Start Ökonomie des Journalismus

Ökonomie des Journalismus

    Eine Einführung von Wolfgang Mühl-Benninghaus

    Wortherkunft: lat. oeconomia = gehörige Einteilung, griech. oikonomía = Haushaltung, Verwaltung

    Unter den Begriff der Ökonomie des Journalismus fallen in Deutschland vor allem Rendite, Pressekonzentration, Outsourcing, Verkaufserlöse, Marketing, Anzeigeneinnahmen, Börsennachrichten, Finanzjournalismus, Verlag, Markttransparenz und Stiftungsmodelle. Medien sind Wirtschafts- und Kulturgüter und haben damit stets eine doppelte Gutseigenschaft. Mit Ausnahme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werden journalistische Inhalte, die alle zur Durchsetzung der Meinungsvielfalt beitragen sollen, von gewinnorientierten Unternehmen produziert. Der Journalismus ist somit in ökonomische Notwendigkeiten eingebunden. Von daher unterliegt der Journalismus jeweils spezifischen Produktions-, Distributions- und Konsumtionsbedingungen. Die zentralen Fragestellungen der Ökonomie des Journalismus sind demnach drei strukturelle Betrachtungsebenen: eine makroökonomische, die mikroökonomische, die sich mit den konkreten Handlungsoptionen beschäftigt, und die inhaltliche Seite.

    Die makroökonomische Ebene beschäftigt sich mit der Marktbeschreibung, der Beschreibung der Unternehmen sowie der Darstellung der Rezeptionsebene. Aus dieser Perspektive bildet die Frage nach der Finanzierbarkeit journalistischer Inhalte einen zentralen Punkt. Die unternehmerische Primärabsicht ist im Medienbereich – wie auch in allen anderen Unternehmen – die Maximierung der Rendite. In diesem Kontext kommt den Anzeigen- und Vertriebserlösen eine besondere Bedeutung zu. Die auf dem Pressemarkt abnehmenden Absatzzahlen und die verminderten Reichweiten bedingten in den vergangenen Jahren grundlegende strukturelle Veränderungen. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte lagen die Verkaufserlöse bei deutschen Zeitungen im Jahr 2009 über denen der Anzeigen. Um die Renditen trotz des sich verschlechternden Marktumfeldes zu sichern, greifen die Verlage und Sender wie in anderen volkswirtschaftlichen Bereichen zu vergleichbaren Mitteln: Verbesserung der Technik, Outsourcing, Entlassungen von Mitarbeitern und verschiedenste Formen des Marketings.

    Ein weiterer makroökonomischer Betrachtungspunkt ist die zunehmende Unternehmenskonzentration und die daraus resultierende Wettbewerbslage sowohl im Marktsegment der Verlage als auch bei Hörfunk und Fernsehen. Dieser Sachverhalt betrifft einerseits die Verhältnisse zwischen den Medienunternehmen untereinander und andererseits die zwischen den Unternehmen und ihren Interessenvertretern (fachlich: Stakeholdern) also vor allem den Journalisten wie nachfrageorientierten Öffentlichkeiten. Ein weiteres zentrales Feld dieses Blickwinkels sind die seit den 1970-er Jahren zunehmenden Tendenzen der Internationalisierung sowie die wachsenden Unternehmensverschachtelungen mit schwer durchschaubaren Beteiligungen an einzelnen Medienunternehmen, also die Markttransparenz. Noch weitgehend unerforscht sind die bisher auf dem Medienmarkt vereinzelt auftretenden Stiftungs- und Crowdfunding-Modelle sowie Blogs als finanzielle und inhaltliche Alternativen zu den tradierten Medienangeboten.

    Die mikroökonomische Betrachtungsebene beschäftigt sich mit den konkreten Handlungsgebieten von Journalisten unter Berücksichtigung organisatorischer arbeitsvertraglicher, formeller und informeller Tätigkeitsumgebungen bis hin zu Eignungs- und Auswahlverfahren sowie der Bezahlung der Mitarbeiter. Unter Einbeziehung des jeweils konkreten publizistischen Beitrags stellt sich aus medienökonomischer Perspektive auf dieser Betrachtungsebene auch die Frage nach dem Verhältnis von Mitarbeiter und Redaktion. Alle diese Aspekte betreffen die festen, die festen Freien sowie die freien Mitarbeiter gleichermaßen.

    Der dritte Blickwinkel ist inhaltlicher Seite, also Wirtschafts-, Börsen- und Finanznachrichten, als die gegenwärtig wichtigsten journalistischen Inhalte auf dem Gebiet der Ökonomie des Journalismus.

    Literatur:

    Beck, Hanno: Medienökonomie. Print, Fernsehen und Multimedia. Berlin/Heidelberg [Springer-Verlag] 2011

    Beyer, Andrea; Petra Carl: Einführung in die Medienökonomie. Konstanz [UTB/UVK] 2012

    Rimscha, Bjørn von; Gabriele Siegert: Medienökonomie. Eine problemorientierte Einführung. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2015

Wolfgang Mühl-Benninghaus
Wolfgang Mühl-Benninghaus
*1953, Prof. Dr., ist Wirtschaftshistoriker und Professor für Theorie und Geschichte des Films an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort hat er seit über 20 Jahren zudem das Amt des geschäftsführenden Direktors für Theaterwissenschaft und Kulturelle Kommunikation inne. Arbeitsschwerpunkte: Film-, Fernseh- und Hörfunkgeschichte, Medienökonomie. Kontakt: wolfgang.muehl-benninghaus (at) culture.hu-berlin.de Zur Ökonomie des Journalismus hat Wolfgang Mühl-Benninghaus einen → Einführungsbeitrag geschrieben.

