflussfaktoren bestimmt wird: Zentral seien psychologische, interessensbasierte bzw. sozialwissenschaftliche Faktoren: die Einstellung gegenüber dem Endgerät (objektspezifisch) sowie gegenüber journalistischen Nachrichten (inhaltsbezogen). Ergebnis sei ein heterogenes Mediennutzungsverhalten einer an sich homogenen Gruppe (in diesem Fall Studierende) (vgl. Eble 2019: II, ausführlich S. 252ff.). Generell wird jedoch auch hier darauf verwiesen, dass mobile Endgeräte für journalistische Nachrichten desto eher genutzt werden, je jünger die Nutzer, je höher die Mediennutzungskompetenz und je relevanter journalistische Nachrichten sind (vgl. Thorson/Shoenberger/Karaliova et al. 2015: 10ff., zit. n. Eble 2019: 28).

Letztlich erfordert mobiler Journalismus auf Seiten des Nutzers technische Voraussetzungen (Kompatibilität) sowie auf Seiten der Produzenten → Usability und ausreichenden Netzempfang (Eble 2019: 38): „Je länger ein Nutzer durch […] eingeschränkte Netzqualität auf den Medieninhalt warten muss, desto eher führt dies zum Abbruch der Nutzungsepisode, was meist nach 1-2 Sekunden bereits der Fall ist“ (Eble 2019: 38). Wolf legte hierzu 2014 zehn technische Dimensionen vor, die bei News Apps nutzerrelevant sind, darunter Aktualität, Additivität, Multimedialität, Interaktivität und Selektivität (Wolf 2014: 272). Apps wie Flipboard treiben hierbei die „Individualisierung des Nachrichtenangebots“ voran (Haarkötter 2019: 354).

Neue Genres: In der App-Technologie sind neue journalistische Genres wie → multimediales Storytelling, visuelle Aufbereitungen in 3D sowie → Livestreams möglich. Mit Streaming ist für Redaktionen eine „Ausweitung des Angebots des eigenen Mediums möglich“ (Degen/Köhler/Spiller 2017: 169), „ohne dass zusätzliche Ressourcen nötig sind“. Allerdings „werden nur selten eigene Inhalte erzeugt, die nicht in einer Verbindung zu bereits online publizierten Themen stehen“ (ebd.: 168). Von den Reichweiten des klassischen Rundfunk-Journalismus sei Streaming-Journalismus noch weit entfernt (vgl. ebd.; siehe auch Staschen 2017: 167-210). Qualitativ erlaube Streaming zudem kaum nachbearbeitete Bewegtbilder, die „Ausschnitte des täglichen Lebens oder eines Ereignisses“ abbilden – oft auch als „15-Sekunden-Clip“, stellt Jakubetz fest (2015: 120, 127).

Apps als Vertriebsmodell: Auch medienökonomische Aspekte wie die Zahlungsbereitschaft bei kostenpflichtigen Angeboten spielen in der App-Forschung eine Rolle (Gundlach/Hofmann 2013: 3). Die „Preissensibilität der Rezipienten“ ist auch hier „der dominante Faktor bei einer Kaufentscheidung“ (ebd.: 33). „Selbst eine niedrige Kostenschwelle kann User davon abhalten, eine App zu installieren“ (Baur 2015: 179). In einer Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg waren 40 % der Befragten bereit, „für die News App ihrer beliebten Medienmarke zu zahlen“ (Gundlach/Hofmann 2013: 33) – vorausgesetzt, sie bietet eine qualitative Abgrenzung von Free-Content-Angeboten (ebd.: 31, siehe auch stiftung neue verantwortung 2011: 4). Bei einer Studie der ARAG SE 2018 war es nur jeder Dritte (Mehring 2018: 2). So sind Verlage, Medienhäuser und die Werbewirtschaft mit der Herausforderung konfrontiert, z.B. über Abo-Modelle und Mobile Advertising möglichst langfristige Einnahmen zu generieren (vgl. Baur 2015: 180, 182-188; siehe auch Franklin 2014: 483ff.).

2) Apps als Produktionstechnik
Apps sind auch als Produktionssoftware und damit als journalistisches Werkzeug anzusehen. Sie bieten die Aufnahme und Bearbeitung von Audio-, Bild- und Videomaterial, Datentransfer und Teamkommunikation und ermöglichen Echtzeitjournalismus sowie räumliche Unabhängigkeit (Haarkötter 2019: 341; Lechtenberg 2018: 19, 22; Franklin 2014: 485). Einerseits wird dadurch eine verstärkte Tätigkeit als alleinverantwortlicher Journalist erkennbar (vgl. Degen/Köhler/Spiller 2017: 169), andererseits können durch ‚Cloud-Computing‘ Mitarbeiter „in der Außenberichterstattung oder an räumlich getrennten Standorten wie Regional- oder Auslandsstudios“ integriert werden (Schäfer 2015: 267; zu Apps für mobilen Journalismus siehe Süßen 2017; Primbs 2016: 167f.; Wyngaarden 2015: 169-173).

Darüber hinaus sind Apps auch als Technologie zu wissenschaftlichen Forschungszwecken nützlich, etwa die Menthal-App der Universität Bonn, die das Nutzungsverhalten von Smartphone-Besitzern (ganz offiziell) untersucht (Universität Bonn 2015).

Literatur:

App Annie (Hrsg.): App Annie Prognose 2017-2022. San Francisco, 2018. https://s3.amazonaws.com/files.appannie.com/reports/1805_Report_2022_Forecast_DE.pdf

Baur, Franziska: Monetarisierung im Mobile-Bereich. In: Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. Crossmedia – Storywelten – Change Management. 2. Auflage. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015, S. 176-192.

Camrath, Jörgen: Wollen Sie diese News-App wirklich löschen? In: Kappes, Christoph; Jan Krone; Leonard Novy: Medienwandel kompakt 2014-2016. Netzveröffentlichungen zu Medienökonomie, Medienpolitik & Journalismus. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2017, S. 383-390.

Degen, Matthias; Andreas Köhler; Ralf Spiller: Streaming-Journalismus. Nutzung, Inhalte und Potenziale. In: Hooffacker, Gabriele; Cornelia Wolf (Hrsg.): Technische Innovationen – Medieninnovationen? Herausforderungen für Kommunikatoren, Konzepte und Nutzerforschung. Wiesbaden [Springer Fachmedien] 2017, S. 163-176.

Dörner, Stephan: Adobe-Studie. Die Zeit der App ist vorbei – außer in Deutschland. In: welt.de, 28.02.2017. https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article162451008/Die-Zeit-der-App-ist-vorbei-ausser-in-Deutschland.html

Eble, Thorsten: Das Smartphone-Nachrichtenmenü. Eine explorative Mehrmethoden-Studie zur Nutzung journalistischer Nachrichten mit dem Smartphone von deutschen Studierenden im Alter von 18-29 Jahren. Dissertation. München [Universität Eichstätt-Ingolstadt] 2019.

Eimeren, Birgit van: „Always on” – Smartphone, Tablet & Co. als neue Taktgeber im Netz. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013. In: Media Perspektiven, 7-8, 2013, S. 386-390.

Franklin, Bob: The Future of Journalism. In: Journalism Studies, 15(5), 2014, S. 481-499.

Gundlach, Hardy; Ulrich Hofmann: Marketing und Zahlungsbereitschaft für Nachrichten Apps auf Tablet Computer – Eine empirische Studie. Forschungsbericht. Hamburg [Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg] 2013.

Haarkötter, Hektor: Journalismus.Online. Das Handbuch zum Online-Journalismus. Köln [Herbert von Halem Verlag] 2019.

Immler, Christian: Die besten Android Apps. Burgthann [Markt+Technik] 2018.

Jakubetz, Christian: Live-Streaming. In: Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. Crossmedia – Storywelten – Change Management. 2. Auflage. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015, S. 120-127.

Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. Crossmedia – Storywelten – Change Management. 2. Auflage. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015.

Krämer, Benjamin: Apps: vom Boom zum Auslaufmodell. Ist das Ende nahe? In: Netz.de, 13.07.2018. https://www.netz.de/netzkultur/news/apps-vom-boom-zum-auslaufmodell

Lechtenberg, Frank: Apps und Smartphones im professionellen Journalismus. Vortrag auf der Crossmedia Konferenz „Think CROSS – Change MEDIA 2018“. Magdeburg, 2018.

Mehring, Brigitta: ARAG Trend 2018: Deutsche sind begeisterte App-Nutzer. Pressemitteilung, Düsseldorf, 23.05.2018. https://www.arag.com/medien/grafik/presse/pi_appnutzung_20180523.pdf

Parbel, Matthias: App-Marktanalyse 2017: Umsätze und Nutzung nehmen deutlich zu. In: heise.de, 18.01.2018. https://www.heise.de/developer/meldung/App-Marktanalyse-2017-Umsaetze-und-Nutzung-nehmen-deutlich-zu-3945999.html

Post, Uwe: Android-Apps entwickeln für Einsteiger. Bonn [Rheinwerk] 2018.

Primbs, Stefan: Social Media für Journalisten. Redaktionell arbeiten mit Facebook Twitter & Co. Wiesbaden [Springer VS] 2016.

