Scoop

1960

Die Journalistensatire The Scoop (2006) des US-Regisseurs Woody Allen heißt im deutschen Untertitel Der Knüller. Das trifft die Bedeutung des aus dem Englischen übernommenen Begriffes: Unter einem Scoop (wörtlich: Schaufel, Schöpfkelle) versteht man in Redaktionen einen journalistischen Exklusivbeitrag, der beim Publikum und bei anderen Medien großes Aufsehen erregt. Das Wort bezeichnet also eine sensationelle Story, die man ,abgeschöpft‘ und gleichsam sich selbst auf den Teller ,geschaufelt‘ hat, bevor andere Medien zugreifen konnten.

Der inhaltlich gleiche Begriff Knüller (abgeleitet von der mittelhochdeutschen, mundartlich noch  erhaltenen Wendung ,knüllen‘ = mit der Faust zuschlagen, stoßen) kam im → Jargon deutscher Journalisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf, als die Boulevardpresse aufblühte.

Scoops/Knüller verweisen auf eine dem Journalismus eigene Problematik: das ständige Ringen um Aufmerksamkeit, um → Schlagzeilen und wirtschaftlichen wie publizistischen Erfolg. Einerseits kann das Ziel, mit einer Geschichte in aller Munde zu sein, den investigativen Ehrgeiz von Redaktionen erhöhen und sie in ihrer politischen und gesellschaftlichen Kontrollfunktion bestärken. Andererseits verführt die Jagd nach Scoops Journalisten immer wieder dazu, Themen reißerisch zuzuspitzen und zu überdehnen, bis hin zu Fälschungen wie der Veröffentlichung angeblicher Hitler-Tagebücher durch das Magazin Stern 1983
(→ vgl. Ente).

Zu den aufsehenerregendsten Scoops der jüngsten Vergangenheit zählt der Überwachungsskandal der US-Sicherheitsbehörde NSA (2013), ausgehend von den Schilderungen des ehemaligen Mitarbeiters und Whistleblowers Edward Snowden, veröffentlicht durch US-Journalist Glen Greenwald in der britischen Tageszeitung The Guardian. Nicht exklusiv, aber dennoch als Scoop bezeichnet, wurde die durch ein Recherche-Netzwerk verantwortete Enthüllung der so genannten Panama Papers (2016), die massenhafte Steuerdelikte mit Briefkastenfirmen aufdeckten.