Beiträge aus der Kategorie

Click-Baiting

Wortherkunft: engl. to click = klicken; engl. to bait = hier: ködern, anlocken

Der Begriff Click-Baiting beschreibt eine Strategie von Betreibern von Internetseiten, die Aufmerksamkeit für die eigenen Inhalte und die Interaktionsrate zwischen Internetseite und Nutzern zu maximieren. Die Strategie zielt darauf ab, dass Nutzer zu einem großen Teil nur → Überschriften und → Teaser von Online-Texten überfliegen und auf dieser Basis entscheiden, ob sie den vollen Text lesen oder den Beitrag mit anderen Nutzern in sozialen Online-Netzwerken teilen und damit für zusätzliche Aufmerksamkeit für einen Text sorgen.

Seitenbetreiber, die Click-Baiting anwenden, versehen daher Meldungen mit Überschriften und Teasern, die den Nachrichtenkern sprachlich wie inhaltlich extrem zuspitzen, um die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich zu ziehen und hohe Erwartungen für den Fließtext zu wecken, die die Meldung in der Regel nicht einlösen kann. Verbunden wird diese Strategie zudem oft mit einer konsequenten → Suchmaschinen-Optimierung der Beiträge, um auch bei Suchanfragen zu einem bestimmten Thema möglichst weit vorn zu sein.

Ziel des Click-Baitings ist es, viele Zugriffe auf die eigene Seite zu generieren, die dann an Werbetreibende vermarktet werden können. Publizistische Ziele sind eher nachrangig. Im Zuge des Click-Baitings werden Verstöße gegen professionelle Normen hinsichtlich des Zielkonflikts von legitimen Nutzungsanreizen sowie sprachlicher und inhaltlicher Präzision zumindest billigend in Kauf genommen.

Newsgames

Definition:
Newsgames sind eine hybride Form aus Journalismus („News“) und Computerspielen („Games“) (Bogost/Ferrari/Schweizer 2010: 13). Angesichts der Beliebtheit und der kulturellen Bedeutung von Computerspielen stellt diese Verschmelzung den Versuch dar, mit Hilfe von Praktiken des → digitalen Storytelling aktuelle Informationen zu vermitteln (Plewe/Fürsich 2017). Dies grenzt Newsgames von Spielen ab, die im breiteren Sinn Bildungsinhalte vermitteln (Meier 2017: 53). Newsgames werden meist im Kontext spezifischer Ereignisse produziert und sind daher nur bedingt am Ziel orientiert, wiederholt gespielt zu werden (Sicart 2008: 28).

Um das Publikum zu einer eigenen Auseinandersetzung mit Themen und Diskussionen zu animieren, kombinieren Newsgames reale Quellen und Ereignisse mit virtuellen interaktiven Erlebnisräumen (Wiehl 2014). Dabei kann grundsätzlich jedes Phänomen thematisiert werden, das Gegenstand von Journalismus sein könnte. Typisch ist dabei das an bestimmten Regeln orientierte Vorgehen der Spielenden, die häufig in einer Wettbewerbssituation nach der Umsetzung bestimmter Ziele streben (Deterding et al. 2011).

Als Synthese aus den vorliegenden Definitionsansätzen lässt sich folgende Definition für Newsgames vorschlagen (Wolf/Godulla 2018: 10f.): „Newsgames werden von Medienorganisationen und/oder journalistisch arbeitenden Redaktionen herausgegeben und einer potenziell breiten → Öffentlichkeit online oder mobil zur Rezeption zugänglich gemacht. Sie bedienen sich klassischer Elemente des Game Designs (Spielregeln, Spielmechanik, Spielbausteine), um Informationen zu aktuellen oder vergangenen Ereignissen von gesellschaftlicher → Relevanz prozedural aufzubereiten. Sie können diese im Spiel oder im Kontext des Spiels mit Internetspezifika (Selektivität, Multimedialität, Interaktivität, Verlinkung) kombinieren. Die spielende Person erlebt dabei Prozesse, (Hinter-)Gründe und Perspektiven aktiv durch selektive Entscheidungen innerhalb des Spiels.“

Geschichte und gegenwärtiger Zustand:
Der Journalismus hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch verschiedene Faktoren deutlich verändert – etwa durch das Aufkommen des stationären und mobilen Internets sowie digitale Endgeräte als Ausspielkanäle. Vor allem jüngere Alterskohorten rezipieren mitunter die Mehrheit der von ihnen zur Kenntnis genommenen Nachrichten über soziale Netzwerke (Newman/Fletcher/Levy/Nielsen 2016: 87). Die gedruckte Tageszeitung ist für diese Kohorten kaum noch relevant (Newman/Fletcher/Kalogeropoulos/Levy/Nielsen 2017: 10). Gleichzeitig verändern sich durch die Sozialisierung mit multioptionalen Endgeräten (Smartphones, Tablets) auch die Erwartungen an Medienangebote (Wolf 2014; Godulla/Wolf 2017).

Vor diesem Hintergrund hat sich die Videospielindustrie zu einem der größten und profitabelsten Medienmärkte der Welt entwickelt (Foxman 2015: 4). Die Vielfalt und Verbreitung mobiler Endgeräte haben den Spielemarkt stark diversifiziert. Während dort daher steigende Umsätze mit hohen Wachstumsraten generiert werden, kämpfen viele Anbieter im Journalismus mit den → ökonomischen Folgen der Digitalisierung.

Seit einigen Jahren experimentieren Medienmarken wie die New York Times, der Guardian oder die Süddeutsche Zeitung deshalb vereinzelt mit der Produktion von Newsgames (u.a. Bogost/Ferrari/Schweizer 2010). Auf diese Weise sollen neue Zielgruppen erschlossen und aktiviert werden (Conill/Karlsson 2016: 5). Insbesondere jüngere Alterskohorten können durch alternative Formen des Storytelling auf diese Weise angesprochen werden. Diese Entwicklung vollzieht sich parallel zum Ausbau eines wachsenden Feldes von Indie-Spieleentwicklern und -publishern, die kontinuierlich mit neuen Erlösmodellen experimentieren. Es besteht daher die Hoffnung, dass Newsgames trotz ihrer kurzen Geschichte Teil innovativer Strategien sein können, um die Aufmerksamkeit für journalistisch aufbereitete Themen zu steigern (Plewe/Fürsich 2017: 12).

