Fernsehprogramm

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Definition:
Formal beschreibt der Begriff die Inhalte bzw. Sendungen eines Fernsehsenders, also dessen Programm. Umgangssprachlich nutzt ihn das Publikum aber auch als Synonym für ‚Fernsehsender‘. Das Fernsehprogramm lässt sich grob in unterhaltende und informierende Sendungen unterscheiden. Zu den unterhaltenden Formaten gehören unter anderem Spielfilme, Serien und Shows jeglicher Art. Zu den informierenden Formaten zählen Nachrichtensendungen, (Politik-/Wirtschafts-)Magazine, Reportagen und Features. Darüber hinaus hat sich das Fernsehprogramm in den vergangenen Jahrzehnten sehr ausdifferenziert. Die Sendungen lassen sich maßgeblich unterteilen in fiktionale Unterhaltung, non-fiktionale Unterhaltung, Kindersendungen, religiöse Sendungen sowie Fernsehpublizistik. Unter letzterem Begriff können die oben erwähnten informierenden Formate zusammengefasst werden; hinzu kommen bei dieser Definition noch Sportsendungen, Talkformate und solche Reality-TV-Formate, die hauptsächlich reale Elemente enthalten und nicht fiktiv sind.

Geschichte:
Startschuss für das erste Fernsehprogramm weltweit war am 22. März 1935 in Berlin. Hier stand die Propaganda der Nationalsozialisten im Vordergrund. 1952 nahmen die DDR und die BRD fast zeitgleich den regulären Fernsehbetrieb wieder auf. Die älteste noch bestehende Nachrichtensendung heißt Tagesschau und wird im Ersten ausgestrahlt, das 1954 als nationales Gemeinschaftsprogramm der ARD auf Sendung ging. 1963 kam das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) hinzu, ab 1964 die so genannten Dritten Programme, die von den Landesrundfunkanstalten betrieben werden. Während sich die Sender in den ersten Jahren auf Bildungssendungen konzentrierten, fand im Laufe der 1950er und 1960er Jahre immer mehr Unterhaltung den Weg ins Programm. So wurden im Osten wie im Westen Deutschlands Filme, Serien und Fernsehshows gezeigt, die dazu beitrugen, das Fernsehen zum Massenmedium zu machen.

1984 fiel das Monopol des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Private Fernsehsender starteten ihren Betrieb, womit sich auch das Fernsehprogramm änderte: Die ‚Privaten‘ zeigten mehr US-amerikanische Serien und Filme, Comedy, Daily-Soaps und Reality-TV-Formate – ein Trend, der bis heute anhält. Dennoch sind die privaten (vor allem die einflussreichen Muttersender der Mediengruppe RTL Deutschland und ProSiebenSat.1 Media) wie die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender gesetzlich verpflichtet, inhaltlich möglichst viele Bereiche im Programm abzudecken. Basis hierfür ist der Rundfunkstaatsvertrag, in dem es für so genannte Vollprogramme heißt, dass „Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden“ (§ 2, Abs. 2, Punkt 3).

Gegenwärtiger Zustand:
Seit der Einführung des Privatfernsehens war immer wieder von der Konvergenz der privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme (ARD und ZDF) die Rede. Für einige Bereiche trifft dies zu, denn Filme und Serien umfassen einen großen Teil der Sendeplätze im deutschen Fernsehprogramm. Bei den privaten Sendern sind sie sogar die dominierenden Programminhalte – vor allem US-amerikanische Produktionen. Große Unterschiede zwischen den privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern gibt es bei der Fernsehpublizistik und der non-fiktionalen Unterhaltung: Informationssendungen zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen im weitesten Sinne finden sich sehr viel häufiger bei ARD und ZDF als bei den privaten Anbietern. Der größte Unterschied besteht jedoch bei den Reality-TV-Formaten: Insbesondere gescriptete Sendungen (in denen fiktive Inhalte mithilfe grober Drehbuchvorgaben von Laiendarstellern umgesetzt werden) erleben seit einigen Jahren einen Boom im deutschen Privatfernsehen (darunter Berlin – Tag & Nacht, RTL II).

Forschungsstand:
Die Fernsehprogrammforschung wird in Deutschland vor allem von zwei Institutionen betrieben: der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) und der ARD Werbung Sales & Services. Die ALM analysiert seit 1998 kontinuierlich Daten der acht reichweitenstärksten Vollprogramme. Im Besonderen werden dabei die Informationssendungen untersucht, um zu prüfen, wie gesellschaftlich relevant deren Inhalte sind. Auch die ARD Werbung Sales & Services erhebt seit 2001 Sendungsformen, Programmsparten und inhaltliche Schwerpunkte. Veröffentlicht werden die Daten in der Zeitschrift Media Perspektiven.

Literatur:

die Medienanstalten – ALM GbR (Hrsg.): Programmbericht 2013. Fernsehen in Deutschland. Programmforschung und Programmdiskurs. Berlin [Vistas] 2014
(Der Programmbericht ist hier als PDF-Datei abrufbar.)

die medienanstalten – ALM GbR (Hrsg.): Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien (Rundfunkstaatsvertrag – RStV). Berlin, 1. Januar 2016
(Der Rundfunkstaatsvertrag ist hier als PDF-Datei abrufbar.)

Krüger, Udo Michael: Profile deutscher Fernsehprogramme – Tendenzen der Angebotsentwicklung. Programmanalyse 2013 – Teil 1: Sparten und Formen. In: Media Perspektiven, 4, 2014, S. 219-241
(Der Artikel ist hier als PDF-Datei abrufbar.)

Krüger, Udo Michael: Sendungsformen, Themen und Akteure im Nonfictionangebot von ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Programmanalyse 2013 – Teil 2. In: Media Perspektiven, 5, 2014, S. 283-301
(Der Artikel ist hier als PDF-Datei abrufbar.)

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Mike Kortsch
*1974, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik der TU Dortmund und forscht im Bereich der politischen Kommunikation. Er leitete unter anderem die Lehrredaktion Fernsehen (do1). Mike Kortsch hat beim Norddeutschen Rundfunk volontiert und viele Jahre als Autor, Redakteur und Regisseur für die ARD, das ZDF und Arte gearbeitet. Kontakt: mike.kortsch(at)tu-dortmund.de