Bericht

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Wortherkunft: abgeleitet vom gemeingerm. Verb ‚berichten‘, ursprünglich ‚in Ordnung bringen, belehren, unterweisen‘; heute: ‚Kunde von etwas geben, mündlich oder schriftlich darlegen‘; auch nichtjournalistisch benutzt für Schriftstücke wie Protokoll, Unfallbericht oder Lebenslauf.

Der Bericht ist ein Genre des informierenden Journalismus und gilt als eine der ältesten journalistischen Darstellungsformen: Konkret taucht er schon in den ersten Zeitungen Westeuropas im 17. Jahrhundert auf. Der Bericht ist eng mit dem Genre der → Nachricht verwandt: Er hat einen aktuellen Anlass und ist auch sprachlich zumeist nüchtern, knapp, präzise, seriös und tatsachenbetont formuliert. Inhaltlich stellt der Bericht das Geschehen objektiviert, d.h. so wahrheitsgemäß wie möglich dar. Die Person des Schreibenden tritt in den Hintergrund, die Perspektive ist an der Sache orientiert.

Im Gegensatz zur Nachricht ist der Bericht eine zusammenhängende Darstellung eines Geschehens, die in der Regel in ihrer Struktur dem zeitlichen Ablauf folgt und auch Momentaufnahmen wiedergibt. Durch sie wird die Dynamik eines Geschehens deutlich. Der Bericht informiert detailliert und anschaulich, zeigt das Wie und Warum auf. In ihn können Hintergrund, Zusammenhang, Vorgeschichte und längere Zitate einfließen.

In der journalistischen Praxis muss der Aufbau des Berichtes nicht immer chronologisch sein, sondern kann – wie die Nachricht – dem Prinzip der abnehmenden Wichtigkeit folgen, das sich hier in der Regel nicht auf jeden Satz, sondern auf ganze Absätze bezieht. Strukturelle Vorgaben sind jedoch variabel. Durchgehend ist der dokumentarische Charakter, allerdings können Berichte auch analytische Elemente enthalten, indem der Journalist das Geschehen kurz kommentiert und bewertet. Auf dieser Grundlage unterscheiden einige Forscher informierende und analytische Berichte. Zudem existiert eine Differenzierung zwischen dem direkten Bericht, der das Geschehen im Ganzen wiedergibt, und dem thematischen, bei dem aktuelles Material zugeschnitten und hervorgehoben wird. Der Bericht wird täglich von Zeitung, Radio und Fernsehen benutzt.

Literatur:

Kurz, Josef; Daniel Müller; Joachim Pötschke, Horst Pöttker; Martin Gehr: Stilistik für Journalisten. 2. Auflage. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2010

La Roche, Walther von; Gabriele Hooffacker; Klaus Meier: Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer Beschreibung aller Ausbildungswege Deutschland Österreich • Schweiz. 19. Auflage. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2013

Mast, Claudia (Hrsg.): ABC des Journalismus. Ein Leitfaden für die Redaktionsarbeit. Konstanz [UVK] 2000

Noelle-Neumann, Elisabeth; Winfried Schulz; Jürgen Wilke (Hrsg.): Fischer Lexikon. Publizistik/Massenkommunikation. Frankfurt/M. [Fischer] 2002

Roloff, Eckart Klaus: Journalistische Textgattungen. München [Oldenbourg] 1982

Schneider, Wolf; Paul-Josef Raue: Handbuch des Journalismus. Reinbek [Rowohlt] 1996

Sonderhüsken, Hermann: Kleines Journalisten-Lexikon. Fachbegriffe und Berufsjargon. Konstanz [UVK] 1994

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Christina Kiesewetter
*1978, ist Projektleiterin und Redakteurin bei der Medienagentur mct in Dortmund. Davor war sie langjährige Tageszeitungsredakteurin in Lokal-, Mantel- und Projektredaktion sowie Mitarbeiterin am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Arbeitsschwerpunkte: Lokaljournalismus, Zukunft der Zeitung, journalistische Genres, journalistische Ausbildung. Kontakt: kiesewetter(at)mct-dortmund.de