Moderation

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Wortherkunft: Bereits im 16. Jahrhundert ist das Verb ‘moderieren’ aus dem Lateinischen ‘moderare’ (= mäßigen) entlehnt worden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es erstmals im deutschen Rundfunk verwendet in der Bedeutung von ‘eine Sendung mit einleitenden Worten versehen/durch eine Sendung führen’. Abgeleitet wurde es von engl. to moderate (= eine Versammlung, ein Gespräch leiten).

Definition:
Bezug nehmend auf die Wortherkunft ist ein Moderator die Person, die eine Sendung moderiert und eine Moderation die Tätigkeit des Moderierens. Moderation und die Sonderform ‘Talk’ gibt es nur in Fernsehen oder Hörfunk, weil ein Gespräch als simultane Kommunikation zwischen Menschen stattfinden soll. Der Moderator oder Talkmaster übernimmt hierbei die Funktion der Gesprächsleitung. Im alltäglichen Gebrauch wird mit Moderation all das bezeichnet, was ein Rundfunkjournalist tut, um ein Programm anzusagen, einzuleiten oder zu einem anderen Programmteil überzuleiten. Moderierte Sendungen sind gestaltete Sendungen, die häufig live ausgestrahlt werden. Im Unterschied zu Sprechern oder Ansagern, die nur vorgefertigte Texte verlesen, übernimmt der Moderator eine Vielzahl an Aufgaben. Grundsätzlich muss er vermitteln (vgl. Buchholz 2000: 63) und „Orientierungen im Umfeld der Sendung geben können“ (Wachtel 2000: 92). Neben den Ankündigungen von Beiträgen (Anmoderation) und der Nachinformation (Abmoderation) führt er → Interviews und reagiert auf aktuelle Meldungen.

Moderatoren gestalten sehr unterschiedliche Sendeformate wie Nachrichten- und Magazinsendungen, Unterhaltungs- und Musikprogramme, Gameshows oder Publikumsbeteiligungen. Die Moderation zeigt und fordert die ganze Person, die fachliche und kommunikative Kompetenz sowie authentischen Sprach- und Sprechstil (vgl. Wachtel 2000: 91). Auch seine Meinung darf der Moderator in vielen Sendungen äußern. Dies gehört besonders bei Magazinen zum Format. Dennoch sollte die Moderation in erster Linie informationsbetont sein.

Der Moderator hat zugleich die Aufgabe, für sein Programm zu werben und die Neugier des Publikums zu wecken. Hierbei leistet er Identifikation für Hörer und Zuschauer, indem er dem Programm eine Stimme bzw. ein Gesicht gibt und über seine Person eine Bindung zum Kunden schafft (vgl. Buchholz 2000: 65). Jedoch ist Moderator kein Beruf, sondern eine Form journalistischer Arbeit (vgl. Buchholz 2000: 62). Daher wird sie überwiegend von Journalisten ausgeübt, die meist als Redakteur oder Reporter auch andere Aufgaben haben. Bisweilen allerdings werden Personen aus ganz anderen Branchen (Ärzte, Köche, Sportler) durch ihre thematische Kompetenz und/oder ihr Charisma zu Moderatoren (v.a. im Fernsehen) und infolgedessen wiederum zu → Prominenten.

Ein bedeutsames Genre für die Aufgabe der Moderation ist die Talkshow. Mit diesem Begriff wird eine Sendung bezeichnet, in der ein Gesprächsleiter (Talkmaster) Personen durch Fragen zu Äußerungen anregen will. Der Talkmaster soll dabei neutral bleiben. Eine Talkshow kann ihren Schwerpunkt auf politische und gesellschaftliche Themen oder auch auf den Alltag legen. Die Abgrenzung zu Interview und Diskussion fällt oft schwer. In der Regel ist in einer Talkshow jedoch mehr als eine Person zu Gast, und das Thema der Sendung muss sich nicht zwangsläufig für kontroverse Standpunkte eignen. Ziel einer Talkshow kann auch sein, Personen vorzustellen (Porträt-Talk) oder Fachleute einzuladen, die ein schwieriges Thema verständlich machen (Experten-Talk). Zudem haben viele Talkshows Seriencharakter: Sie werden entweder jeden Tag (Daily Talk), einmal pro Woche oder in anderen Zeitabständen gesendet.