Radü, Jens: Technologie als Chance. Auf welche Weise Smartphones, Tablets und die Medientechnologie der Zukunft journalistische Qualität sichern helfen. In: Kramp, Leif; Leonard Novy; Dennis Ballwieser; Karsten Wenzlaff (Hrsg.): Journalismus in der digitalen Moderne. Einsichten – Ansichten – Aussichten. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2013, S. 173-183.

Rondinella, Guiseppe: Appannie-Report. Das sind die Lieblings-Apps der Deutschen. In: Horizont.net, 16.01.2019. https://www.horizont.net/tech/nachrichten/appannie-report-das-sind-die-lieblings-apps-der-deutschen-172267

Schäfer, Rainer: Smarte Produktion smarter Medieninhalte in der Cloud. In: Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. Crossmedia – Storywelten – Change Management. 2. Auflage. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015, S. 261-273.

Schmiechen, Frank: App-Store-Jubiläum. Die App will einfach nicht sterben. In: Gründerszene.de, 10.07.2018. https://www.gruenderszene.de/technologie/die-app-will-einfach-nicht-sterben?interstitial

Staschen, Björn: Mobiler Journalismus. Wiesbaden [Springer VS] 2017.

Stiftung neue verantwortung: Journalismus 2020 – Perspektiven für den Journalismus in der digitalen Moderne. Policy Brief 06/11, Berlin, 2011.

Süßen, Matthias: Die besten Apps für (mobile) Journalisten 2017. In: matthias-suessen.de, 02.03.2017. https://matthias-suessen.de/2017/03/die-besten-apps-fuer-mobile-journalisten-2017/

Thorson, Esther; Heather Shoenberger; Tatsiana Karaliova; Eunjin Kim; Roger Fidler: News use of mobile media. A contingency model. In: Mobile Media & Communication, 2, 2015, S. 160-178.

Universität Bonn: Wie Handys zum “digitalen Burnout“ führen. In: www.uni-bonn.de, 24.09.2015. https://www.uni-bonn.de/neues/195-2015

Wolf, Cornelia: Journalistische Apps etablierter Medienunternehmen. Ergebnisse einer quantitativen Inhaltsanalyse. In: Media Perspektiven, 5, 2014, S. 271-282.

Wyngaarden, Egbert van: Vernetztes Erzählen mit einfachen Mitteln. In: Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. Crossmedia – Storywelten – Change Management. 2. Auflage. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015, S. 161-175.

Augmented Reality

Wortherkunft: engl. to augment = vergrößern, erweitern, von lat. augmento = vermehren; engl. reality, von lat. realis = sachlich, wirklich.

Unter Augmented Reality (AR) versteht man die erweiterte Realität: Man sieht die reale Umgebung und bekommt auf dem Display eines Smartphones oder Tablets bzw. auf einer Datenbrille digitale Inhalte zusätzlich eingeblendet. Eine Vision ist, dass sich diese Inhalte künftig auch mittels einer Kontaktlinse mit der Wirklichkeit vermischen.

Der Begriff ,Augmented Reality‘ wurde Anfang der 1990er Jahre von den Boeing-Mitarbeitern Tom Caudell und David Mizell eingeführt; ins Blickfeld der Mitarbeiter des Flugzeugherstellers sollten aufgabenspezifische Informationen eingeblendet werden (siehe Uni Osnabrück 2014). Augmented Reality wird in der Industrie bzw. Logistik schon seit Längerem genutzt: So können in eine noch leere Werkhalle eines Industrieunternehmens die künftigen Maschinen digital eingeblendet werden, um den Workflow testen zu können. Lagerarbeiter erhalten in ihre Brillen Informationen, wohin sie die Ware abladen können oder woher sie die benötigten Lagerteile erhalten. Erweiterte Realität könnte in nahezu allen Bereichen auch des Alltags eingesetzt werden.

Im Medienbereich hat es bis zum Sommer 2016 gedauert, bis die Technologie in der breiten Bevölkerung angekommen war: Das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ (Mayer 2016), bei dem die Nutzer Monster jagen, hatte sich weltweit rasend schnell verbreitet und einen Medienhype ausgelöst.

Das Magazin der Süddeutschen Zeitung war im Jahr 2010 das nach eigenen Angaben erste Magazin weltweit, das in einer Ausgabe komplett auf Augmented Reality gesetzt hatte (siehe SZ Magazin 2010). SZ-Magazin-Reporter Till Krause hatte ursprünglich über die neue Technologie und das damalige Münchner Unternehmen Metaio berichten wollen. Bei der Recherche kam die Idee auf, statt eines Berichts besser die Technologie durch ein gemeinsam entwickeltes SZ Magazin erlebbar zu machen. Auf der Titelseite war beispielsweise eine Frau abgebildet, die die Hände vor ihr Gesicht hielt. Wenn der Leser sein Smartphone mit der entsprechenden App darüber platzierte, nahm sie die Hände weg und der User konnte TV-Moderatorin Sandra Maischberger erkennen. An einer anderen Stelle wurde die Technologie für ein Kreuzworträtsel genutzt: Hielt man sein Handy über das Rätsel, wurde die Lösung eingeblendet.

Auch der Carlsen-Verlag aus Hamburg setzt in seiner Kinderbuch-Reihe LeYo! auf Augmented Reality: Wenn der Leser in einem Buch über einen Bauernhof mit seinem Smartphone etwa ein Tier markiert, ertönt ein Muhen oder Grunzen; in einem Weltatlas werden Zusatzinformationen zu den Ländern eingeblendet. Dies zeigt, dass es hier bei Geschichten keinen linearen Erzählstrang geben muss und User-Interaktionen möglich sind.

Wie bei Virtual Reality oder 360-Grad-Videos spricht man auch bei Augmented Reality von immersiven Medien, die den User in die digitale Szenerie „eintauchen“ (lat. immersio) lassen. Vorreiter im Medienbereich für immersive Medien sind die Games- und die Pornoindustrie. Im Journalismus wird Augmented Reality eine große Zukunft vorausgesagt (Schart/Tschanz 2016), allerdings gibt es derzeit noch relativ wenige Projekte dazu. Auch die Journalistik blendet das Thema Augmented Reality noch weitgehend aus. Die Forschung findet vor allem an Informatik-Fakultäten statt. Zudem wird von Journalismus-Professoren an Hochschulen angewandte Forschung betrieben.

Medienunternehmen setzen derzeit verstärkt auf Virtual Reality, bei der der Nutzer ausschließlich virtuelle Welten sieht, bzw. auf 360-Grad-Videos. So hat die Süddeutsche Zeitung die App „SZ VR“ entwickelt. Gestartet ist die SZ mit der Reihe „Im Schatten der Spiele“ mit Berichten über die Favelas in Rio de Janeiro zu den Olympischen Sommerspielen im Jahr 2016. Der Westdeutsche Rundfunk hat in einer aufwändigen Produktion den Kölner Dom und seine Geschichte erlebbar gemacht.

AR-, VR- und 360-Grad-Inhalte können am Smartphone ausschließlich mit Apps genutzt werden. Bekannteste Datenbrille für Augmented Reality ist die HoloLens von Microsoft. VR- oder 360-Grad-Inhalte können am einfachsten mit einem Cardboard angeschaut werden: Das ist ein Brillengestell in der Regel aus Pappkarton mit einer Linse, in das das eigene Smartphone eingeklemmt wird. Aufwändiger sind spezielle Datenbrillen, die den User im Raum orten und mit denen man sich deshalb auch innerhalb eines Raums bewegen kann.

Während unter immersiven Medien vor allem die visuelle Komponente betrachtet wird, spielt für das Eintauchen in die virtuelle Welt auch der Sound eine entscheidende Rolle. Hinzu kommt, dass daran experimentiert wird, auch weitere Sinne (wie das Riechen oder Fühlen durch die Haut) zu virtualisieren.

Literatur:

Mayer, Salome: „Spielen ohne schlechtes Gewissen“ – Prof. Markus Kaiser über Pokémon Go. In: meine FAU, 19.07.2016. https://blogs.fau.de/meinefau/spielen-ohne-schlechtes-gewissen-prof-markus-kaiser-ueber-pokemon-go/

Schart, Dirk: Die virtuelle Revolution. Augmented und Virtual Reality im digitalen Medienzeitalter. In: Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. 2. Auflage. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015. Die Publikation ist hier als PDF abrufbar.

Schart, Dirk; Nathaly Tschanz: Augmented Reality. Praxishandbuch für Marketing, Medien und Public Relations. Konstanz [UVK] 2015

Schart, Dirk; Nathaly Tschanz: Mittendrin statt nur dabei: Das Potenzial von Augmented Realiyt im Journalismus. In: fachjournalist.de, 01.09.2016. http://www.fachjournalist.de/mittendrin-statt-nur-dabei-das-potenzial-von-augmented-reality-im-journalismus/

Von Wyngaarden, Egbert; Markus Kaiser; Matthias Leitner; Aline-Florence Buttkereit; Philipp Schall; Sebastian Zembol (Hrsg.): Story:Now. Ein Handbuch für digitales Erzählen. München [Mixtvision] 2016

Click-Baiting

Wortherkunft: engl. to click = klicken; engl. to bait = hier: ködern, anlocken

Der Begriff Click-Baiting beschreibt eine Strategie von Betreibern von Internetseiten, die Aufmerksamkeit für die eigenen Inhalte und die Interaktionsrate zwischen Internetseite und Nutzern zu maximieren. Die Strategie zielt darauf ab, dass Nutzer zu einem großen Teil nur → Überschriften und → Teaser von Online-Texten überfliegen und auf dieser Basis entscheiden, ob sie den vollen Text lesen oder den Beitrag mit anderen Nutzern in sozialen Online-Netzwerken teilen und damit für zusätzliche Aufmerksamkeit für einen Text sorgen.