Forschungsstand:
Eine intensive wissenschaftliche Begleitung einer möglichen Konvergenz zwischen Journalismus und E-Gaming steht bislang noch aus (Vobič/Dvoršak/Vtič 2014: 123f.). Es liegen jedoch eine Reihe von Fallstudien sowie Texten vor, die sich um eine begriffliche und formale Verortung des Phänomens bemühen (u.a. Bogost/Ferrari/Schweizer 2010; Meier 2017; Plewe/Fürsich 2017; Vobič et al. 2014). Wolf und Godulla (2018) haben außerdem analysiert, ob Newsgames von jungen Zielgruppen tatsächlich mit Interesse aufgenommen werden und ob eine wichtige an sie gerichtete Erwartung überhaupt erreichbar erscheint.

Dabei zeigt sich, dass von journalistischen Medienorganisationen produzierte Newsgames nicht das formale und inhaltliche Niveau erzielen, dass im E-Gaming mittlerweile als Standard anzusehen ist. Insofern gelingt es Newsgames bislang nur unzureichend, ein Interesse für die kommunizierten Themen zu wecken oder positiv zur Wahrnehmung der Muttermarke beizutragen. Wichtige Erkenntnisse zur allgemeinen Bekanntheit und den zum Erfolg von Newsgames beitragenden Kriterien wurden auch von Meier (2017) vorgelegt.

Gegenwärtig ist davon auszugehen, dass Newsgames Nischenprodukte innerhalb eines digitalen Experimentierfelds bleiben werden. Wesentliche Gründe dafür sind die geringe Budgetierung, die für hochwertige Computerspiele langen Produktionszeiten sowie die grundsätzlich sich unterscheidende Produktionslogik von Journalismus, die nicht vollständig kompatibel zur Produktion von Computerspielen ausfällt (dazu ausführlich Wolf/Godulla 2018). Es ist derzeit jedoch völlig offen, in welchem Umfang Journalismus die Chance ergreifen wird, die steigende Verbreitung von Datenbrillen und immer leistungsfähigeren Smartphones für sich zu nutzen. Virtual und → Augmented Reality werden auf diese Weise derzeit massentauglich, was neue Narrationsoptionen von Newsgames eröffnet.

Literatur:

Bogost, Ian; Simon Ferrari; Bobby Schweizer: Newsgames. Journalism at Play. Cambridge [MIT Press] 2010.

Conill, Raul Ferrer; Michael Karlsson: The Gamification of Journalism. In: Gangadharbatla, Harsha/Donna Z. Davis (Hrsg.): Emerging research and trends in gamification. Advances in multimedia and interactive technologies (AMIT) book series. Hershey [Information Science Reference] 2016, S. 356-383. doi:10.4018/978-1-4666-8651-9.ch015

Deterding, Sebastian; Miguel Sicart; Lennart Nacke; Kenton O’Hara; Dan Dixon: Gamification: Using Game Design Elements in Non-Gaming Contexts. CHI 2011. Vancouver, 2011. doi: 10.1145/1979742.1979575

Foxman, Maxwell: Play the News: Fun and Games in Digital Journalism. A Tow/Knight Report. Tow Center for Digital Journalism, 2015. https://towcenter.org/research/play-the-news-fun-and-games-in-digital-journalism/

Godulla, Alexander; Cornelia Wolf: Digitale Langformen im Journalismus und Corporate Publishing. Scrollytelling – Webdokumentationen – Multimediastorys. Wiesbaden [Springer VS] 2017.

Meier, Klaus: Journalismus zum Spielen: Newsgames als neues digitales Genre. Theoretische Verortung und explorative Nutzungsstudie. In: Hooffacker, Gabriele/Cornelia Wolf (Hrsg.): Technische Innovationen – Medieninnovationen? Herausforderungen für Kommunikatoren, Konzepte und Nutzerforschung. Wiesbaden [Springer VS] 2017, S. 47-61.

Newman, Nic; Richard Fletcher; David A. L. Levy; Rasmus Kleis Nielsen: Reuters Institute Digital News Report 2016. Oxford [Reuters Institute for the Study of Journalism] 2016.

Newman, Nic; Richard Fletcher; Antonis Kalogeropoulos; David A. L. Levy; Rasmus Kleis Nielsen: Reuters Institute Digital News Report 2017. Oxford [Reuters Institute for the Study of Journalism] 2017.

Plewe, Christoph; Elfriede Fürsich, Elfriede: Are Newsgames Better Journalism? In: Journalism Studies, 2017, S. 1-18. doi: 10.1080/1461670X.2017.1351884

Sicart, Miguel: Newsgames: Theory and Design. In: Stevens, Scott M; Shirley Saldamarco (Hrsg.): Entertainment Computing – ICEC 2008, Lecture Notes in Computer Science, 5309. Berlin/Heidelberg [Springer] 2008, S. 27-33.

Vobič, Igor; Lea Dvoršak, Mojca Vtič: Digital Games and Journalism: A Case-study of Slovenian Political Weekly’s Newsgame – Mladina’s Fojba 2000. In: Teorija in Prakska, 51(1), 2014, S. 123-142.

Wiehl, Anna: Newsgames –Typological approach, re-contextualization and potential of an underestimated emerging genre. In: Libraries, Citizens, Societies: Confluence for Knowledge: The IFLA 2014 Conference Proceedings. – s.l.: IFLA, 2014, S. 1-14. https://www.ifla.org/files/assets/newspapers/Geneva_2014/s6-wiehl-en.pdf

Wolf, Cornelia: Mobiler Journalismus: Angebote, Produktionsroutinen und redaktionelle Strategien deutscher Print- und Rundfunkredaktionen. Baden-Baden [Nomos] 2014.

