Fotostrecke

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Abfolge von Bildern zu einem bestimmten Thema in (1) Print- und (2) Online-Medien. Im angelsächsischen Journalismus wird unterschieden zwischen ‘picture story’ (abgeschlossene Geschichte, die in Bildern erzählt wird), ‘picture sequence’ (Bewegungsablauf in ausgewählten Bildern ähnlich dem Film) und ‘picture essay’ (Fotoreportage).

(1) Mit dem Aufkommen der Illustrierten begann die Hochphase der Bildreportage im Magazin. Sie bebildert Reiseberichte ebenso wie Berichte von Mode-Events oder People-Storys.

(2) Online begann der Siegeszug der Bildfolge mit der Erfindung grafischer Web-Browser (wie Mosaic, 1993) und der zunehmend höheren Übertragungsgeschwindigkeit. Fotostrecken spielen eine wesentliche Rolle bei der Anstrengung, die Page Impressions (Klickzahlen) zu erhöhen.

Vorreiter der Bildberichterstattung war in Deutschland die Berliner Illustrirte Zeitung (BIZ). Sie druckte 1883 die ersten Fotografien. In der Weimarer Republik waren der Fotograf Erich Salomon (1886-1944) in der BIZ wegweisend für den Fotojournalismus, Wolfgang Weber (1902-1985) für die Münchner Illustrierte Zeitung sowie die BIZ. Fotoreportagen prägten die Boulevardmedien des Hugenberg-Konzerns ebenso wie Willi Münzenbergs Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ). In der NS-Zeit wurden sie für Propagandazwecke eingesetzt. „Nach dem zweiten Weltkrieg besannen sich die Illustrierten zunächst auf ihre unpolitische Vergangenheit“, bemerkt Rudolf Stöber.

Bis heute sollen sich Text- und Bildreportage ergänzen. Dabei erfolgte die Bildauswahl zunächst aufgrund des Texts. Mit der Verbesserung der Drucktechnik gewann die Auswahl geeigneter Fotos die Oberhand in den Magazinen.

Fotostrecken sind bei Online-Medien im Rahmen des ‘User Generated Content’ beliebt und haben durch den Aufschwung der Digitalfotografie in den vergangenen Jahren erheblich an Quantität zugenommen. Dramaturgisch stehen sie allerdings nur selten in der Tradition der Foto-Lovestory, die 1972 erstmals in der Jugendzeitschrift BRAVO veröffentlicht wurde und sich für mehrere Jugendgenerationen zu einer der bekanntesten medialen Fotostrecken im deutschen Zeitschriftenjournalismus entwickelte.

Literatur:

Grittmann, Elke; Irene Neverla, Ilona Ammanno (Hrsg.): Global, lokal, digital – Fotojournalismus heute. Köln [Herbert von Halem Verlag] 2008

Rossig, Julian J.: Fotojournalismus. Konstanz [UVK] 2006

Sachsse, Rolf: Bildjournalismus heute. Beruf, Ausbildung, Praxis. München [List] 2003

Stöber, Rudolf: Deutsche Pressegeschichte. 2. Auflage. Konstanz [UTB/UVK] 2005

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Gabriele Hooffacker
*1959, Prof. Dr. phil., seit 2013 Professorin an der HTWK Leipzig. 1999 gründete sie die Journalistenakademie in München, die sie bis 2013 gemeinsam mit Peter Lokk leitete. Sie gibt die Lehrbuchreihe Journalistische Praxis bei Springer VS heraus, die von Walther von La Roche gegründet wurde. Arbeitsschwerpunkte: Online und Crossmedia, Medienwandel, journalistische Darstellungsformen. Kontakt: gabriele.hooffacker(at)htwk-leipzig.de

Zu journalistischen Arbeitstechniken hat Gabriele Hooffacker einen → Einführungsbeitrag geschrieben.