Eckenbrüller

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Zeitungsseiten haben Stellen, die das Auge der Leser gern als Erstes aufsucht. Da­zu gehören Fotos, der → Aufmacher oder der → Aufsetzer. Auch die linke oder rechte obere Ecke der Seite ist ein solcher Blickfänger. Dorthin stellen Redaktionen gern Spitzenmeldungen, also Mel­dun­gen, die von besonderem → Nachrichtenwert sind. Hier und da heißen sie im Redaktions­jargon Eckenbrüller. Die Metapher erinnert an die Eckensteher: So nannte man im 19. Jahrhundert Tage­löhner und Dienstmänner, die auf der Straße (vermutlich lauthals) ihre Arbeitskraft anboten (vgl. auch → journalis­tischer Jargon).

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Gunter Reus
*1950, Prof. Dr., ist apl. Professor i. R. für Journalistik an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Arbeitsschwerpunkte: Kulturjournalismus, Pressejournalismus, Journalismusforschung, Sprache und Stil der Massenmedien. Kontakt: gunter.reus (at) ijk.hmtm-hannover.de Gunter Reus hat Einführungsbeiträge zum → journalistischen Jargon sowie zu → Sprache und Stil im Journalismus geschrieben. Gerade erschienen: Reus, Gunter: Marcel Reich-Ranicki. Kritik für alle. Darmstadt [wbg Theiss] 2020