Gegenwärtiger Zustand:
Neben diversen populären Showformaten sowie unterhaltungs- oder serviceorientierten Magazinen ist im Bereich der Fernsehpublizistik das Format der politischen Talkshow sehr präsent. In diese Rubrik gehört als Vorreiter der seit 1987 fast unveränderte und daher in seiner Form anachronistisch wirkende Presseclub (ARD), in dem sonntags mittags Journalisten wechselnder Zeitungen, Nachrichtenmagazine und Rundfunksender ein aktuelles Thema diskutieren – jeweils moderiert von Intendanten, Chefredakteuren oder Programmgruppenleitern der ARD. Die Sendung ist ein direkter Nachfolger des Internationalen Frühschoppen, den Werner Höfer von 1952 bis 1987 leitete und dessen Konzept (fünf Journalisten aus fünf Ländern) seit 2002 gelegentlich beim Sender Phoenix wieder aufgegriffen wird. Der Frühschoppen basiert seinerseits auf dem US-amerikanischen Talk Meet the Press (NBC, seit 1947). Es handelt sich bei dem Genre der politischen Talkshow also um keine Erfindung der Neuzeit. Durch die Eingliederung mehrerer Sendungen mit ähnlichen Konzepten und Gästen sowie prominenten Moderatoren ins Programmschema erfuhr das Format seit der Jahrtausendwende jedoch einen medialen Aufschwung. Ausschlaggebend mag hier Journalistin Sabine Christiansen gewesen sein, die von 1998 bis 2007 die nach ihr benannte Abend-Talkshow in der ARD moderierte, mit der sie bis zu fünf Millionen Zuschauer erreichte (vgl. Riedner 2007). Zu den gegenwärtig populärsten Sendungen, die zum Teil ebenfalls den Namen der Moderatoren tragen, gehören Anne Will (ARD), Maischberger (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Hart aber fair (ARD, Moderation: Frank Plasberg) sowie einige Formate der Landesprogramme wie die Münchner Runde (BR, Moderation: Sigmund Gottlieb) und der Bürgertalk jetzt red i (BR, Moderation: Tilmann Schöberl, Franziska Storz).

Weniger politisch, sondern thematisch weit gestreut ausgerichtet, ist die Moderation von Personality-Talkshows wie dem Kölner Treff (WDR), Riverboat (MDR), der NDR Talkshow oder Markus Lanz (ZDF). Hier sind in einer Sendung mehrere (meist prominente) Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Branchen zu Gast, die in der Regel nacheinander und daher episodisch ein ‘Interview zur Person’ geben, häufig basierend auf aktuell verfügbaren Produkten des Gastes.

Die journalistische Moderation setzt auch im Hörfunk, vor allem in den öffentlich-rechtlichen Programmen, noch immer beispielhafte Akzente. Hervorzuheben sind hierbei seit Jahren etablierte Interview-Formate, in denen über eine längere Sendestrecke in Gesprächsblöcken Interviews zur Person geführt werden, wie im MonTalk (WDR 2, seit 1991), bei Mensch, Otto! Stars am Sonntag (Bayern 3, seit 1998, vormals unter dem Namen Stars & Hits – Die Promi-Show mit Thorsten Otto) oder in der Hörbar Rust (radioeins, seit 2002). Dabei variieren journalistischer Stil und Atmosphäre von sachlich-nüchterner Interviewstrategie mit klarer Frage-Antwort-Konstellation (hr2 Doppelkopf) bis zum lebhaft-dynamischen Gesprächscharakter (Mensch, Otto!). Manche Moderatoren beweisen hierbei, dass es funktioniert, in einem entspannten Umfeld gleichzeitig tiefgründige Konversation zu betreiben bzw. diese erst durch ein gelöste Atmosphäre zu ermöglichen. Die „Moderationsstile sind programmabhängig“ (Buchholz 2000: 68) und orientieren sich an Format und Anspruch, etwa ob es sich um ein Begleit- oder ein Einschaltprogramm handelt (vgl. ebd.).

