Aus- und Weiterbildung

Aus- und Weiterbildung

    Eine Einführung von Andrea Czepek

    Der Zugang zum Beruf des Journalismus ist in Deutschland nicht geregelt. Der Unterschied zu anderen Professionen ist durch die in der Verfassung garantierte Presse- und Meinungsfreiheit begründet. Allerdings verlangen Verlage und Rundfunkanstalten für eine Festanstellung als Redakteur in der Regel ein abgeschlossenes Volontariat und ein Hochschulstudium. Ein reines Journalistik-Studium bieten in Deutschland nur noch wenige Universitäten und Fachhochschulen an. Ein häufiger Ausbildungsweg ist deshalb auch ein Fachstudium, ergänzt durch → Weiterbildung im Journalismus.

    Journalistenausbildung:
    Als Journalistenausbildung ist hier die Vorbereitung auf den Beruf des Journalisten gemeint. Im Gegensatz zur umfassenderen, auf die ganzheitliche Entfaltung des Geistes ausgerichtete ‘Bildung’ wird unter ‘Ausbildung’ die Aneignung von bestimmten für die Ausübung des Berufs notwendigen Fertigkeiten verstanden.

    Geschichte:
    Es gibt in Deutschland keine vorgeschriebene Berufsausbildung für Journalisten; der Zugang zu diesem Beruf ist offen. Das ergibt sich aus der in Artikel 5 des Grundgesetzes verankerten Pressefreiheit. Jeder hat demnach das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild zu veröffentlichen.

    Verlage und Rundfunkanstalten verlangen für eine Festanstellung in der Regel jedoch eine ein- bis zweijährige Ausbildung in einer Redaktion, das so genannte Volontariat. Darüber hinaus haben die meisten fest angestellten Journalisten heute ein Hochschulstudium absolviert (Journalistik oder ein Fachstudium) oder eine Journalistenschule besucht.

    Traditionell wird Journalismus in Deutschland ‘on the job’ erlernt, was zum Teil auf der Vorstellung vom Journalismus als Begabungsberuf bzw. als künstlerischer Beruf beruht. Noch bei der Diskussion um eine hochschulgebundene Journalistenausbildung in den 1970er Jahren herrschte bei vielen Berufspraktikern die Auffassung vor, Journalismus könne man nicht lernen.

    Offensichtliche Mängel an der rein praktischen Ausbildung und die hohen gesellschaftlichen Erwartungen an den Journalismus trugen zu einer Veränderung dieser Auffassung in den 1970er Jahren bei. Die Verleger sahen die Unzulänglichkeiten des Volontariats und wollten es durch eine passende Hochschulausbildung ergänzt sehen. Auf der anderen Seite wurde deutlich, dass die herkömmlichen Publizistik- und Germanistikstudiengänge andere Schwerpunkte setzten und als Ausbildung für Journalisten nur bedingt geeignet waren. Aus diesen Überlegungen heraus wurden in Kooperation von Verlegern, Hochschulen und Landesvertretern in Dortmund, München und Hohenheim die ersten Journalistikstudiengänge eingerichtet.

    Eine bessere Ausbildung von Journalisten soll zum Erhalt und zur Verbesserung der → Qualität von Journalismus beitragen. Barbara Eschenauer beispielsweise, Leiterin der Evangelischen Medienakademie in Berlin, sieht in der Qualität der Aus- und Fortbildung ein Korrektiv für einen Qualitätsverlust im Journalismus (vgl. Altmeppen/Hömberg 2002). Die Berufspraxis solle in den Studiengängen und an den Journalistenschulen nicht nur abgebildet, sondern auch analysiert und weiterentwickelt werden. Inhalte der Journalistenausbildung sind entsprechend nicht nur handwerkliche und fachliche, sondern auch ethische Kompetenzen.

    Gegenwärtiger Zustand:
    Seit dem Ende der Expansion im Medienbereich Anfang des neuen Jahrtausends ist die Zahl der Stellenangebote im Journalismus stark zurückgegangen, die Begeisterung für den Beruf als Traumberuf der Jugendlichen ist jedoch ungebrochen. Durch den daraus resultierenden hohen Konkurrenzdruck ist eine fundierte, meist mehrstufige Ausbildung de facto eine Voraussetzung für eine Festanstellung im Journalismus geworden. Diese besteht in der Regel aus den Elementen Abitur, Hochschulstudium (unterschiedliche Fachrichtungen), parallel freie Mitarbeit oder Praktika im Medienbereich sowie anschließend Journalistenschule oder Volontariat.

    Aufgrund der hohen Nachfrage nach Ausbildungsgängen in diesem Bereich sind seit den 1990er Jahren in Deutschland einige neue Studiengänge entstanden (siehe → Journalistikstudium [in Vorbereitung]). Besonders an Fachhochschulen, die Ende der 1990er Jahre unter dem Druck standen, ihre wenig nachgefragten Technik-Studiengänge zu diversifizieren, entstanden mehrere neue Angebote, die in Kombination mit Technik- oder Wirtschaftsfächern besondere Akzente setzen und auf eine hohe Berufsbezogenheit Wert legen. Gleichzeitig wurden traditionsreiche Angebote wieder abgebaut. Trotz hoher Bewerberzahlen blieben die Journalistik-Institute an den Universitäten und Hochschulen klein, durch die praxisnahe Ausbildung aber teuer – eine schwierige Position innerhalb der Hochschulen.

