Voting

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Voting_niroworld_clipdealer_comWortherkunft: engl. voting = Abstimmung, basierend auf mlat./lat. votum = Gelübde, Stimme, aber auch Verlangen, Wunsch; Verbform: ursprünglich ‚votieren‘, heute in der neudeutschen Kurzform ‚voten‘ gebräuchlich

Formen des Votings lassen sich in drei Kategorien einteilen: (1) im Medium Fernsehen eine Form der Telefonabstimmung, (2) im Internet eine Online-Abstimmung zu einzelnen Beiträgen, (3) ein elektronisches Wahlverfahren

(1) Beim ‚Televoting‘, insbesondere bei TV-Unterhaltungssendungen, werden über Telefon oder SMS gesandte Mitteilungen automatisch ausgewertet. Ein Beispiel ist der Musikwettbewerb Eurovision Song Contest. Ein Vorläufer war das Tele-Dialog-System TED (ZDF und Deutsche Bundespost, erstmals 1979). Seitdem kostenpflichtige Televoting-Dienste rechtlich möglich sind, wurden sie zu regulären Einnahmequellen, besonders im Privatfernsehen.

(2) Online-Abstimmungen werden in allen Medien eingesetzt. Dabei werden die abgegebenen Stimmen in Echtzeit ausgewertet. Dies kann auch zu erweiterten interaktiven Formen im Fernsehen (siehe Kategorie 1) führen wie die Castingshow Keep your light shining (Pro Sieben, 2014), in der neun Sänger mit Coversongs gegeneinander antraten und die TV-Zuschauer noch während des Auftritts per App-Voting über Notebook, Tablet oder Smartphone über den Verbleib des Kandidaten entscheiden konnten. Im Online-Journalismus sind Votings eine eigenständige Form der Nutzereinbeziehung. Ihr Einsatz ist einfach und kostengünstig möglich. Dabei müssen Manipulationsversuche technisch möglichst ausgeschlossen werden. Der Rundfunkstaatsvertrag legt fest, dass ausdrücklich darauf hingewiesen werden muss, dass diese Umfragen oder Abstimmungen nicht repräsentativ sind.

(3) Bei elektronischen Wahlverfahren werden elektronische Hilfsmittel zur Stimmabgabe und zum Auszählen der Stimmen benutzt (E-Voting oder Electronic Voting). Ein Sonderfall sind Wahlverfahren über das Internet (I-Voting). Eine Weiterentwicklung stellt das Konzept der ‚Liquid Democracy‘ dar, das nicht nur eine Abstimmung, sondern auch eine Beteiligung am politischen Diskussionsprozess ermöglichen soll.

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen zum E-Voting von politik- und sozialwissenschaftlicher Seite. Diskutiert werden insbesondere die Auswirkungen auf die politische Partizipation. In den Kommunikationswissenschaften existiert umfangreiche Literatur zur Methodik von Online-Umfragen. Zum journalistischen Format des Votings gibt es hingegen kaum Literatur.

Literatur:

Bieber, Christoph: politik digital. Online zum Wähler. Salzhemmendorf [Blumenkamp] 2010

Jackob, Nikolaus; Harald Schoen, Thomas Zerback (Hrsg.): Sozialforschung im Internet. Methodologie und Praxis der Online-Befragung. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2009

Taddicken, Monika: Methodeneffekte bei Web-Befragungen. Einschränkungen der Datengüte durch ein „reduziertes Kommunikationsmedium“? Köln [Herbert von Halem Verlag] 2008

Welker, Martin; Andreas Werner; Joachim Scholz: Online-Research. Markt- und Sozialforschung mit dem Internet. Heidelberg [dpunkt] 2005

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Gabriele Hooffacker
*1959, Prof. Dr. phil., seit 2013 Professorin an der HTWK Leipzig. 1999 gründete sie die Journalistenakademie in München, die sie bis 2013 gemeinsam mit Peter Lokk leitete. Sie gibt die Lehrbuchreihe „Journalistische Praxis“ bei Springer VS heraus, die von Walther von La Roche gegründet wurde. Arbeitsschwerpunkte: Online und Crossmedia, Medienwandel, journalistische Darstellungsformen. Kontakt: gabriele.hooffacker(at)htwk-leipzig.de

Zu journalistischen Arbeitstechniken hat Gabriele Hooffacker einen → Einführungsbeitrag geschrieben.