Wolf, Cornelia; Alexander Godulla: Newsgames im Journalismus. Haben sie Potenzial? Was sagen die Nutzer? In: Journalistik, 1(2), 2018, S. 2-21. http://journalistik.online/ausgabe-02-2018/newsgames-im-journalismus/

Outsourcing

Wortherkunft: engl. out = außerhalb; engl. sourcing = Beschaffung

Der Begriff Outsourcing bezeichnet den Vorgang, in dem Leistungen, die bisher innerhalb einer Redaktion bzw. eines Medienhauses erbracht wurden, von Dienstleistern außerhalb der eigenen Organisation erbracht werden. Beispielsweise kann eine Tageszeitung, die bisher ihre Fernsehbeilage in Eigenregie produziert hat, entscheiden, künftig die Fernsehbeilage eines redaktionellen Dienstleisters zu beziehen.

Das Outsourcing ist somit Teil des → redaktionellen Managements, in dem unter anderem darüber entschieden wird, wie genau das Unternehmen die journalistische Dienstleistung für die Nutzer beschafft. Anders formuliert: Es geht es darum, wie die Wertschöpfungskette bzw. das Wertschöpfungsnetzwerk eines journalistischen Angebots ausgestaltet wird. Bei der Definition einer Wertschöpfungskette wird festgelegt, welche internen und externen Akteure welchen Beitrag zur Wertschöpfung leisten (Wirtz 2013). Ein typischer interner Akteur in einer redaktionellen Wertschöpfungskette ist zum Beispiel der Chef vom Dienst, der die aktuelle Produktion eines journalistischen Produkts koordiniert. Ein typischer externer Akteur bzw. Dienstleister ist eine Nachrichtenagentur, die einer Redaktion nationale und internationale Beiträge zuliefert.

Outsourcing-Entscheidungen können sich auf alle Teile einer Wertschöpfungskette beziehen, also sowohl auf Kern- als auch auf Unterstützungsprozesse. Kernprozesse sind alle Teile der Wertschöpfungskette, die unmittelbar zur Erfüllung der Nutzeranforderungen beitragen, z.B. die Produktion eines journalistischen Beitrags oder die Gestaltung einer Zeitschriftenausgabe. Unterstützungsprozesse sind die Teile der Wertschöpfungskette, die notwendig sind, um die redaktionellen Aufgaben zu erledigen, aber nicht direkt im Produkt sichtbar werden. Beispiele dafür sind die Honorarabrechnung für freie Mitarbeiter oder die technische Wartung des Redaktionssystems.

Gesellschaftlich betrachtet ist Outsourcing, das Kernprozesse betrifft, in der Regel deutlich relevanter als entsprechende Leistungen bei Unterstützungsprozessen: Der Grund liegt darin, dass Outsourcing von Kernprozessen die publizistische Leistung unmittelbar beeinflusst, etwa die → journalistische Qualität oder den Beitrag eines journalistischen Angebots zur → Meinungsvielfalt. Dabei kann sich Outsourcing grundsätzlich sowohl positiv als auch negativ auf die publizistische Leistung auswirken. Der tatsächliche Effekt hängt stark vom Einzelfall ab und kann letztlich nur empirisch bestimmt werden. Outsourcing hat seit dem Rückgang der Anzeigeneinnahmen von Tageszeitungen seit dem Jahr 2000 an Bedeutung gewonnen.

Bezogen auf den Kernprozess einer Redaktion lassen sich unterschiedliche Ausprägungen des Outsourcings beobachten, die sich danach unterscheiden, wie stark sie mit Veränderungen im Produkt und der Ablauforganisation einhergehen:

Die schwächste Form des Outsourcings ist, die Produktion einzelner Beiträge auszulagern, ansonsten jedoch das publizistische Konzept und die Redaktionsstruktur unverändert zu lassen. Hier übernehmen etwa verstärkt freie Mitarbeiter Produktionsaufgaben, die bisher fest angestellten Redakteuren zugeordnet waren.

Eine mittlere Form des Outsourcings ist die komplette Auslagerung der Produktion eines Teilangebots bei unverändertem publizistischem Konzept. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn eine komplette Lokalausgabe einer Tageszeitung von einem freien Journalistenbüro erstellt wird, aber nach wie vor im System von der Zentralredaktion redigiert und layoutet wird.

Bei der stärksten Ausprägung des Outsourcings werden die Ablauforganisation und das  redaktionelle Konzept geändert. Ein klassisches Beispiel ist der Verzicht einer Zeitung auf einen eigenen Mantelteil, der stattdessen komplett bei einem Dienstleister zugekauft wird.

Outsourcing-Entscheidungen können publizistisch, qualitativ, strategisch oder betriebswirtschaftlich motiviert sein: Publizistisch kann es z.B. sinnvoll sein, sehr bewusst stärker mit freien Mitarbeitern zusammenzuarbeiten, um die Diversität innerhalb der eigenen Autorenschaft zu steigern. Outsourcing kann die Qualität erhöhen, wenn man komplexe Aufgaben – etwa Datenrecherchen – an spezialisierte Dienstleister vergibt. Outsourcing kann aber auch strategisch sinnvoll sein, um die Flexibilität einer Redaktion zu erhalten, indem man Organisationseinheiten schnell einrichten und abwickeln kann, oder die Innovationsfähigkeit zu steigern, indem man neue Einheiten mit der Weiterentwicklung des eigenen Angebots betraut (Rinsdorf 2017). Outsourcing ist betriebswirtschaftlich sinnvoll, wenn ein externer Dienstleister die gleiche redaktionelle Qualität zu günstigeren Preisen liefern kann. Den Kostenvorteilen stehen hier allerdings oft eine höhere Komplexität beim Management von Wertschöpfungsnetzwerken und ein geringerer Einfluss auf die Dienstleistungsqualität gegenüber.

Literatur:

Rinsdorf, Lars: Redaktionelle Strategien entwickeln. Analyse – Geschäftsmodelle – Konzeption. Stuttgart/Konstanz [UTB UVK] 2017.

Wirtz, Bernd W.: Business Model Management. Design – Instrumente – Erfolgsfaktoren von Geschäftsmodellen. 3. Auflage. Wiesbaden [SpringerGabler] 2013.

Paywall

Wortherkunft: engl. to pay = bezahlen, honorieren; engl. wall = Wand, Mauer.