Seitenbetreiber, die Click-Baiting anwenden, versehen daher Meldungen mit Überschriften und Teasern, die den Nachrichtenkern sprachlich wie inhaltlich extrem zuspitzen, um die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich zu ziehen und hohe Erwartungen für den Fließtext zu wecken, die die Meldung in der Regel nicht einlösen kann. Verbunden wird diese Strategie zudem oft mit einer konsequenten → Suchmaschinen-Optimierung der Beiträge, um auch bei Suchanfragen zu einem bestimmten Thema möglichst weit vorn zu sein.

Ziel des Click-Baitings ist es, viele Zugriffe auf die eigene Seite zu generieren, die dann an Werbetreibende vermarktet werden können. Publizistische Ziele sind eher nachrangig. Im Zuge des Click-Baitings werden Verstöße gegen professionelle Normen hinsichtlich des Zielkonflikts von legitimen Nutzungsanreizen sowie sprachlicher und inhaltlicher Präzision zumindest billigend in Kauf genommen.

Crossmedia

Wortherkunft: engl. to cross = kreuzen, überqueren; engl. media, von lat. medius = in der Mitte befindlich, vermitteln. Crossmedia bedeutet folglich das Kreuzen bzw. miteinander Verweben verschiedener Medien wie Print, Hörfunk, Fernsehen oder Online. In Redaktionen benutzt wurde der Begriff erstmals Ende der 1990er Jahre, als die ersten redaktionellen Internetangebote entstanden. Das erste Lehrbuch zu „Crossmedia“ erschien im Jahr 2008 von Journalist und Medienberater Christian Jakubetz.

Crossmedia bezeichnet die Strategie einer Redaktion, ihre redaktionellen Inhalte über die verschiedenen vorhandenen Plattformen auszuspielen, miteinander zu verknüpfen und jeweils auf das weiterführende Angebot hinzuweisen. Dabei steht der jeweilige Mehrwert für die Nutzer im Vordergrund und nicht das Ausspielen derselben Inhalte über verschiedene Kanäle.

So kann eine Tageszeitung beim → Bericht über das Oktoberfest in München beispielsweise unter dem Print-Text darauf hinweisen, dass es eine Bildergalerie zum Eröffnungswochenende auf der eigenen Website gibt. Der Radiosender kann in den Verkehrsmeldungen mitteilen, dass ein ausführlicher Bericht zum Verkehrsunfall auf der Website steht. Und der Fernsehsender eines integrierten regionalen Medienunternehmens kann ankündigen, dass im Radio das Fußballspiel live kommentiert wird. Die einzelnen Kanäle einer Medienmarke spielen sich sozusagen die Bälle zu. Deutlich an Bedeutung gewonnen haben hier auch die sozialen Netzwerke.

Journalistik-Professor Klaus Meier beschreibt drei Ebenen von Crossmedia: Das „Kreuzen der Medien“ in der Organisation, in der Veröffentlichung eines journalistischen Themas und auf einer einzigen Plattform: dem Internet. Bei Ersterem geht er auf die → Redaktionsstruktur ein: In einem Medienkonzern gibt es häufig (zum Beispiel für Print und Online) eine gemeinsame Redaktion, zumindest einen gemeinsamen → Newsroom zw. Newsdesk, in dem themenorientiert und nicht nach Ausspielkanälen recherchiert wird (vgl. Meier 2012: 311f.).

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk spricht man hier von Trimedialität, weil diese Sender drei Medien bespielen: Radio, Fernsehen und Online (inklusive Social Media). Unter Crossmedia in der Veröffentlichung eines journalistischen Themas ist gemeint, dass jeweils auf das weiterführende Angebot verwiesen wird. Idealerweise wird bereits bei der Planung darauf geachtet, welchen Mehrwert man dem Zuschauer, Leser, Hörer bzw. User bieten kann. Wenn das Thema durch verschiedene Medien im Internet behandelt wird, spricht man auch von → Multimedialem Storytelling. Es kann sich hierbei sowohl um eine Multimedia-Story als auch um ein multimediales Dossier handeln.

Markus Behmer erklärt im Buch „Innovation in den Medien“ (2015: 27f.): „Crossmedia bedeutet also eine komplexe Strategie, die, will man sie umfassend umsetzen, Medienunternehmen und einzelne Journalisten, die gewohnt waren, in einem Medium zu denken, vor große, ständig neue Herausforderungen stellt.“ Journalist und Dozent Christian Jakubetz hat deshalb in seinem Buch „Crossmedia“ (2011: 20f.) eine umfassende Checkliste für Redaktionen erstellt: 1. Welcher Inhalt wird in welcher Situation genutzt?, 2. Welche technischen Voraussetzungen braucht es?, 3. Wie entstehen Synergien zwischen den Inhalten?, 4. Welcher zeitliche Ablauf ist bei der Publikation sinnvoll?, 5. Ist die Klärung der Rechte für alle Plattformen vollständig vorgenommen?, 6. Wo entstehen Mehr- und Nutzwerte für den User? und 7. Passen alle Inhalte zur Marke des Mediums und ihrem Stil?

Besonderen Wert legt Jakubetz beim Begriff Crossmedia auf den Mehrwert (2011: 19): „Wenn jemand Inhalte kopiert, gleich welcher Art, wenn er sie eins zu eins auf eine andere Plattform stellt, dann ist das ganz einfach Reproduktion. Auch wenn dieser Inhalt statt in einer Zeitung im Internet steht, so ist es trotzdem immer noch derselbe Inhalt. Eine Verdopplung oder Verdreifachung von Inhalt – dadurch ist noch nichts Neues, nichts Werthaltiges, nichts Eigenes entstanden und hat insofern nichts mit Multi- oder gar Crossmedia zu tun.“ Auch wenn für jedes Medium unterschiedliche Inhalte entstehen, kann für diese doch gemeinsam recherchiert werden. Bei crossmedialem Arbeiten handelt es sich häufig um Teamarbeit. Der Trend, dass jemand als „Eier legende Wollmilchsau“ für alle Medien die Beiträge verfassen muss, wurde inzwischen wieder umgekehrt, da sich gezeigt hat, dass die Qualität der einzelnen Texte, Audios, Videos oder Fotos darunter deutlich gelitten hatte.

Literatur:

Behmer, Markus: Warum crossmedial arbeiten? In: Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. 2. Auflage. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015.

Hohlfeld, Ralf; Philipp Müller; Annekathrin Richter; Franziska Zacher (Hrsg.): Crossmedia. Wer bleibt auf der Strecke? Berlin [Lit] 2010

Hooffacker, Gabriele: Online-Journalismus. 4. Auflage. Wiesbaden [SpringerVS] 2016

Jakubetz, Christian: Crossmedia. 2. Auflage. Konstanz [UVK] 2011

Jakubetz, Christian: Universalcode 2020. Konstanz [UVK] 2016

Kaiser, Markus (Hrsg.): Innovation in den Medien. München. 2. Auflage. [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2015. (Das Dokument ist hier vollständig als PDF abrufbar.)

Meier, Klaus; Vanessa Giese; Tobias Schweigmann: Das „Kreuzen der Medien“. Das Konzept des crossmedialen Labors. In: Dernbach, Beatrice; Wiebke Loosen (Hrsg.): Didaktik der Journalistik. Konzepte, Methoden und Beispiele aus der Journalistenausbildung. Wiesbaden [SpringerVS] 2012

Datenjournalismus

Wortherkunft: Der Begriff Datenjournalismus (engl. data journalism) ist ein Kompositum aus ‚Daten‘ (Plural von Datum, lat. das Gegebene) und ‚Journalismus‘. Er entstammt der journalistischen Praxis (Coddington 2015: 334) und wird mitunter auch als datengetriebener Journalismus bezeichnet. Letzteres leitet sich vom englischen ,data-driven journalism‘ ab.

Definition:
In der Praxis wird Datenjournalismus oft als die journalistische Aufbereitung von quantitativen Daten zu Informationen, die für die Öffentlichkeit relevant sind, verstanden (Lorenz 2014; Stray 2011; vgl. auch Lowrey/Broussard/Sherrill 2019: 69). Dies umfasst etwa die Interpretation, Einordnung oder Visualisierung von Daten, die beispielsweise in Form von zugespielten Dokumenten, eigenen oder in Studien erhobenen Messungen vorliegen.

Neben diesem anwendungsorientierten Verständnis betonen wissenschaftliche Definitionen die Interdisziplinarität, an der Datenjournalismus entsteht. Genannt werden insbesondere die Schnittstellen im Dreieck zwischen Journalismus, Informatik und Design, aber auch in der Verbindung zwischen Journalismus, empirischer Sozialwissenschaft, Statistik, Visualisierung und Webdesign (Coddington 2015; Gynnild 2014; Parasie/Dagiral 2013).