    Die meisten Universitäten bieten Journalistik nur noch als Master-Studiengang an, der auf einem anderen Bachelor-Studiengang aufbaut (Leipzig seit 2005, Hamburg seit 2006, München seit 2008). Die einzigen deutschen Universitäten, die noch einen Bachelor-Studiengang Journalistik anbieten, sind die TU Dortmund und die katholische Universität Eichstätt. Zum Wintersemester 2015/16 hat auch die Hochschule Bremen ihren internationalen Studiengang Journalistik eingestellt.

    Da sich das Berufsfeld immer mehr ausdifferenziert und die Grenzen zu anderen Medienberufen sowie zur Öffentlichkeitsarbeit verwischen, zeichnet sich eine weitere inhaltliche Festlegung eines bestimmten Ausbildungsweges nicht ab. Eine Herausforderung für die Journalistenausbildung ist dabei, die rasanten Entwicklungen der Digitalisierung im Medienbereich angemessen in die Ausbildung zu integrieren und darauf vorzubereiten.

    Forschungsstand:
    Die Kommunikatorforschung hat die Journalistenausbildung im Zusammenhang mit der Frage der Professionalisierung des Journalistenberufs diskutiert. Als Professionen gelten Berufe, für die eine hohe Kompetenz erforderlich ist, die nicht nur auf den Markt ausgerichtet sind und die hohes Ansehen genießen, wie etwa Juristen, Geistliche, Mediziner und Wissenschaftler. Erörtert wurde einerseits, ob der Journalistenberuf Tendenzen der Professionalisierung aufweist und welche Folgen dies für das Selbstverständnis von Journalisten haben könnte, und darauf aufbauend, ob eine Professionalisierung des Journalismus überhaupt wünschenswert sei (Weischenberg 1995). Zentral war die Frage, ob es eine systematische Ausbildung geben könne oder ob die Berufstechniken des Journalismus „auch ohne theoretische Ausbildung von begabten Berufslaien erlernt werden“ können (Kepplinger/Vohl 1976, zit. nach Weischenberg 1995). Untersuchungen zum Professionalisierungsgrad haben in Deutschland etwa Langenbucher (1974/75), Donsbach (1982) und Weischenberg (1990) gemacht.

    Zum einführenden Artikel über Weiterbildung im Journalismus

    Literatur:

    Altmeppen, Klaus-Dieter; Walter Hömberg (Hrsg.): Journalistenausbildung für eine veränderte Medienwelt. Wiesbaden [Westdeutscher Verlag] 2002

    Dernbach, Beatrice; Wiebke Loosen (Hrsg.): Didaktik der Journalistik. Konzepte, Methoden und Beispiele aus der Journalistenausbildung. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2012

    Donsbach, Wolfgang: Legitimationsprobleme des Journalismus. Gesellschaftliche Rolle der Massenmedien und berufliche Einstellungen von Journalisten. Freiburg/München [Karl Alber] 1982

    Kepplinger, Hans Mathias; Vohl, Inge: Professionalisierung des Journalismus? Theoretische Probleme und empirische Befunde. In: Rundfunk und Fernsehen, 24, 1976, S. 309-343

    Langenbucher, Wolfgang R.: Kommunikation als Beruf. Ansätze und Konsequenzen kommunikationswissenschaftlicher Berufsforschung. In: Publizistik, 3-4, 1974, 1-2, 1975, S. 256-277

    La Roche, Walther von; Gabriele Hooffacker; Klaus Meier: Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer Beschreibung aller Ausbildungswege Deutschland • Österreich • Schweiz. 19. Auflage. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2013

    Mast, Claudia: Berufsziel Journalismus. Aufgaben, Anforderungen und Ansprechpartner. 2. Auflage. Wiesbaden [Westdeutscher Verlag] 2000

    Müller, Wiebke: Journalistenausbildung in Europa. Berlin [Vistas] 1999

    Neubert, Kurt; Helmut Scherer (Hrsg.): Die Zukunft der Kommunikationsberufe. Konstanz [UVK] 2004

    Weischenberg, Siegfried (Hrsg.): Journalismus & Kompetenz. Qualifizierung und Rekrutierung für Medienberufe. Opladen [Westdeutscher Verlag] 1990

    Weischenberg, Siegfried: Journalistik. Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation. Band 2: Medientechnik, Medienfunktionen, Medienakteure. Opladen [Westdeutscher Verlag] 1995

Andrea Czepek
Andrea Czepek
*1966, Prof. Dr., ist seit 2003 Professorin für Journalismus an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Arbeitsschwerpunkte: Pressefreiheit, Medienkonzentration und Vielfalt, internationaler Journalismus. Kontakt: andrea.czepek(at)jade-hs.de

Andrea Czepek hat zur Ausbildung im Journalismus einen → Einführungsbeitrag geschrieben.