Unter einer Paywall versteht man eine Bezahlschranke auf einer Internetseite. Das heißt, bestimmte oder alle Inhalte auf einer Website werden für den User erst sichtbar, wenn er eine Gebühr bezahlt bzw. ein Abonnement abschließt. Den hinter einer Paywall liegenden Inhalt nennt man Paid Content. Zeitungen und Zeitschriften versuchen mit einer Paywall an ihr Misch-Geschäftsmodell aus dem Printbereich anzuknüpfen, wo neben Werbeeinnahmen Vertriebserlöse im Einzelverkauf oder Abonnement eine ebenso bedeutende Rolle spielen.

Für eine Bezahlschranke gibt es verschiedene Modelle: Wenn sämtliche Inhalte auf einer Website nur gegen Geld sichtbar sind, spricht man von einer ‚harten Paywall‘. Diese hat den Nachteil, dass auf jener Internetseite Einnahmen durch Werbeanzeigen kaum mehr eine Rolle spielen, weil die Zahl der Page Impressions (Klicks) auf diejenigen User limitiert ist, die für den Inhalt Geld bezahlen. Hinzu kommt, dass bei einer harten Paywall potenzielle Leser überhaupt nicht in Kontakt mit der Medienmarke kommen und diese auch nicht testweise kennenlernen können, um später zahlender Kunde zu werden. Vorreiter der harten Paywall war im Jahr 1998 das Wall Street Journal. Der Nachteil für Zeitungen, die auf diese Variante umgestellt haben, war der teils massive Rückgang an Reichweite ihres Portals.

Manche Verlage differenzieren auf ihrer Internetseite deshalb zwischen kostenfreien und kostenpflichtigen Inhalten. In diesem Fall spricht man von einem ‚Freemium-Modell‘. Der Begriff stammt aus der Computerspielbranche: Bei Browser- oder App-basierten Games besteht häufig die Möglichkeit, das Spiel kostenfrei zu nutzen und gegen eine Gebühr zum Beispiel die Werbeanzeigen auszublenden oder sich durch den Kauf von Gegenständen (etwa bestimmter Waffen), so genannter In-App-Käufe, einen Vorteil im Spiel zu verschaffen. Beispiele aus dem journalistischen Bereich für das Freemium-Modell sind Spiegel online, sueddeutsche.de oder die Bild-Zeitung. Kostenpflichtige Inhalte sind dort jeweils mit einem „Plus“ gekennzeichnet.

Beim ‚Metered-Modell‘ ist eine gewisse Anzahl an journalistischen Beiträgen kostenfrei. Erst wenn man diese übersteigt, muss für weitere Artikel bezahlt oder ein Abonnement abgeschlossen werden. Die Artikel werden hier folglich nicht vorher in kostenfreie bzw. kostenpflichtige Inhalte unterteilt. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und die Welt (die heute ein Freemium-Modell nutzt), haben das Metered-Modell im deutschsprachigen Raum als erste umgesetzt. Als Vorteil gilt hier, dass treue Nutzer zu zahlenden Kunden werden, während User, die nur ab und zu über Social-Media-Kanäle oder Suchmaschinen auf die Website gelangen, nicht abgeschreckt werden.

Es besteht auch die Möglichkeit, das Freemium- und das Metered-Modell zu mischen, also bestimmte Inhalte in jedem Fall nur zahlenden Kunden anzuzeigen und nicht-zahlende Kunden nur eine bestimmte Anzahl an ansonsten kostenfreien Inhalten nutzen zu lassen. Zeitungen und Zeitschriften haben sich für höchst unterschiedliche Konzepte entschieden, was bei neuen Usern einer Medienmarke durchaus für Verwirrung sorgen kann. Dies wird dadurch noch weiter verstärkt, dass → Verlage ihre eigenen Strategien auch öfter geändert haben und zwischen verschiedenen Modelle experimentieren.

Zudem setzen nicht alle Verlage auf Paid Content: Beispielsweise bieten nordbayern.de (das Online-Portal der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung) und das Sportmagazin kicker.de ihre Inhalte komplett kostenfrei an. Die dahinterliegende Strategie ist, dadurch eine möglichst hohe Reichweite zu erzielen und sich wie im Printjournalismus bei Anzeigenblättern üblich ausschließlich durch Werbeanzeigen oder weitere digitale Erlösmodelle zu finanzieren. Dazu gehören u.a. Native Advertising (Werbung, die optisch aussieht wie redaktioneller Inhalt und nur durch einen häufig kleinen Hinweis ’sponsored Post‘ oder ‚Anzeige‘ als Werbung kenntlich gemacht wird) oder Affiliate Links (wenn jemand auf diesen Link klickt und etwas kauft, erhält der Verlag eine Provision).

Generell gilt: Je exklusiver der Inhalt einer Website ist, umso eher ist es möglich, seine Inhalte als Paid Content zu vermarkten. „Nachrichten sind nichts mehr wert“, hat der Eichstätter Journalistik-Professor Klaus Meier bereits im Jahr 2010 in einem Aufsatz festgestellt (Meier 2010: 12). Deshalb gilt Paid Content bei anderen → journalistischen Darstellungsformen als der Nachricht oder dem Bericht als vielversprechender.

Literatur:

Böxler, Thomas: Paid Content von Printverlagen. Erfolgsfaktoren im Umfeld einer veränderten Mediennutzung. Hamburg [Diplomica Verlag] 2011.

Kaiser, Markus: Paid Content auf dem Vormarsch. In: Kaiser, Markus; Stefan Sutor (Hrsg.): Transforming Media. Neue Geschäftsmodelle in der digitalen Welt. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2017, S. 170-176.
(Die Publikation ist hier als PDF-Dokument verfügbar.)

Meier, Klaus: Journalismus in der Krise. In: Hooffacker, Gabriele (Hrsg.): Journalismus lehren. 10 Jahre Journalistenakademie. München [Verlag Dr. Gabriele Hooffacker] 2010, S. 9-25.
(Die Publikation ist hier als PDF-Dokument verfügbar.)