Als solches Konstrukt lässt sich der Datenjournalismus ferner unter dem Dach des ,Computational Journalism‘ verorten. Den Computational Journalism definieren Diakopoulos und Koliska (2017: 810) als „finding, telling and dissemination of news stories with, by, or about algorithms“; zu ihm zählen auch der automatisierte Journalismus (→ Roboterjournalismus) sowie die moderne Publikumsforschung (Haim 2019). Der Datenjournalismus wird nicht zuletzt auf die Möglichkeiten der Datenverarbeitung und multimedialen Aufbereitung im Internet zurückgeführt (→ Multimediales Storytelling). Entsprechend weisen datenjournalistische Weiterbildungen (→ Weiterbildung im Journalismus) häufig einen methodischen Fokus auf (Baack 2018: 682), vermitteln also die Handhabung großer Datenmengen, die schnelle Visualisierung gängiger Datenformate oder den Umgang mit Geo-Daten.

Geschichte:
Der Datenjournalismus wird häufig als Nachfolger des ‚computer-assisted reporting‘ (CAR) beschrieben (Zamith 2019a). Diese journalistische Bewegung findet ihren Ursprung im ‚precision journalism‘ (Meyer 1973), der sich in den 1970er Jahren in den USA etablierte. Ziel beider Bewegungen war es, sozialwissenschaftliche Methoden der Datenerhebung und statistischen Auswertung zu übernehmen, um den Journalismus wissenschaftlicher und faktenbasierter – mithin auch investigativer (Parasie/Dagiral 2013) – zu machen (Coddington 2015). Als zentrale Institution dafür hat sich bereits 1975 die US-Nichtregierungsorganisation ‚National Institute for Computer-Assisted Reporting‘ (NICAR) gebildet, die bis heute Foren, Leitlinien, Workshops und Konferenzen zum Thema bereitstellt.

Der moderne Datenjournalismus gewinnt indes seit dem Aufkommen des sogenannten ,Web 2.0‘, also seit Beginn der 2000er Jahre, an Bedeutung (Zamith 2019a). Die Verbreitung von leistungsstarken Endgeräten, eine entsprechende Bandbreite sowie die Möglichkeiten der Interaktivität machten Infografiken und Geo-Daten, statistische Analysen und datenlastige Recherchen salonfähig.

Neben dieser technikdeterministischen Perspektive – also dem, was der Journalismus tun kann – ist in der Gesellschaft auch ein zunehmendes Datenbewusstsein gegenüber dem Journalismus – also dem, was der Journalismus tun soll – zu beobachten (Hammond 2017). So erlaubt die Digitalisierung einerseits Einblicke in gesellschaftliche Prozesse mit bislang ungekannter Detailtiefe, digitale Spuren und ,big data‘ sollen langfristig zu einem besseren Miteinander beitragen (z.B. in der Medizin, der modernen Städteplanung oder der politischen Entscheidungsfindung). Andererseits steckt in großen Datenmengen nur eine suggerierte Objektivität; algorithmische Verzerrungen und eine eingeschränkte Privatsphäre sind regelmäßig Thema des öffentlichen Diskurses (Boyd/Crawford 2012).

Vor diesem Hintergrund beschreibt Anderson (2018) die Entwicklung des Datenjournalismus auch als Reaktion auf ein geringes Vertrauen in den Journalismus: Konfrontiert mit Zweifeln an der eigenen Glaubwürdigkeit, versucht sich der Journalismus mit Zahlen und Fakten, mithin mit mehr empirischer Evidenz, gegen diesen Vorwurf zu wehren. Allerdings zeigt Anderson (ebd.) an historischen Vergleichen, dass ein solches Vorgehen die Angriffsfläche auch vergrößern kann, Zweifelnden also durch mehr Zahlen auch Anlass für weitere Zweifel bietet.

Gegenwärtiger Zustand:
War der Datenjournalismus anfangs eine Art bunte Spielwiese, so hat er sich mit Blick in die Redaktionen etwa seit 2010 deutlich institutionalisiert: Seither setzen einige Redaktionen auf die schnelle Integration von Diagrammen und Infografiken in die tägliche Beitragsproduktion, während andere Redaktionen eigene Ressorts geschaffen haben, die sich verstärkt um die Recherche und Analyse von Daten kümmern. Welchen Weg eine Redaktion wählt, ist dabei auch Teil der Strategie einer jeden Medienorganisation (vgl. Haim 2019: 251ff.), etwa im Rahmen der → Suchmaschinenoptimierung, für die datenjournalistische Inhalte Alleinstellungsmerkmale darstellen.

Die schnelle Datenintegration wird vielerorts von Journalisten selbst übernommen. Dafür haben sich Tools etabliert, die ohne große technologische Hürde die Visualisierung von Daten erlauben (z.B. Datawrapper, Infogram, Mapbox). Dem daraus erwachsenen Ruf nach veränderten Curricula in der Journalismusausbildung (z.B. Hewett 2016; Donsbach 2014) sind mehrere Ausbildungsstätten gefolgt, so dass etwa in Dortmund und Leipzig eigene Studiengänge mit datenjournalistischen Schwerpunkten und an anderen Standorten (z.B. Hamburg, Mainz, München) regelmäßig entsprechende Seminare angeboten werden (Splendore et al. 2016).

Eigene Ressorts zur Datenverarbeitung haben etwa die öffentlich-rechtlichen Anstalten BR, MDR und WDR, überregionale Redaktionen wie der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung und ZEIT online, aber auch vereinzelt regionale Angebote wie die Berliner Morgenpost etabliert. Die dabei entstehenden Projekte gehen in vielen Fällen über reine Visualisierungen hinaus und umfassen etwa die Organisation von eingereichten Daten durch Nutzer (sog. „Crowdsourcing“; Aitamurto 2016), die Verarbeitung großer Datenmengen im Rahmen von Investigativteams oder die Entwicklung von datengetriebenen Spielen mit Informationsgehalt (→ Newsgames; Ferrer-Conill 2018).

Trotz dieser Vielfalt und Institutionalisierung des Datenjournalismus lässt sich heute nur bedingt von einem flächendeckend professionalisierten Bereich sprechen: Zu experimentell ist vielerorts der Umgang mit Visualisierungen, zu wenig Normen haben sich bislang zur Datenqualität und dem Umgang mit Quellen etabliert, zu viel Kompetenz in den Redaktionen hängt noch an ausgewählten Individuen (Zamith 2019b).

Forschungsstand:
Die Forschung um den Datenjournalismus lässt sich grob in eine soziologisch und eine kommunikationswissenschaftlich geprägte Strömung aufteilen.

Aus soziologischer Perspektive beschäftigen sich mehrere Autoren mit der Frage nach dem professionellen Hintergrund verschiedener Redaktionsmitglieder und dem Zusammenspiel zwischen journalistischen und nicht-journalistischen Akteuren (insb. Holton/Belair-Gagnon 2018; Lewis/Usher 2016; Lewis/Westlund 2014). Hierbei wird nicht-journalistischen Akteuren häufig ein großes Datenverständnis attestiert, das sie von journalistischen Akteuren unterscheidet, ihnen aber gleichzeitig prägenden Einfluss auf journalistische Produkte zuspricht (Baack 2018; Cheruiyot/Ferrer-Conill 2018; Appelgren 2016).

Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive dreht sich die Forschung vor allem um den Umgang mit journalistischen Normen und Werten. Dabei zeigt sich, dass Fragen der Praktikabilität und Realisierbarkeit im datenjournalistischen Alltag meist eine größere Rolle spielen als Fragen nach journalistischen Grundsätzen (Appelgren 2016; Fink/Anderson 2015). So finden Lowrey et al. (2019) nach qualitativen Leitfadeninterviews mit Datenjournalisten in den USA, dass diese zwar auf die Glaubwürdigkeit von Datenquellen achten, präsentierte Werte, Variablen oder Kategorien aus Mangel an Transparenz und Verständnis aber kaum hinterfragen.

Tandoc und Oh (2017) berichten von 260 analysierten Datenprojekten des britischen Guardian, dass die Verfügbarkeit von Daten bisweilen die Themensetzung beeinflusst, dass aber auf journalistische Grundsätze wie die Trennung von Information und Meinung oder die Nennung von Quellen weiterhin Wert gelegt wird. Craig et al. (2017) verweisen schließlich auf die Foren des NICAR, in denen Datenjournalisten ethische Aspekte vereinzelter Veröffentlichungen diskutieren (die Autoren untersuchten das Thema Waffenbesitz) und dabei auch maßgeblich zur Entwicklung und Umsetzung datenjournalistischer Werte beitragen.

Literatur:

Aitamurto, Tanja: Crowdsourcing as a knowledge-search method in digital journalism. In: Digital Journalism, 4(2), 2016, S. 280-297. https://doi.org/10.1080/21670811.2015.1034807

Anderson, Christopher W.: Apostles of Certainty: Data journalism and the politics of doubt. Oxford/New York [University Press] 2018.

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E-Paper

Wortherkunft: E-Paper ist die Abkürzung für engl. electronic paper, eine Wortbildung analog zu E-Mail oder E-Book.

Definition:
Der Begriff beschreibt (1) digitale Techniken für die Anzeige von Printprodukten, (2) die elektronische Ausgabe eines Printmediums, die online verbreitet wird.