Forschungsstand:
Die Medien- und Kommunikationsforschung befasst sich vor allem mit den Ressorts bzw. Formaten, in denen Moderation stattfindet (wie Talkshow, Quizshow, Sportmoderation) sowie der Darstellungsform Interview. Kommunikationswissenschaftliche Ansätze finden sich vereinzelt in der Rollenanalyse (z. B.: Gottschalk, Kerner & Co. Funktionen der Telefigur „Spielleiter“ zwischen Exzeptionalität und Normalität, hrsg. v. Rolf Parr/Matthias Thiele, Suhrkamp, 2001) sowie sehr umfangreich in der praktischen Ratgeberliteratur (etwa zu Sprechtraining und Rhetorik). Diese widmet sich in der Gestalt von ,Backstage- Publikationen’ auch dem beruflichen Einstieg (aktuell: Traumberuf Moderator. Hinter den Kulissen der TV-Welt von Ernst-Marcus Thomas, Tectum, 2015). Hier ist zudem ein stetig wachsendes Feld zu finden, das auf der Prominenz der Moderatoren basiert und einen biographischen Ansatz beansprucht (etwa Achtung Aufnahme! Erfolgsgeheimnisse prominenter Fernsehmoderatoren, hrsg. v. Nina Ruge/Stefan Wachtel, Econ, 1997) oder gleich als (Auto-)Biographie erscheint, insbesondere über Persönlichkeiten aus dem Showbusiness.

Literatur:

Arnold, Bernd-Peter (1999): ABC des Hörfunks. Konstanz [UVK] 1999

Blaes, Ruth; Georg Alexander Heussen (Hrsg.): ABC des Fernsehens. Konstanz [UVK] 1997

Buchholz, Axel: Moderation. In: La Roche, Walther von; Axel Buchholz (Hrsg.): Radio-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk. 7. Auflage. München [List] 2000, S. 62-89

Gehrau, Volker: Fernsehgenres und Fernsehgattungen. München [Reinhard Fischer] 2001

Mast, Claudia (Hrsg.): ABC des Journalismus. Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit. Konstanz [UVK] 2000

Riedner, Fabian: Quotencheck: „Sabine Christiansen“. Die Politshow „Sabine Christiansen” wurde nach zehn Jahren beendet. Quotenmeter.de analysiert die Einschaltquoten. In: quotenmeter.de, 25.06.2007. http://www.quotenmeter.de/n/20767/quotencheck-sabine-christiansen (23.01.2017)

Roloff, Eckart Klaus: Journalistische Textgattungen. München [Oldenbourg] 1982

Steinbrecher, Michael; Martin Weiske: Die Talkshow. 20 Jahre zwischen Klatsch und News. München [Ölschläger] 1992

Wachtel, Stefan: Sprechen und Moderieren in Hörfunk und Fernsehen. 4. Auflage, Konstanz [UVK] 2000

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Christina Kiesewetter
*1978, ist Projektleiterin und Redakteurin bei der Medienagentur mct in Dortmund. Davor war sie langjährige Tageszeitungsredakteurin in Lokal-, Mantel- und Projektredaktion sowie Mitarbeiterin am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Arbeitsschwerpunkte: Lokaljournalismus, Zukunft der Zeitung, journalistische Genres, journalistische Ausbildung. Kontakt: kiesewetter(at)mct-dortmund.de