Roboterjournalismus

Unter Roboterjournalismus versteht man von Computerprogrammen automatisch generierte journalistische Texte. Grundlage bilden strukturierte und in der Regel aktuelle Daten sowie Textbausteine, die vorab erstellt worden sind. Ein Algorithmus bildet das zentrale Element der Software. Im anglo-amerikanischen Raum ist auch von ,automated journalism‘, ,algorithmic journalism‘ oder ,machine-written journalism‘ die Rede (vgl. Reichelt 2017: 16f.). Dadurch wird der irreführende Begriff ,Roboter‘ vermieden, denn statt eines Industrieroboters handelt es sich beim ,journalistischen Roboter‘ um ein Computerprogramm.

Wie beim Datenjournalismus oder bei der Recherche mit großen Datenmengen (Big Data) wird der Journalist auch beim Roboterjournalismus verstärkt vom Computer unterstützt bzw. teilweise ersetzt. Deshalb wird der Roboterjournalismus auch dem Feld des ,computational journalism‘ zugeordnet. Auf Menschen kann also auch beim Roboterjournalismus nicht gänzlich verzichtet werden, da dieser vorab das Konzept erstellen, die Textbausteine fertigen und die Anwendung programmieren muss. „Generell kann die Maschine nur so viel leisten, wie man ihr beigebracht hat – und nicht mehr“, erklärt Journalistik-Professor Thomas Hestermann (Tusch 2017).

Häufige Anwendungsfelder für Roboterjournalismus sind Sport-, Wetter- oder Börsenberichte, weil hier strukturierte Daten vorliegen und stets auf dieselben Textbausteine zurückgegriffen werden kann. So ist es möglich, bis hin zu tiefstklassigen Fußball-Ligen automatisiert Berichte erstellen zu lassen, wenn die Daten (wie zum Beispiel Torschützen, Torvorlagen, Gelbe und Rote Karten, Mannschaftsaufstellungen und Auswechslungen) vorliegen. Je mehr Daten vorhanden sind, um so individueller kann der Spielbericht ausfallen. Wenn etwa in die Datenbank eingegeben wird, ob das Tor durch einen Kopfball, Freistoß oder Fallrückzieher entstanden ist, kann der Algorithmus eine vorbereitete Textpassage dafür verwenden. Auch ist es möglich, Bilder zum Bericht zu erstellen, wenn dieses zum Beispiel in einer App für das betreffende Spiel zur Verfügung gestellt wird. In den USA wurde dies im Baseball bereits im Jahr 2011 praktiziert (Langer 2012: 34).

In ersten Ansätzen wird versucht, das Programm neben den strukturierten Daten zum Thema nach weiteren Informationen im Internet suchen zu lassen, um diese in die Texte einzubauen. Dies könnte bei einem Fußballspiel der Kommentar des Trainers zum Spiel sein, den er auf einem sozialen Netzwerk abgegeben hat. Zum derzeitigen Stand (Februar 2018) ist dieses Vorgehen allerdings extrem fehleranfällig.

Roboterjournalismus widerspricht zum Teil den Grundsätzen des → Multimedialen Storytellings, nach denen jeweils das geeignetste Ausgabemedium für den jeweiligen Inhalt gewählt wird: Bei Datensätzen wäre dies statt eines Textes ein Schaubild bzw. eine Infografik. Daten in Textform zu publizieren böte demnach nur dann einen Mehrwert, wenn diese Daten eingeordnet oder kommentiert werden, was beim Roboterjournalismus bislang nicht der Fall ist. Lediglich für Audio-Formate (wie Amazons Alexa) bietet sich die Ausgabe von Daten in automatisch vorgelesener Textform an.

Laut Reichelt wird die Textgenerierung durch Algorithmen hauptsächlich auch von nicht-journalistischen Unternehmen wahrgenommen. Als Beispiele nennt er automatisierte interne Geschäftsberichte, Patientenberichte in Krankenhäusern, Produkttexte, Gefahrenvorhersagen oder Texte im E-Commerce (vgl. Reichelt 2017: 31).

Literatur:

Langer, Ulrike: Roboter als Reporter. In: medium. magazin für journalisten, 9, 2012, S. 34. http://www.mediummagazin.de/archiv/2012-2/ausgabe-092012/roboter-als-reporter/

Reichelt, Patrick: Einführung in den Roboterjournalismus. Bedrohung oder Chance? Baden-Baden [Tectum] 2017.

Tusch, Robert: Medienforscher über Roboterjournalismus: „In der Massenproduktion schneiden Maschinen besser ab als Menschen.“ In: meedia.de, 20.03.2017. http://meedia.de/2017/03/20/medienforscher-ueber-roboter-journalismus-in-der-massenproduktion-schneiden-maschinen-besser-ab-als-menschen/

Stockfotografie

Wortherkunft: engl. stock = Halde, Lager, Vorrat

Der Begriff Stockfotografie ist eine eingedeutschte Wortschöpfung aus dem Englischen und beschreibt die Produktion von Fotografien auf Vorrat zu vorher festgelegten Stichwörtern, die von spezialisierten Bildagenturen vertrieben werden. Einige Autoren sprechen deswegen auch von Vorratsfotografie (vgl. Bruhn 2003: 34). Das Phänomen der Stockfotografie ist auf die Digitalisierung der Fotografie und neue Entwicklungen auf dem Bildermarkt, etwa die Entwicklung neuer Lizensierungsmodelle wie RF (Royalty Free) zurückzuführen. Gegen eine einmalige Nutzungsgebühr können bei RF umfassende – oft im Hinblick auf Zeit und Ort unbegrenzte – Nutzungsrechte erworben werden (vgl. Bermann 2006: 104). Die RF-Lizenzen stehen in Konkurrenz zum klassischen Modell der RM-Lizenzen (Rights Managed), bei dem für jede Publikation je nach Nutzungsumfang die Nutzungsrechte neu geklärt werden müssen. Mit der Herausbildung von Mikro-Stock Agenturen, die über das Internet Stockfotografien zu besonders günstigen Konditionen anbieten, gibt es auch Schnittmengen zur Amateurfotografie. Während unter den Universalagenturen Getty Images über den größten Pool von Stockfotografien verfügt, sind die größten Spezialagenturen für Stockfotografie Shutterstock und Adobe Stock.