(1) Elektronisches Papier soll ein Leseerlebnis wie beim bedruckten Papier liefern. Wie von E-Book-Readern bekannt, leuchtet der Bildschirm nicht selbst, sondern reflektiert das Licht. Das Display besteht aus einer so genannten Frontplane, der vorderen Ebene des Geräts, und einer Backplane, der inneren Technik. Die Frontplane enthält die für den Anwender sichtbaren Bildpunkte (Pixel). Schwarze und weiße Pigmentkugeln, die „elektronische Tinte“, werden durch elektrische Ladung gesteuert. Spezielle Lesegeräte sind notwendig. Bislang (Stand 2017) gibt es dafür noch keinen einheitlichen Standard.

(2) Elektronische Zeitungen oder Zeitschriften benötigen weder Druck noch Pressevertrieb. Sie werden sofort nach Fertigstellung, meist bereits am Vorabend des Erscheinens des Printprodukts, in unterschiedlichen Formaten online bereitgestellt. Für das Abonnement der elektronischen Ausgabe fallen in der Regel Gebühren an. Hinzukommen kann der Aufwand für die Übertragung (Volumengebühren, Flatrate, Geschwindigkeitsbegrenzung).

Geschichte:
Elektronische Zeitungen oder Zeitschriften bildeten zunächst möglichst genau das Printprodukt ab. In der Anfangsphase des Internets, als Plattformen wie Compuserve oder AOL geschlossene Angebote bereitstellten, experimentierten die ersten Anbieter dort mit kostenpflichtigen elektronischen Zeitungen. Bereits lange vor Erfindung des World Wide Web war 1980 die US-amerikanische Tageszeitung The Columbus Dispatch über Compuserve verfügbar. Die Online-Nutzung kostete fünf US-Dollar pro Stunde zusätzlich zur Nutzungsgebühr des Online-Dienstes. Sie erreichte knapp 3000 Leser.

Mit der Verbreitung des WWW und erschwinglicher Internet-Zugänge stellten Zeitungen und Zeitschriften einen Teil, das gesamte Angebot oder auch das Archiv im Web kostenfrei zur Verfügung. Nach dem Zusammenbruch der New Economy Anfang 2000 und der beginnenden Zeitungskrise suchten die Verlage nach Bezahllösungen: zuerst durch kostenpflichtige Inhalte, den Paid Content, ab den 2010er Jahren in der so genannten Bezahlschranke. Sie wird auch → Paywall genannt und trennt kostenpflichtige von frei verfügbaren Inhalten eines Anbieters.

Mit dem sprunghaften Anstieg der Verbreitung mobiler Endgeräte nahm parallel die Bedeutung klassischer E-Paper ab und die Nutzung von mobilen Inhalten zu. Produziert wird heute meist nach dem XML-Standard, der die Ausgabe unterschiedlicher digitaler Formate, online wie print, erlaubt.

Gegenwärtiger Zustand:
Heute stellen Verlage ihren Abonnenten die Printausgaben von Zeitungen und Zeitschriften kostenpflichtig als mobile Anwendung, als PDF-Datei sowie in weiteren Formaten zur Verfügung. Zum Teil ist die digitale Nutzung im Abonnement der Printausgabe enthalten, zum Teil können die Ausgaben separat abonniert werden. Vor allem Zeitschriften nutzen das Angebot von Plattformen wie Issuu.com oder Yumpu.com, die ein Online-Blättern in der Printausgabe erlauben und damit das Look-and-feel von Printprodukten nachbilden.

Bezüglich der Technik elektronischer Zeitungen mangelt es an einer einheitlichen Lösung analog zum E-Book, die den Lesern erlaubt, auf einer Plattform die journalistischen Inhalte diverser Anbieter zu einem akzeptablen Preis aktuell und individuell zusammen zu stellen. Am Zeitungsmarkt konnte sich bislang keins der Lesegeräte durchsetzen.

Stattdessen werden mehr und mehr Formate zur Ausgabe auf gängigen Endgeräten angeboten. So kann man beispielsweise die Süddeutsche Zeitung für unterschiedliche stationäre wie mobile Endgeräte (Windows, Apple, Android) abonnieren – und zwar als reine Textausgabe, als PDF-Datei oder als App für Smartphone oder Tablet.

Parallel dazu sind Finanzierungsmodelle für journalistische Produkte entstanden, die mit oder ohne Verlag auskommen. Neben den Abo-Modellen sind hierbei sind auch themen- und projektbezogenes Crowdfunding sowie Micropayment für einzelne Beiträge zu beobachten.

Forschungsstand:
Zur Bereitschaft, für journalistische Inhalte auch in digitaler Form zu bezahlen, ohne dass ein Printprodukt vorliegt, existieren zahlreiche Studien und Untersuchungen. Auch zu Modellen wie Micropayment und Crowdfunding gibt es umfangreiche Literatur. Mit der Technik des E-Papers und der elektronischen Tinte (E-Ink) befassen sich auch informationstechnische und ingenieurwissenschaftliche Veröffentlichungen.

Literatur:

Ebel, Sascha: E-Paper – eine Perspektive für die Publikumszeitschrift? In: Friedrichsen, Mike; Martin F. Brunner (Hrsg.): Perspektiven für die Publikumszeitschrift. Berlin/Heidelberg [Springer] 2007, S. 417-441

Haller, Michael: Was soll aus der Zeitung werden? In: Arnold, Klaus; Christoph Neuberger (Hrsg.): Alte Medien – neue Medien. Theorieperspektiven, Medienprofile, Einsatzfelder. Festschrift für Jan Tonnemacher. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2005, S. 119-131

Hoffmann-Waldeck, Thomas et al.: Standards in der Medienproduktion. Berlin/Heidelberg [Springer Vieweg] 2013

Koubek, Jochen: E-Paper is Tomorrow (Preprint). Berlin 2007, abrufbar unter https://medienwissenschaft.uni-bayreuth.de/assets/Uploads/Koubek/forschung/KoubekE-Paper.pdf

Kramp, Leif; Leonard Novy; Dennis Ballwieser; Karsten Wenzlaff (Hrsg.): Journalismus in der digitalen Moderne. Einsichten – Ansichten – Aussichten. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2013

Echokammer

Wortherkunft: Der Begriff der Echokammer (engl. ,echo chamber’) verweist auf einen metaphorischen Raum, in dem Aussagen verstärkt und Störgeräusche, etwa anders lautende Meinungen, geschluckt werden. Einzug in die → Kommunikationswissenschaft hielt der Begriff bereits 2001 durch einen Essay des US-Rechtswissenschaftlers Cass Sunstein (Sunstein 2001); breitere Berücksichtigung fand er indes erst durch das 2007 erschienene Buch Republic.com 2.0 Sunsteins. 

Mitunter synonyme Verwendung findet der Begriff der Filterblase (engl. ,filter bubble’), der allerdings nicht bedeutungsgleich ist (vgl. weiter unten). Er wurde 2011 durch die Auftritte und das gleichnamige Buch des US-Autors und Online-Aktivisten Eli Pariser eingeführt.

Definition:
Echokammern beschreiben in der → Kommunikationswissenschaft eine Hypothese (vgl. Rau/Stier 2019): Sie besagt zunächst, dass sich die öffentliche Kommunikation in voneinander isolierte ,Kammern‘ verlagert – ein Prozess, der als Fragmentierung bezeichnet wird. Eine solche Fragmentierung verläuft dabei nicht zufällig, sondern entlang von Einstellungen und Meinungen: Auf der Mikroebene geht die Echokammer-Hypothese also davon aus, dass sich Menschen mit ähnlichen Ansichten zunehmend in geschützten Räumen austauschen. Eine solche Fragmentierung ist dabei nicht per se als negativ zu beurteilen, im Gegenteil: Meinungsvielfalt gilt als vitales Merkmal einer funktionierenden Demokratie und die sichtbare Ausdifferenzierung politischer Ansichten ist mitunter imstande, die politische Beteiligung Einzelner zu stärken.

Die Echokammer-Hypothese geht allerdings von einer übermäßigen und für andere weitestgehend unsichtbaren Fragmentierung aus, in der einseitige Perspektiven gegenseitig verstärkt werden, anders lautende Meinungen immer weniger Beachtung finden und sogar Misstrauen schüren. Entsprechend gehe die Fragmentierung auf der Mikroebene dabei einher mit einer verstärkten Polarisierung der Öffentlichkeit auf der Makroebene. Eine solche Polarisierung ist für die Gesellschaft wenig wünschenswert, insofern eine funktionierende → Öffentlichkeit als zentraler Bestandteil moderner Demokratien betrachtet wird. Echokammern, so die Befürchtung, gefährden eine gemeinsame Öffentlichkeit, den gesellschaftlichen Diskurs, die Möglichkeit einer Konsensfindung, soziale Integration und damit letztlich die Demokratie (Aelst u. a. 2017). 

Eine zentrale Rolle spielen dabei die Medien und insbesondere die moderne Mediennutzung. So kann sich einerseits eine Gesellschaft polarisieren, weil Menschen Informationen und Ansichten bevorzugen, die ihrer individuellen Perspektive entsprechen. Polarisierung lässt sich also als Folge von einseitiger Mediennutzung betrachten, die sich aus der Notwendigkeit ergibt, aus der Vielfalt an im Internet verfügbaren Informationen selektieren zu müssen (Prior 2007; Stroud 2010). Andererseits kann eine in Teilen polarisierte Gesellschaft dazu beitragen, dass Menschen bestimmte Ansichten vermehrt selbst vertreten und deshalb bestimmte Medien oder Personen gegenüber anderen vorziehen. Polarisierung lässt sich also auch als Ursache einseitiger Mediennutzung verstehen (Dahlgren 2019; Müller u. a. 2017). 

