Story

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Wortherkunft: engl. story = Geschichte

Die journalistische Story ist ein Magazintext mit Elementen von → Nachricht, → Reportage und Hintergrundbericht.

Ausschlaggebend für die Entwicklung dieser Darstellungsform ist die (meist wöchentliche) Erscheinungsweise des Mediums Nachrichtenmagazin oder Zeitschrift. Dort eignet sich die Nachricht im Tageszeitungsstil nicht als Hauptgenre; denn das aktuelle Ereignis ist in der Regel schon von anderen Medien gemeldet worden. Deshalb müssen Zusatzleistungen erbracht werden: erklärende und subjektiv kommentierende Passagen sowie ein erzählender, unterhaltender Stil. Der Textaufbau ist im Vergleich zur Nachricht, aber auch zum → Bericht, gelockert.

Das Genre wird auf die ‘News story’ zurückgeführt, wie sie das US-Magazin Time entwickelt hat. In Deutschland wurde das Genre vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel übernommen. Hier wird ein besonderes Gewicht auf unterhaltsame Wortwahl und ironische Pointen gelegt.

In der Story sind oft zwei Fäden der Textentwicklung ineinander verwoben: das aktuelle Ereignis und die argumentative Entfaltung der Information über einen politischen Sachverhalt, einen gesellschaftlichen Trend, eine wissenschaftliche Erkenntnis usw. Die Struktur, oft mit dem Ziel eines Spannungsaufbaus, kann sich aus dem Ablauf des Ereignisses oder auch aus der argumentativen Entwicklung des Themas ergeben. Der Schluss weist oft auf den Anfang zurück, indem er auf eine Person oder eine Episode aus den ersten Zeilen zurückkommt (Ringbau). Längere Texte, besonders die Titelstory, sind meist deutlich als Produkt einer Zusammenarbeit verschiedener Redaktionsmitglieder erkennbar. Nachrichtenelemente, Informationen aus (Archiv-)Recherchen, Einzelbeispiele und argumentative Kommentarpassagen ergeben in bunter Folge einen Text von mehreren Seiten.

Im journalistischen Alltag hat der Begriff ‘Geschichte’ allerdings eine weitere Bedeutung: Er steht oft allgemein für gut lesbare Texte (z. B. in den Beilagen von Tageszeitungen) und auch für den Handlungsablauf oder auch nur die Hauptinformation einer Nachricht.

Literatur:

Krüger, Christiane: Journalistische Berichterstattung im Trend der Zeit. Stilstrategie und Textdesign des Nachrichtenmagazins FOCUS. Münster [LIT] 1995

Schwitalla, Johannes: Textsortenwandel in den Medien nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Überblick. In: Biere, Bernd Ulrich; Helmut Henne (Hrsg.): Sprache in den Medien nach 1945. Tübingen [Niemeyer] 1993, S. 1-29

Straßner, Erich: Journalistische Texte. Grundlagen der Medienkommunikation, Band 10. Tübingen [Niemeyer] 2000

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Jürg Häusermann
*1951, Prof. Dr., ist seit 1993 Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er studierte in Zürich und Moskau Germanistik, Russistik und Französische Linguistik. Nach dem Studium war er als freier Journalist (u.a. Schweizer Radio und Fernsehen SRF) und als Dozent in der journalistischen Aus- und Fortbildung tätig. Forschungsschwerpunkte: Mediensprache, Medienrhetorik, Analyse der Hörmedien.