Die Vorläufer der Stockfotografie liegen in der Ausbildung von auf bestimmte Bereiche wie „Food Photography“ oder Automobilität spezialisierte Bildagenturen seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Entwicklung der eigentlichen Stockfotografie nahm jedoch ihren Anfang in den 1980er Jahren mit der Einführung illustrierter Verkaufskataloge einzelner Bildagenturen. In gedruckter Form oder als CD-Roms unterbreiteten die Agenturen „ihren Kunden Lösungsvorschläge für allerlei Visualisierungsaufgaben“ (Bruhn 2003: 38). Zwei weitere entscheidende Faktoren waren die Gründung der Bildagenturen „Corbis“ (1989) und „Getty Images“ (1995), die die Bildproduktion konsequent auf die Vermarktung über das Internet umstellten und die Profitorientierung in den Vordergrund rückten (vgl. Ullrich 2008: 52). Ohne die Möglichkeiten digitaler Vernetzung und Verteilung fotografischer Bilder ist das Phänomen der Stockfotografie also nicht denkbar.

Auch wenn die Stockfotografie „zunächst keine ,Gattung‘ von Fotografien“ (Bruhn 2003: 34) darstellt, so hat sich unter dem Phänomen doch eine gewisse Bildästhetik verbreitet, die sich durch die Arbeit mit Unschärfe, Aus- und Anschnitten sowie Überbelichtungen auszeichnet. Kennzeichnend für Stockfotografie ist ihre Zeit- und Ortlosigkeit, ihre Kontextoffenheit sowie eine kulturell neutrale oder plurale Gestaltung (vgl. Ullrich 2008: 53 f.). Mit den grundsätzlich positiv konnotierten Bildwelten geht einher, dass bei der „Wirklichkeitsorientierung wesentliche politische oder soziale Fragen ausgeblendet sein müssen“ (Bruhn 2003: 42). Die Motivgruppen werden unter Stichwörtern wie „Familie mit Kind“, „Spielende Kinder“ oder „Mann im Büro“ zur Verfügung gestellt und leisten einer gewissen Stereotypisierung Vorschub. Genau diese wird jedoch „als Voraussetzung für die Erschließung eines globalen Marktes verstanden“ (vgl. Runge 2015: 125). Die RF-Lizenzen erlauben, dass ein Bild zeitgleich in einem Werbeplakat und in einer journalistischen Publikation erscheinen kann, was zum Begriff Joker-Bild geführt hat (vgl. Ullrich 2006: 99).

In journalistischen Publikationen werden Stockfotografien verstärkt genutzt, vor allem aufgrund der geringen Kosten und der vielseitigen Einsetzbarkeit der Bilder. Die Zunahme von Stockfotografien ist Teil eines Trends im Journalismus hin zu einer stärkeren Visualisierung, da sie die Palette von Visualisierungsmöglichkeiten erweitern. Genutzt werden Stockfotografen vor allem zur abstrakten Illustration im Sinne von Symbolbildern (vgl. Runge 2015: 133), vornehmlich auf Titelseiten und in den weniger nachrichtlich orientierten Rubriken wie Wirtschaft, Kultur, Sport oder Gesellschaft.  Nicht abgeschlossen ist die Debatte, ob die Stockfotografie ein Teil des → Fotojournalismus ist. Dafür spricht, dass journalistische Redaktionen Stockfotografie intensiv nutzen. Stockfotografie wird auch als Element eines „positiven Journalismus“ betrachtet (vgl. Runge 2015: 138). Dagegen spricht, dass die Produktionsbedingungen der Stockfotografie nicht an journalistischen Maßstäben orientiert sind.

Literatur:

Bergmann, Monika: Die Bilderjagd: Beruf des Bildredakteurs. Sinzheim [PIAG] 2006.

Bruhn, Matthias: Bildwirtschaft – Verwaltung und Verwertung der Sichtbarkeit. Weimar [VDG] 2003.

Frosh, Paul: The Image Factory: Consumer Culture, Photography and the Visual Content Industry. Oxford [Berg] 2003.

Runge, Evelyn: Im Auge des Jokers: Stockfotos in journalistischen Medien. In:  Deutscher-Fachjournalisten-Verband (Hrsg.): Positiver Journalismus. Konstanz [UVK] 2015, S. 123-140.

Ullrich, Wolfgang: Bilder auf Weltreise, Berlin [Wagenbach] 2006.

Ullrich, Wolfgang: Bilder zum Vergessen. Die globalisierte Industrie der ,Stock Photography‘. In:  Grittmann, Elke; Irene Neverla; Ilona Ammann (Hrsg.): Global, lokal, digital: Fotojournalismus heute. Köln [von Halem] 2008, S. 51-61.

Verlag

Wortherkunft: Das Substantiv stammt aus dem 16. Jahrhundert und basiert auf dem Verb ,verlegen‘, das wiederum mit ‚vorlegen‘ bzw. ,hinlegen‘ in Verbindung steht.

Der Begriff Verlag bezeichnet im weiteren Sinne ein Medienunternehmen, das Printprodukte herausgibt. Der vorliegende Beitrag basiert allerdings auf einem engeren Verständnis des Begriffes im Sinne von Zeitschriften- und Zeitungsverlagen, die periodisch erscheinende Druckwerke für ein disperses Publikum herausgeben, deren Inhalte von journalistischen Redaktionen erstellt werden.

Verlage sind gewinnorientiert arbeitende Organisationen, die die Strukturen und Prozesse bereitstellen, um regelmäßig erscheinende, aktuelle journalistische Printprodukte zuverlässig und nachhaltig auf den Markt bringen zu können. Im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit eines Verlages steht die Wertschöpfungskette von Medienunternehmen: Im Einzelnen sind dies die Herstellung und Beschaffung von Informationen, die zu einem Gesamtprodukt gebündelt, vervielfältigt, vertrieben und schließlich von der Leserschaft genutzt werden.