Zusammen genommen ergibt sich daraus ein Spiralprozess, bei dem eine einseitige Mediennutzung zur Polarisierung einer Gesellschaft beiträgt, was wiederum eine einseitige Mediennutzung begünstigt. Hinzu kommt, dass insbesondere in algorithmisch kuratierten Medienumgebungen – etwa bei Nachrichtenaggregatoren, auf sozialen Netzwerkseiten oder in Suchmaschinen – nicht nur Menschen eine Auswahl aus der verfügbaren Vielfalt an Informationen und Meinungen treffen, sondern Algorithmen bereits eine Vorauswahl treffen. Neben sozialen Aspekten beeinflussen also auch technologische Prämissen die angesprochenen Tendenzen der Fragmentierung und damit mitunter auch der Polarisierung.

Abgrenzung zu Filterblasen:
Spätestens an dieser Stelle unterscheiden sich Echokammern und Filterblasen voneinander. Während die Echokammer-Hypothese den gesellschaftlichen Prozess einer Polarisierung aufgrund zunehmender Fragmentierung in digitale Räume zu beschreiben sucht, zielen Filterblasen primär auf ,Filter‘ ab, mithin also auf technologische Prämissen zugrunde liegender Algorithmen und Daten. 

Dabei lassen sich grundlegend drei technologische Prämissen unterscheiden, nach denen Filter operieren (vgl. Oechslein/Hess 2013):
(1) Systeme des ,collaborative filtering‘ suchen nach Nutzungsmustern, leiten ihre Prognosen also vom Verhalten anderer ab, ohne dabei die Inhalte selbst zu kennen („Kunden wie Sie kauften auch …“);
(2) ,content filtering‘-Systeme vergleichen inhaltliche Merkmale und leiten davon Prognosen ab („Ähnliche Produkte sind …“);
(3) Systeme des ,social filtering‘ gehen schließlich von ähnlichen Interessen zwischen verlinkten Personen aus und leiten Prognosen vom Verhalten sozial naher Personen ab („Freundin X kaufte auch …“).
Darüber hinaus existieren zahlreiche Kombinationen dieser drei Prämissen, die mitunter auch als ,hybrid filtering‘ umschrieben werden.

Die Filterblasen-Hypothese geht nun davon aus, dass das Zusammenspiel dieser Filter und die dadurch konstant beeinflusste Nutzung algorithmisch kuratierter Medienumgebungen dazu führt, dass bestimmte Produkte, Inhalte oder Meinungen in den Filtern hängen bleiben. Es bilde sich also, so die Hypothese Eli Parisers, eine Blase, in die nurmehr kommt, was den Filtern entspricht. Im Gegensatz zu Echokammern handelt es sich bei Filterblasen also um eine äußerst technikdeterministische Sichtweise auf den Gegenstand algorithmisch kuratierter Medienumgebungen, bei der individuelle Prädispositionen, soziale Prozesse oder gesellschaftliche Entwicklungen kaum eine Rolle spielen. 

Forschungsstand:
Der These der Fragmentierung wird in unterschiedlichen Disziplinen mit einer Vielzahl an methodischen Zugängen und im Rahmen zahlreicher Medienumgebungen begegnet. Die Befunde zeigen dabei ein verhältnismäßig einheitliches Bild, das sich im Kern auf drei Perspektiven reduzieren lässt: 

(1) Aus Sicht der Nutzung zeigen sowohl Befragungen (Bodó u. a. 2019) als auch Beobachtungen (Bakshy/Messing/Adamic 2015), dass bestimmte Personen sich vermehrt abseits eines sogenannten Mainstreams informieren und austauschen. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass sich der Großteil solcher Personen dabei aber nicht von einer breiteren Öffentlichkeit entkoppelt, sondern diese Personen in der Regel breit informiert und politisch engagiert sind (Fletcher/Nielsen 2017; Ørmen 2018; Scharkow u. a. 2020). 

(2) Aus Sicht des Informationsangebots zeigen insbesondere agentenbasierte Testverfahren (Feuz/Fuller/Stalder 2011; Haim/Arendt/Scherr 2017) und Simulationen (Möller u. a. 2018; Rao u. a. 2013), dass es kaum zu Einschränkungen der → Vielfalt an Themen, Akteuren, Quellen oder Meinungen im Rahmen von Systemen, die verstärkt Ansätze des ,collaborative filtering‘ oder des ,content filtering‘ erfolgen, kommt. Gleichzeitig zeigen einige Untersuchungen zumindest Tendenzen der Fragmentierung, wenn es etwa um regionale (Hannak u. a. 2013) und sprachliche (Scherr/Haim/Arendt 2019) Anpassungen oder um personalisierte Werbung (Haim/Graefe/Brosius 2018) geht. Ferner zeigen Ergebnisse um ,social filtering‘-Systeme für sehr homophile Nutzungsgruppen durchaus Effekte verstärkter Entkoppelung von einer breiteren Öffentlichkeit (Barberá u. a. 2015; Colleoni/Rozza/Arvidsson 2014). 

(3) Über die Zeit gesehen scheint weder die Fragmentierung der Nutzung noch die des Informationsangebots zuzunehmen, der Grad der Fragmentierung ist weitestgehend unkritisch und konstant (Cozza u. a. 2016; Feuz/Fuller/Stalder 2011; Haim/Arendt/Scherr 2017; Puschmann 2019; Zuiderveen Borgesius u. a. 2016). Die einzige Ausnahme bilden besonders homophile Gruppen, deren Kommunikation in sozial geprägten algorithmisch kuratierten Medienumgebungen von gegenseitiger Bestätigung und fehlenden ernsthaft vertretenen Gegenargumenten geprägt ist (Bruns 2019). 

Insbesondere für solche Gruppen scheint sich dann auch die These der Polarisierung zu bestätigen, wonach eine bestimmte politische Orientierung mit einer bestimmten und mitunter äußerst selektiven Mediennutzung einhergeht (Bozdag u. a. 2014; Stroud 2010). Diese isolierte Mediennutzung scheint dabei auch mit einer höhen Affinität für → ,fake news‘ einherzugehen (Allcott/Gentzkow 2017; Arendt/Haim/Beck 2019) und anfällig für verzerrte Darstellungen vermeintlicher Mehrheitsmeinungen zu sein (Haim/Kümpel/Brosius 2018; Porten-Cheé u. a. 2018). Vom Fehlen einer gemeinsamen Öffentlichkeit in der Breite der Gesellschaft kann indes derzeit nicht die Rede sein (Boxell/Gentzkow/Shapiro 2017; Fletcher/Jenkins 2019; King/Schneer/White 2017; Levendusky/Malhotra 2016).

Literatur:

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Rau, Jan Philipp; Sebastian Stier: Die Echokammer-Hypothese: Fragmentierung der Öffentlichkeit und politische Polarisierung durch digitale Medien? In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 13 (August), 2019, S. 399-417. https://doi.org/10.1007/s12286-019-00429-1

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Scherr, Sebastian; Mario Haim; Florian Arendt: Equal Access to Online Information? Google’s Suicide-Prevention Disparities May Amplify a Global Digital Divide. In: New Media & Society 21 (3), 2019, S. 562-582. https://doi.org/10.1177/1461444818801010

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Sunstein, Cass R.: Echo Chambers: Bush v. Gore, Impeachment, and Beyond. Princeton [Princeton University Press] 2001.

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Zuiderveen Borgesius, Frederik J.; Damian Trilling; Judith Möller; Bodó Balázs, Claes H. de Vreese; Natali Helberger: Should we worry about filter bubbles? In: Internet Policy Review 5 (1), 2016, S. 1-16. https://doi.org/10.14763/2016.1.401

Fake News

Wortherkunft: engl. to fake = fälschen, imitieren; engl. news = Nachrichten

Der Begriff Fake News bezeichnet Artikel, die durch Imitation journalistischer Genres vorsätzlich und wissentlich falsche oder durch Pauschalisierung und Vereinfachung irreführende Informationen präsentieren. Dahinter steckt die Absicht, möglichst viel Aufmerksamkeit zu generieren und/oder zu desinformieren. Fake News werden meist auf Online-Plattformen publiziert, insbesondere aber in sozialen Online-Netzwerken verbreitet. In Deutschland sind Fake News bislang vor allem ein Phänomen innerhalb rechtspopulistischer Strömungen (Sängerlaub/Meier/Rühl 2018).

Obwohl gezielte Desinformation kein grundsätzlich neues Phänomen ist, wird es heute als ernsthafte Bedrohung für die politische Meinungsbildung in westlich orientierten Demokratien wahrgenommen. Der Hauptgrund ist, dass sich derartige Fake News in einer digitalisierten Medienumwelt deutlich schneller und räumlich weiter verbreiten und so über soziale Online-Netze wie Facebook starke politische Dynamiken erzeugen können. Symptomatisch dafür war etwa die systematische Verbreitung von Falschinformationen während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 und des Brexit-Referendums im gleichen Jahr (Humprecht 2018). Beides hat dazu beigetragen, politische Entscheider für das Thema zu sensibilisieren. Dies zeigt sich etwa in der Gründung einer Expertengruppe der Europäischen Kommission zu diesem Thema im Jahr 2018 (European Commission 2018).

