Korrespondent

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Wortherkunft: Ursprung aus dem Lateinischen ,correspondere‘ = antworten, entsprechen, reagieren; der deutsche Begriff Korrespondent stammt vom französischen ,correspondre‘ = in Kontakt stehen bzw. mit den Präpositionen ,avec/par‘ = mit jemanden im Briefwechsel stehen/per Mail oder Fax korrespondieren.

Definition:
Ein Korrespondent ist ein festangestellter oder freier Journalist, der nicht in einer Zentral- oder Lokalredaktion sitzt, sondern aus dem In- oder Ausland berichtet. Die Korrespondenten arbeiten vor allem für die Politikredaktion, aber auch für andere → Ressorts wie Wirtschaft, Kultur, Sport und Vermischtes. Sie sind sowohl bei Tageszeitungen und nicht-tagesaktuellen Printmedien zu finden als auch bei Hörfunk- und Fernsehsendern.

Generell gilt: Je größer das Verbreitungsgebiet und die Reichweite sowie der finanzielle Spielraum des Anbieters sind, desto größer ist die Zahl der eigenen Korrespondenten und desto exklusiver wiederum die Berichterstattung. Medien mit überregionaler Bedeutung (z. B. Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung sowie ARD, ZDF und die großen Privatsender) verfügen über jeweils eigene Berichterstatter in Berlin und anderen deutschen Großstädten, aber auch im Ausland – insbesondere in den Metropolen europäischer Länder sowie in den USA und im asiatischen Raum. Regionalzeitungen hingegen greifen neben den Agenturberichten auf so genannte Pool-Journalisten zurück, für die sie sich die Kosten teilen. Bei bestimmten Ereignissen werden auch Redakteure als Reise-Korrespondenten eingesetzt (vor allem bei Reisen bedeutender Politiker, in Krisen- und Kriegsgebiete oder zu großen → Sportereignissen).

Geschichte:
Korrespondenten sind prägend für die Entstehung des Journalismus und der Massenpresse. Dieter Paul Baumert bezeichnet die Zeit vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts als „Periode des → korrespondierenden Journalismus“ – gleichwohl er die Frage, „inwieweit das Zeitungsgewerbe einen eigenen Nachrichtenbeschaffungsdienst organisiert und von sich aus die berufsmäßige Zeitungskorrespondenz entwickelt hat“ (Baumert 2013: 86), für unbeantwortet hielt. Bis heute ist dieser Aspekt nur unzureichend aufgearbeitet.

Maßgeblich für die Entstehung des korrespondierenden Journalismus waren die politischen, rechtlichen, ökonomischen und sozialen Veränderungen, die sich unter anderem in der Entwicklung der Städte und des Warenhandels zeigten. Herrschende und Kaufleute tauschten Nachrichten aus und professionalisierten ihre Informationswege.

Manfred Rühl beschreibt dies am Beispiel Nürnbergs: „Der Rat der Stadt Nürnberg institutionalisiert an wichtigen Orten korrespondierende Vertrauensleute (Agenten, Faktoren), während Nürnberger Kaufleute, Patrizier und Ratsschreiber solche Korrespondenten für auswärtige Mächte waren – im eigenen und im Interesse der Stadt“ (Rühl 1999: 56). Dieser Nachrichtenaustausch wurde „zur wirtschaftspolitischen Leistung und Gegenleistung […], ohne dass unmittelbar Geld im Spiel“ war (ebd.: 57).

Neben den Korrespondenten lieferten ,Botenmeister‘ wichtige Nachrichten, „die Drucker mittels der sogenannten »Neuen Zeitungen« für die Allgemeinheit“ (Baumert 2013: 87) in der chronologischen Reihenfolge ihres Eintreffens einem bestimmten Kundenkreis zur Verfügung gestellt haben.