Darüber hinaus stellt ein Verlag die Unterstützungsprozesse bereit, die zur Herstellung journalistischer Printprodukte notwendig sind. Dazu gehören vor allem die Marktbeobachtung und Marktforschung, die kontinuierliche Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie, die Entwicklung neuer Angebote sowie Marketing, Buchhaltung, Personalentwicklung, Unternehmensplanung und das Lieferantenmanagement.

Zu den Kernaufgaben eines Verlages gehört es, ein Geschäftsmodell zu etablieren, das die Erlöse generiert, die notwendig sind, um die Kosten des operativen Geschäfts zu decken, Investitionen zu finanzieren und die Renditeerwartungen der Anteilseigner zu befriedigen. Verlage agieren dabei wie viele andere Medienunternehmen auf einem zweiseitigen Markt: Auf dem Lesermarkt bieten sie journalistische Produkte an; auf dem Anzeigenmarkt wird die Aufmerksamkeit der Leser für diese Produkte vermarktet.

Etablierte Geschäftsmodelle von Verlagen generieren in der Regel auf beiden Märkten Erlöse, indem sie einerseits Einzelausgaben von Zeitungen und Zeitschriften verkaufen bzw. im Abonnement anbieten und andererseits Anzeigen von werbetreibenden Unternehmen gegen Entgelt in ihren Produkten abdrucken. Verbreitet sind auch Geschäftsmodelle, etwa bei Anzeigenblättern, die auf dem Lesermarkt Produkte kostenfrei anbieten und sich allein durch Anzeigenerlöse refinanzieren. Eher selten sind Zeitungen und Publikumszeitschriften, die sich allein aus Vertriebserlösen finanzieren. Ausgelöst durch Reichweitenverluste und eine Verschiebung von Media-Budgets aus dem Printmarkt in den Online-Bereich haben die Vertriebserlöse jedoch insbesondere bei Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.

Erste Zeitungsverlage in Deutschland sind im 17. Jahrhundert entstanden – in enger Folge zur Erfindung des Drucks mit beweglichen Lettern. Aus dieser Gründungsepoche ergibt sich die typische – allerdings keineswegs zwingende – Kombination einer Druckerei mit einem Verlag. Die Grundstruktur des Verlages modernen Zuschnitts und das dominante Geschäftsmodell der Branche sind hingegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden – als Rekombination aus technischen (Rotationsdruck), gesellschaftlichen (Massenpublika), rechtlichen (Pressefreiheit) und wirtschaftlichen (frei verfügbares Risikokapital) Inventionen.

Spezifische Rahmenbedingungen von Medienmärkten (vor allem eine starke Fixkostendegression in Kombination mit Netzwerkeffekten) begünstigen auch unter Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen Konzentrationstendenzen, die sich im Zuge der Digitalisierung weiter verstärkt haben. Ein Indikator dafür ist die kontinuierlich sinkende Zahl publizistischer Einheiten sowie die Dominanz weniger Verlagsgruppen sowohl auf dem Leser- als auch auf dem Anzeigenmarkt – selbst im Bereich der traditionell eher mittelständisch geprägten → Lokal- und Regionalzeitungsbranche.

Ein Verlag besteht typischerweise aus der Verlagsleitung, einer kaufmännischen Abteilung, der Anzeigenabteilung, der Vertriebsabteilung, der Logistik-Abteilung, der Redaktion und einer Druckerei. Die Redaktion nimmt dabei einer Sonderrolle ein, da der professionelle Orientierungshorizont der Journalisten in der Redaktion im Gegensatz zu allen anderen Abteilungen ein primär publizistischer und nicht wirtschaftlicher ist (siehe →  Redaktionsorganisation). Allerdings sind Verlage Tendenzbetriebe: Dies erlaubt es der Verlagsleitung, die publizistische Linie des Blattes zu bestimmen und räumt ihr eine privilegierte Stellung bei der Gestaltung von Arbeitsverhältnissen ein, um diese Linie durchzusetzen.

Im Zuge der Digitalisierung und Mediatisierung der Gesellschaft stehen Verlage und ihre tradierten Geschäftsmodelle unter hohem Innovationsdruck. Die über Jahrzehnte äußerst attraktive Ertragslage von Verlagen ermöglicht diesen einerseits Investitionen in neue Geschäftsfelder. Anderseits führt sie mitunter auch zu strategischer Inflexibilität. Viele Verlage haben inzwischen zahlreiche Angebote jenseits von Printtiteln aufgebaut, insbesondere im Online-Bereich. Daher firmieren sie häufig nicht mehr als Verlag, sondern als Medienhaus, um die Vielfalt ihrer Ausspielkanäle zu betonen (siehe auch → Mediensystem, → Ökonomie des Journalismus).

Literatur:

Altmeppen, Klaus-Dieter: Journalismus und Medien als Organisationen. Leistungen, Strukturen und Medienmanagement. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2006.

Birkner Thomas: Das Selbstgespräch der Zeit. Die Geschichte des Journalismus in Deutschland 1605 – 1914. Köln [Herbert von Halem Verlag] 2012.

Breyer-Mayländer, Thomas (Hrsg.): Vom Zeitungsverlag zum Medienhaus. Geschäftsmodelle in Zeiten der Medienkonvergenz. Wiesbaden [Gabler] 2015.

Gläser, Martin: Medienmanagement. 3. Auflage. München [Vahlen] 2014.

Hass, Berthold. H.: Geschäftsmodelle von Medienunternehmen. Ökonomische Grundlagen und Veränderungen durch neue Informations- und Kommunikationstechnik. Wiesbaden [Springer Fachmedien] 2013.

Von Rimscha, Bjørn; Siegert, Gabriele: Medienökonomie. Eine problemorientierte Einführung. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2015.