In der aktuellen kommunikationswissenschaftlichen Forschung zu diesem neuen, sich erst entwickelnden Forschungsfeld gibt es noch keine einheitliche Definition des Phänomens (Tandoc Jr./Lim/Ling 2018). Ein wesentlicher Streitpunkt ist hier, ob ,Fake News‘ als wissenschaftlicher Begriff verwendet werden sollte oder ob es angemessener wäre, stattdessen von Desinformation zu sprechen. Skeptiker verweisen darauf, dass der Ausdruck Fake News von populistischen Bewegungen und Politikern als Kampfbegriff verwendet wird, um die Glaubwürdigkeit von Meldungen zu untergraben, die von professionellen Journalisten erstellt wurden (Vosoughi/Roy/Aral 2018). Diese Taktik ist eingebunden in einen elitenkritischen Populismus, der unabhängige Medien als Medium und Faktor der Meinungsbildung systematisch diskreditiert. Andere Wissenschaftler wie zum Beispiel David Lazer et al. (2018) plädieren dafür, den Begriff gerade nicht populistischen Bewegungen zu überlassen, weil er zum einen den Kern des Phänomens präzise beschreibe und als eingeführter Begriff eine große → öffentliche Aufmerksamkeit auf das Phänomen lenke.

Mit diesen Grundeinschätzungen korrespondieren unterschiedliche Schwerpunktsetzungen hinsichtlich des Kerns des Phänomens. Vosoughi et al. (2018) legen Wert auf die Unterscheidung zwischen richtigen und falschen → Nachrichten. Sie unterstreichen damit die Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt von Nachrichten mit professionellen journalistischen und wissenschaftlichen Methoden systematisch zu überprüfen (sog. Debunking). Dieser erkenntnistheoretische Aspekt sei deutlich wichtiger als das Kalkül der politischen Akteure, die Fake News verbreiten, und die Kommunikationsstrategien, in die Fake News eingebunden seien. Lazer et al. (2018) heben dagegen ausdrücklich hervor, dass der Begriff Fake News die spezifische Kombination aus Falschaussagen einerseits und der Adaption professioneller Nachrichtenformate andererseits reflektiere, die im Ergebnis dazu führen solle, die Aufmerksamkeit des Publikums für eine Botschaft zu maximieren.

Diese strategische Komponente von Fake News wird auch von weiteren Autoren betont: So unterscheiden Allcott und Gentzkow (2017) explizit zwischen Fake News als absichtlich verbreiteten Falschaussagen und anderen Falschmeldungen, die aufgrund von Fehlern in redaktionellen Abläufen der Nachrichtenerstellung trotz aller professionellen Routinen zur →  Qualitätssicherung nicht vermeidbar seien und die umso eher aufträten, je schlechter die Ausbildung von Nachrichtenredakteuren und/oder die Ressourcenausstattung eines → Newsrooms sei (Wardle 2017, siehe dazu auch → Ente).

Andere Autoren heben hervor, dass der strategische Einsatz von Falschmeldungen nicht nur aus politischen, sondern auch aus ökonomischen Motiven heraus stattfinde, um im Sinne des → Click-Baitings mit reißerischen Überschriften und → Teasern die Zugriffszahlen auf das eigene Angebot und damit die eigenen Werbeeinnahmen zu optimieren (Hunt 2016). Gerade deshalb, argumentieren Autoren wie Baym (2005), spiele bei der Analyse von Fake News der Kontext der Veröffentlichung eine wichtige Rolle, um Wirkungspotenziale korrekt einschätzen zu können.

Unabhängig von den strategischen Intentionen kommerzieller und politischer Akteure, die Fake News verbreiten, verwenden sie ähnliche Instrumente, um ihre Ziele zu erreichen (Tandoc/Lim/Ling 2018). Beide streben danach, professionell erstellte Nachrichten hinsichtlich Sprache, Aufbau und visueller Gestaltung möglichst stark zu imitieren, um an eingespielte Routinen zur Nachrichtenrezeption anknüpfen zu können. Insofern lassen sich Fake News entlang ihres Faktengehalts und ihrer Täuschungsabsicht differenzieren von der Nachrichtenparodie bis hin zur geschickt getarnten politischen Falschmeldung einer sorgfältig orchestrierten Desinformationsstrategie.

Gerade der letzte Aspekt prägt die wissenschaftliche Sicht auf die gesellschaftliche Relevanz des Phänomens Fake News. Benannt werden zuallererst negative Auswirkungen auf die Qualität politischer Debatten und das politische Wissen der Wähler (Vosoughi/Roy/Aral 2018). Verbunden damit sind zudem Befürchtungen, dass Fake News die Polarisierung und Aufspaltung von Gesellschaften förderten, da sich bestimmte Subsegmente zunehmend über soziale Medien aus Quellen informierten, die die eigene Sicht auf die Welt bestärken. Die Algorithmen von sozialen Online-Netzwerken oder Newsbots verstärkten diesen Effekt noch (Sunstein 2017).

Literatur:

Allcott, Hunt; Matthew Gentzkow: Social media and fake news in the 2016 Election. In: Journal of Economic Perspectives, 31, 2017, S. 211-236.

Baym, Geoffrey: The Daily Show. Discursive Integration and the Reinvention of Political Journalism. In: Political Communication, 22(3), 2005, S. 259-276. DOI: 10.1080/10584600591006492.

European Commission: A multi-dimensional approach to disinformation – Report of the independent High Level Group on fake news and online disinformation. Luxemburg [Publications Office of the European Union] 2018. Online verfügbar unter: http://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=50271

Humprecht, Edda: Where ‘Fake News’ flourishes: A comparison across four western democracies. In: Information, Communication & Society, 2018, S. 1-16.

Hunt, Elle: What is fake news? How to spot it and what you can do to stop it. In: The Guardian, 17.12.2016. Online verfügbar unter: https://www.theguardian.com/media/2016/dec/18/what-is-fake-news-pizzagate

Lazer, David M. J.; Matthew A. Baum; Yochai Benkler; Adam J. Berinsky; Kelly M. Greenhill; Filippo Menczer et al.: The Science of Fake News. In: Science, 359, 2018, S. 1094-1096.

Sängerlaub, Alexander; Miriam Meier; Wolf-Dieter Rühl: Fakten statt Fakes. Verursacher, Verbreitungswege und Wirkungen von Fake News im Bundestagswahlkampf 2017. Berlin [Stiftung Neue Verantwortung e.V.] 2018. Online verfügbar unter: https://www.stiftung-nv.de/sites/default/files/snv_fakten_statt_fakes.pdf

Sunstein, Cass R.: #Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media. Princeton [Princeton University Press] 2017.

Tandoc Jr., Edson C.; Zheng Wei Lim; Rich Ling: Defining “Fake News”: A typology of scholarly definitions. In: Digital Journalism, 6, 2018, S. 137-153.

Vosoughi, Soroush; Deb Roy; Sinan Aral: The spread of true and false news online. In: Science, 359, 2018, S. 1146-1151.

Wardle, Claire: Fake News. It’s Complicated. 2017. In: First Draft, 16.02.2017. Online verfügbar unter: https://firstdraftnews.com/fake-news-complicated/

Link

Wortherkunft: engl. to link = verbinden; auch Hyperlink genannt

Text- oder Bildobjekt, das beim Auslösen zu einem weiteren, in der Regel längeren Beitrag führt. Die Technik der Verlinkung ist konstituierend für Hypertext und Hypermedia und praktisch alle Online-Angebote. Digitale Audio- und Videodateien können ebenfalls Links enthalten. Links sind die Basis für → Teaser im Online-Journalismus.

Die Anfänge der Links gehen auf die ersten grafischen Bedienoberflächen zurück. Das Hypertext-Konzept, eigentlich älter, wurde 1991 als WorldWideWeb-Konzept von Tim Berners-Lee am CERN in Genf veröffentlicht. Thematisch verwandte Dokumente sollten per Hyperlink zu einem weltumspannenden Hypertext-Gebilde verwoben werden. Eine einfache Befehlssyntax markiert in der Web-Auszeichnungssprache HTML (Hypertext Markup Language) das sinntragende Element und stellt die Verbindung zum verwandten Dokument her: <a href=“http://www.muenchen.de“>Dieser Link führt zur Stadt München</a>. Das sinntragende Element ist in diesem Fall der Satz „Dieser Link führt zur Stadt München“, er verlinkt auf die URL http://www.muenchen.de. Zeitweise wurden die Texte ‘Hotword’, grafische Link-Elemente ‘Hotspot’ genannt. Kennzeichnend war ursprünglich das Anklicken mit der Maus, das zunehmend auf Touchscreens von der Geste des Antippens abgelöst wird.

Die journalistische Tätigkeit liegt insbesondere in der Auswahl des sinntragenden Texts oder grafischen Elements für die Verlinkung. Funktional lassen sich fünf Linktypen unterscheiden:

  1. Strukturierende Links gliedern das Dokument. Sie haben eine vergleichbare Funktion wie Zwischenüberschriften in einem gedruckten Magazin.
  2. Definierende Links erläutern einzelne Punkte im Text. Beispiele sind Verweise auf ein Glossar oder Literaturverzeichnis.
  3. Assoziierende Links führen zu vertiefenden Beiträgen, die dem eben aufgerufenen Dokument gleichgestellt sind.
  4. Navigations-Links treten meist gebündelt als Navigationsleiste auf. Sie helfen bei der Auswahl der Ebenen im Rahmen eines Hypertext-Angebots: innerhalb derselben Ebene, eine Ebene höher oder tiefer.
  5. Kommunikations-Links lassen ein Fenster ‘Neue E-Mail-Nachricht’ aufgehen oder führen zu Foren oder weiteren Social-Media-Diensten wie der Möglichkeit des ‘Teilens’.