Gegenwärtiger Zustand:
Korrespondenten sind bis heute wesentliche Akteure im publizistischen Produktionsprozess, trotz oder gerade im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung. Sie sammeln und selektieren Informationen, produzieren täglich aktuelle Themen (inzwischen sieben Tage die Woche), von denen sowohl die Redakteure in den Zentralredaktionen als auch die Rezipienten sonst nicht ohne weiteres Kenntnis hätten und die deren Sekundärerfahrung prägen.

Während Korrespondenten der Agenturen die Nachrichten liefern, sind festangestellte und freie Korrespondenten (Kukral 2016) des jeweils auftraggebenden Mediums überwiegend mit ergänzender und vertiefender Hintergrundberichterstattung betraut, die sie vornehmlich in → Features und → Reportagen umsetzen. Diese Journalisten müssen über politische, ökonomische und kulturelle sowie Sprachenkenntnisse verfügen, damit sie sich vor Ort entsprechende Quellen (nicht nur Politiker und Medien, sondern unter Umständen andere Akteursgruppen wie Bürgerinitiativen) erschließen können.

Die Besetzung der Korrespondentenplätze entscheidet sich strukturell aufgrund der politischen und ökonomischen Bedeutung einer Region: Während das Berichterstatternetz in Deutschland und Europa engmaschig ist, betreuen und bereisen die (freien) Korrespondenten in Nord- und Südamerika, Asien bzw. Südostasien, Arabien und Afrika mehrere Länder oder sogar den ganzen Kontinent (was nach Junghanns und Hanitzsch (2006) den „Eurozentrismus der Nachrichtengeografie“ bestätigt).

Die Hörfunk- und Fernsehsender arbeiten ebenfalls mit freien Journalisten zusammen (die sich beispielsweise in Netzwerken wie Weltreporter zusammengeschlossen haben; Kukral 2016) oder finanzieren Stellen in eigenen Auslandsstudios. Allein die ARD-Anstalten betreiben 32 Studios im Ausland, in denen 44 TV- und 56 Hörfunkjournalisten arbeiten. In der Regel bleiben die festangestellten Korrespondenten für drei bis sieben Jahre an einem Ort; sie kehren danach entweder in die Heimat- bzw. Zentralredaktion zurück oder wechseln in ein anderes Land.

In vielen Regionen sind die Arbeitsbedingungen eingeschränkt oder sogar gefährlich; häufig ist eine Akkreditierung notwendig (z.B. China), oder ausländischen Journalisten werden generell die Einreise und der Aufenthalt verweigert oder sie werden ausgewiesen (derzeit z.B. Syrien).

Eine weitere große Herausforderung ist die → Digitalisierung: Aufgrund der Erweiterung der Kanäle und damit des Informationsvolumens sind die Korrespondenten vor allem im Ausland gefordert, auch die neuen Angebote zu bedienen: Sie bloggen, twittern, erstellen Podcasts und Videos für Facebook und Youtube.

Forschungsstand:
Während der Inlandskorrespondent wenig attraktiv für medienwissenschaftliche Forschung zu sein scheint, ergibt sich für die Rolle des Auslandskorrespondenten ein anderes Bild: Er steht seit Jahrzehnten immer wieder im Fokus der anwendungsorientierten Forschung (u.a. Kukral 2016; Junghanns/Hanitzsch 2006) sowie der Praktikerliteratur (häufig von Korrespondenten selbst verfasst, z.B. Markert 2017; Renneberg 2014; Wagner 2012; Stormer 2011), überwiegend in der Position als Krisen- und Kriegsberichterstatter (z.B. Levine/Posdzich 2014; Armbruster 2014). Gelegentlich mit der Methode des Interviews werden die besonderen Arbeitsbedingungen der im Ausland eingesetzten Journalisten beleuchtet. In den vergangenen Jahren sind in der internationalen Forschung über Auslandskorrespondenten die Aspekte Globalisierung (Archetti 2013; Renneberg 2011) und Social Media (Cozma/Chen 2013) ins Zentrum gerückt.

