Universalität

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Wortherkunft: gebildet nach lat. universus = gesamt und spätlat. universalitas = Gesamtheit

Universalität beschreibt branchenunabhängig die Allgemeingültigkeit einer Sache, einer Aktivität, eines Themas oder einer Abhandlung, die allumfassend und daher von generellem Nutzen ist oder auch von genereller Verpflichtung sein kann. Bezogen auf den Journalismus bezeichnet der Begriff (1) eines der vier grundlegenden Merkmale der Zeitung; (2) ein Ideal journalistischer Qualität.

(1) Universalität als Merkmal der Tageszeitung bezieht sich auf die inhaltliche Vielfalt der Zeitung: Prinzipiell erstattet sie Bericht über alle relevanten Entwicklungen in der Gesellschaft und ihrer Umwelt. Kein Thema ist ausgenommen. Bereits die Neuen Zeitungen des 16. Jahrhunderts zeichneten sich durch eine inhaltliche Vielfalt aus, die es angemessen erscheinen lässt, das Merkmal der Universalität als erfüllt anzusehen. Neben der vorherrschenden Berichterstattung über Politik und Militär kamen darin etwa auch juristische, medizinische und religiöse Themen sowie Sensationsmeldungen vor. Systematische Auswertungen von Flugschriften aus der gleichen Epoche wiesen zudem das Vorhandensein von Wirtschaftsberichterstattung schon zum damaligen Zeitpunkt nach. In modernen Massenmedien kommt die Universalität wesentlich durch die Gliederung in Ressorts wie → Politik, Wirtschaft, Sport, → Feuilleton, Wissenschaft, Panorama, Gesundheit, Reise, Internet und andere zum Ausdruck.

(2) Als Dimension journalistischer Qualität bezeichnet Universalität das Ziel, dem Publikum einen möglichst großen Teil des Universums, im Idealfall sogar die gesamte Welt zu vermitteln. Dies hat den Sinn, das Publikum nicht nur mit denjenigen Informationen zu versorgen, zu denen es sich aufgrund eigener Vorlieben ohnehin wenden würde, sondern auch mit bisher Unbekanntem, noch nicht Vertrautem. Universalität in diesem Sinne ist auf die Spitze getriebene Vielfalt – der Versuch also, durch die Berichterstattung über ein breites Spektrum an Themen, Akteuren und Orten ein differenziertes Bild der Realität zu zeichnen, das nicht durch einseitige Verzerrungen beeinträchtigt wird. Als Qualitätskriterium befindet sich → Vielfalt in einem Spannungsverhältnis zur Qualitätsdimension der → Relevanz, deren hervorstechendes Merkmal es ist, aus einer Ereignis- und Akteursfülle nur diejenigen zu selektieren, die für die Öffentlichkeit besonders bedeutsam sind.

In Deutschland wird medienpolitisch in den stärker regulierten Rundfunkmedien programminterne Vielfalt angestrebt, während Vielfalt in der Presse und bei Onlinemedien extern über ein weites Feld konkurrierender Medien mit unterschiedlicher redaktioneller Ausrichtung gewährleistet werden soll.

Literatur:

Kurz, Josef; Daniel Müller; Joachim Pötschke, Horst Pöttker; Martin Gehr: Stilistik für Journalisten. 2. Auflage. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2010

McQuail, Denis: Media Performance. Mass Communication and the Public Interest. London [Sage] 1992

Wilke, Jürgen: Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte. 2. Auflage. Köln [Böhlau/UTB] 2008

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Holger Handstein
*1976, Dr., hat an der Technischen Universität Dortmund zum Thema Qualität im Journalismus promoviert. Er arbeitet als Kommunikationsberater in Köln. Wissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte: Qualität im Journalismus, Verhältnis von Journalismus und PR. Kontakt: post(at)handundstein.de

Holger Handstein hat einen Einführungsbeitrag zum Thema → Qualität im Journalismus geschrieben.