Servertechnisch unterscheidet man seiteninterne Links, die zu einem Sprungziel innerhalb des vorliegenden Dokuments führen (auch: Anker), website-interne Links, die innerhalb des Online-Angebots bleiben, aber auf ein neues Dokument verweisen, und externe Links, die zu einem anderen Server führen.

Für die Benutzerfreundlichkeit von Websites (fachlich: → Usability) wird Link-Konsistenz gefordert. Das bedeutet: Alle Links einer Website verweisen korrekt auf ihr Ziel, es gibt keine Links, die ins Nichts führen und keine verwaisten Seiten, auf die kein Link zeigt. Links auf strafrechtlich relevante Inhalte können rechtlich problematisch sein. Deshalb sowie aus urheberrechtlichen Gründen sollen externe Links als solche kenntlich gemacht sein.

Literatur:

Meier, Klaus: Internet-Journalismus. 3. Auflage. Konstanz [UVK] 2002

Hooffacker, Gabriele: Online-Journalismus. Texten und Konzipieren für das Internet. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. 3. Auflage. Berlin [Econ] 2010

Münz, Stefan; Wolfgang Nefzger: HTML. Die Profireferenz. Poing [Franzis] 2002

Mediathek

Wortherkunft: Kompositum aus ‚Medien‘ (von lat. medium = Mitte) und ‚Theke‘ (von griech. thékē = Behältnis, Kiste), gebildet analog zu ‚Bibliothek‘.

Definition:
Der Begriff Mediathek bezeichnet allgemein eine Sammlung audiovisueller Medien, entweder in physischer (z. B. als Multimedia-Abteilung einer Bücherei) oder digitaler Form (z. B. als Webseite), die die Nutzung, den Erwerb und/oder die Leihe dieser Medien ermöglicht.

Im heutigen Sprachgebrauch werden als Mediatheken vorrangig Internet-Videoportale von Fernsehsendern bezeichnet, auf denen Sendungen bzw. Ausschnitte derselben zeitversetzt als → Stream und/oder seltener zum Download bereitgestellt werden. Mediatheken zählen demnach zu den Video-on-Demand-Angeboten. Zusätzlich wird häufig ein Livestream des linearen → Fernsehprogramms angeboten.

Geschichte und gegenwärtiger Zustand:
Um die Jahrtausendwende begannen deutsche Fernsehsender mit Online-Videoportalen zu experimentieren (z. B. 2001 das ZDF); etwa 2008 verfügten die meisten Sender über eine eigene Mediathek. Neben den Angeboten einzelner Fernsehsender gibt es zudem auch senderübergreifende Mediatheken. So vereint die ARD Mediathek Inhalte aller zugehörigen Rundfunkanstalten, die Mediengruppe RTL führte 2016 ihre einzelnen Sender-Mediatheken unter der Dachmarke TV NOW zusammen, ProSiebenSat.1 Media bündelt ihre Sender bei 7tv und kooperiert hierfür mit Discovery. Gemeinschaftsmediatheken der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF (Arbeitstitel: ,Germany’s Gold‘) bzw. der beiden großen Privatsendergruppen RTL und ProSiebenSat. 1 (Arbeitstitel: ,Amazonas‘) sind an kartellrechtlichen Bedenken gescheitert (vgl. Puffer 2015).

Die Nutzung von Mediatheken ist in der Regel kostenfrei, die Finanzierung erfolgt bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über den Rundfunkbeitrag, bei den privaten Anbietern vorrangig über Werbung. Zusätzlich arbeiten einige Mediatheken privater Rundfunkveranstalter mit verschiedenen Bezahlmodellen wie Abonnements oder kostenpflichtigem Einzelabruf, die den Zugriff auf Zusatzfunktionen (z. B. Livestreams, Downloads für mobile Geräte oder Vorabzugriff auf Sendungen vor deren Ausstrahlung im linearen Programm) ermöglichen (vgl. Berghofer 2018; Puffer 2018).

Keine Mediathek bietet Zugriff auf das Gesamtprogramm eines Senders. Dies hat zum einen lizenzrechtliche Gründe, da zugekaufte Inhalte wie z. B. ausländische Filme und Serien oder lizenzierte Sportübertragungen zumeist nicht oder nur kurzfristig nach der Ausstrahlung online weiterverwertet werden dürfen. Für die öffentlich-rechtlichen Mediatheken greifen zum anderen zusätzliche Auflagen des Rundfunkstaatsvertrags, der die sogenannte „Depublizierung“ von Sendungen nach einer bestimmten, genreabhängigen Zeitspanne (in den meisten Fällen sieben Tage nach der Ausstrahlung) vorsieht (Puffer 2018).

Forschungsstand:
Mediatheken sind zunächst Gegenstand der Mediennutzungsforschung. Gemäß der ARD/ZDF-Onlinestudie 2018 nutzen 38 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren mindestens einmal im Monat Mediatheken, wobei große Unterschiede zwischen den Altersklassen – mit deutlich höherer Nutzung bei jüngeren Menschen – bestehen (Kupferschmitt 2018).

Bei einer zunehmenden Abwanderung von Zuschauern aus dem linearen Fernsehprogramm ins Internet stellt sich zudem die Frage, inwiefern Mediatheken als gleichwertige Substitute des linearen Programms dienen können. Eine vergleichende Inhaltsanalyse aus dem Jahr 2015 zeigt, dass dies nicht der Fall ist (Wagner/Trebbe 2015): Der Anteil an Sendungen aus dem linearen Programm, die auch in der Mediathek abgerufen werden konnten, bewegte sich je Sender zwischen 88 und unter 25 Prozent, wobei vor allem fiktionale Sendungen online häufig nicht verfügbar sind. Journalistische, informationsorientierte Sendungen finden hingegen bei fast allen Sendern zu großen Anteilen ihren Weg in die Mediatheken.

Eine jüngere Entwicklung von besonderer Relevanz für den Journalismus stellt zudem die Verwendung algorithmischer Empfehlungssysteme in Mediatheken dar. Da sich diese Empfehlungssysteme vorrangig der Popularität von Sendungen bedienen sowie auf Basis vorangehender Nutzungsmuster personalisieren, werden der → Vielfalt des angebotenen und genutzten Programms abträgliche Effekte befürchtet. Vor diesem Hintergrund wird in Forschungsprojekten untersucht, inwiefern insbesondere bei öffentlich-rechtlichen Mediatheken algorithmische Empfehlungen mit dem Programmauftrag in Konflikt geraten bzw. sich mit dem dort festgehaltenen Vielfaltsgebot vereinen lassen (vgl. Pöchhacker/Geipel/Burkhardt/Passoth 2018; Schmidt/Sørensen/Dreyer/Hasebrink 2018).

Literatur:

Berghofer, Simon: Aktueller Stand der Digitalisierung der TV-Empfangswege und digitalen Fernseh- und Videonutzung in Deutschland. In: die medienanstalten – ALM: Digitalisierungsbericht 2018 Video: Digitalisierung vollendet – Wie linear bleibt das Fernsehen. Berlin [die medienanstalten – ALM] 2018, S. 34-53.

Kupferschmitt, Thomas. Onlinevideo-Reichweite und Nutzungsfrequenz wachsen, Altersgefälle bleibt. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2018. In: Media Perspektiven, 9, 2018, S. 427-437.

Puffer, Hanna: Video-on-Demand: Neue Schubkraft durch Netflix? Bewegung im deutschen Markt der Onlinevideotheken. In: Media Perspektiven, 1, 2015, S. 17-29.

Puffer, Hanna: Internetfernsehen als Herausforderung und Chance. Inhalte und Nutzungsmuster öffentlich-rechtlicher und privater Mediatheken. In: Media Perspektiven, 1, 2018, S. 2-9.

Pöchhacker, Nikolaus; Andrea Geipel; Marcus Burkhardt; Jan-Hendrik Passoth: Algorithmische Vorschlagsysteme und der Programmauftrag: Zwischen Datenwissenschaft, journalistischem Anspruch und demokratiepolitischer Aufgabe. In: Mohabbat Kar, Resa; Basanta Thapa; Peter Parycek: (Un)berechenbar? Algorithmen und Automatisierung in Staat und Gesellschaft. Berlin [Kompetenzzentrum Öffentliche IT] 2018, S. 417-439.

Schmidt, Jan-Hinrik; Jannik Sørensen; Stephan Dreyer; Uwe Hasebrink: Algorithmische Empfehlungen. Funktionsweise, Bedeutung und Besonderheiten für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts Nr. 45). Hamburg [Hans-Bredow-Institut] 2018.

Wagner, Matthias; Joachim Trebbe: Internetfernsehen 2015. Die Programmangebote in den Mediatheken der Fernsehvollprogramme. In: die medienanstalten – ALM: Programmbericht 2015. Fernsehen in Deutschland – Programmforschung und Programmdiskurs. Berlin [Vistas] 2015, S. 77-104.