Literatur:

Archetti, Cristina: Journalism in the age of global media. The evolving practices of foreign correspondents in London. In: Journalism, 14(3), 2013, S. 419-436. DOI: 10.1177/1464884912472140

ARD Hauptstadtstudio: Liste aller Korrespondenten. 2018. http://www.ard-hauptstadtstudio.de/korrespondenten120.html

Armbruster, Jörg: Echtzeitjournalismus in Krisengebieten. In: Schröder, Michael; Axel Schwanebeck (Hrsg.): Live dabei. Echtzeitjournalismus im Zeitalter des Internets. Baden-Baden [Nomos] 2014, S. 109-114.

Baumert, Dieter Paul: Die Entstehung des deutschen Journalismus. Eine sozialgeschichtliche Studie. Herausgegeben und eingeleitet von Walter Hömberg. Baden-Baden [Nomos] 2013 [1928].

Cozma, Raluca; Kuan-Ju Chen: What’s in a tweet? In: Journalism Practice, 2013, 7(1), S. 33-46, DOI: 10.1080/17512786.2012.68334

Junghanns, Kathrin; Thomas Hanitzsch: Deutsche Auslandskorrespondenten im Profil. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, 3, 2006, S. 412-429.

Kukral, Tim: Arbeitsbedingungen freier Auslandskorrespondenten. Eine qualitative Befragung des Journalistennetzwerks Weltreporter. Köln [Herbert von Halem Verlag] 2016.

Levine, Eugenia; Marie Louise Posdzich: Auslandskorrespondenten im Spannungsfeld des Nahostkonfliktes. Das Selbstbild von Korrespondenten deutscher Medien in Israel und den palästinensischen Gebieten. In: Richter, Carola (Hrsg.): Der Nahostkonflikt und die Medien. Norderstedt [BoD – Books on Demand] 2014. S. 16-54.

Markert, Stefanie: Korrespondentenbericht aus dem Ausland. In: La Roche, Walther von; Axel Buchholz (Hrsg.): Radio-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk. Wiesbaden [Springer Fachmedien] 2017, S. 161-166.

NDR Info: Die Korrespondenten: Reporter-Leben in Neu-Delhi. 2018. https://www.ndr.de/info/Die-Korrespondenten-Reporter-Leben-in-Neu-Delhi,neudelhi106.html

Renneberg, Verena: Auslandskorrespondenten im globalen Zeitalter. Herausforderungen der modernen TV-Auslandsberichterstattung. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2011.

Rühl, Manfred: Publizieren. Eine Sinngeschichte der öffentlichen Kommunikation. Opladen/Wiesbaden [Westdeutscher Verlag] 1999.

Stormer, Carsten: Das Leben ist ein wildes Tier. Wie ich die Gefahr suchte und mich selber fand. Köln [Bastei Lübbe] 2011.

Tagesschau.de: Die Korrespondenten der ARD. 2018. http://korrespondenten.tagesschau.de/

Wagner, Martin: Auslandsberichterstattung. Wie arbeitet ein Auslandskorrespondent? In: Kaiser, Markus (Hrsg.): Special Interest. Ressortjournalismus – Konzepte, Ausbildung, Praxis. Berlin [Econ] 2012. S. 86-106.

Weltrepoter.net: Korrespondenten. 2014. https://weltreporter.net/korrespondenten/korrespondenten/

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Beatrice Dernbach
*1964, Prof. Dr., lehrt und forscht seit März 2014 an der Technischen Hochschule Nürnberg im Studiengang Technikjournalismus/Technik-PR. Arbeitsschwerpunkte: Fachjournalismus, Wissenschaftskommunikation, Nachhaltigkeit und Ökologie im Journalismus, Narration im und Vertrauen in Journalismus. Kontakt: beatrice.dernbach(at)th-nuernberg.de Zu Nachrichtenfaktoren im Journalismus hat Beatrice Dernbach einen → Einführungsbeitrag geschrieben.