Lead

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Wortherkunft: engl. to lead = anführen, leiten

Definition: (1) Nachrichtenanfang, (2) Vorspann vor längeren Darstellungsformen. Ob das Wort im Deutschen männlich oder sächlich ist, ist ungeklärt.

(1) Als Lead oder Leadsatz im engeren Sinn wird der Anfang einer Nachricht bezeichnet. Er besteht aus mindestens einem, höchstens drei Sätzen und fasst die Kernaussage zusammen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. In der amerikanischen Journalistik wird er ‘Summary Lead’ genannt. „Der Lead gibt Antwort auf die Frage, die das Publikum vermutlich als erste zu dem jeweiligen Thema stellen würde“, schreibt Walther von La Roche (La Roche/Hooffacker/Meier 2013: 94), in der Regel auf die W-Fragen ‘Wer’ und ‘Was’. Aber auch die Antwort auf jede andere W-Frage kann am Anfang stehen. Er ergibt sich aus dem Adressatenkreis: Was ist für die jeweilige Zielgruppe am wichtigsten?

Der Lead-Stil ist das Gegenteil von Chronologie. Damit ist das Leadsatzprinzip konstituierend für den klassischen Nachrichtenaufbau der umgekehrten Pyramide.

(2) Lead im erweiterten Sinn wird auch der Vorspann genannt. Er steht über einem größeren Beitrag, gibt den Informationskern wieder und soll gleichzeitig zum Weiterlesen verlocken. In Online-Medien ist dies eine mögliche Form des → Teasers.

Das Lead-and-Body-Prinzip hat sich, wie Horst Pöttker (2003) gezeigt hat, in den 1880er Jahren im amerikanischen Journalismus durchgesetzt. Ausschlaggebend war das Bemühen, Zeitungstexte für die Leser besser zu erschließen und attraktiver zu machen. Dietz Schwiesau und Josef Ohler (2003) konnten nachweisen, dass seine Entstehung (das Wichtigste zuerst) mit den hohen Übermittlungskosten in den Anfängen der Telegrafie zu begründen ist.

Einsatz findet der Lead-Stil heute nach wie vor im Agenturjournalismus, im Nachrichtenjournalismus aller Medien, insbesondere in Zeitungen und Zeitschriften sowie im Online-Journalismus. Pressemitteilungen sind ebenfalls nach dem Lead-Stil aufgebaut.

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen in Journalistik und Publizistik über Entstehung und Funktion des Leads, die damit zusammenhängende Nachrichtenauswahl sowie viel Praktikerliteratur.

Literatur:

La Roche, Walther von; Gabriele Hooffacker; Klaus Meier: Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer Beschreibung aller Ausbildungswege Deutschland Österreich Schweiz. 19. Auflage. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2013

Pöttker, Horst: Nachrichten und ihre kommunikative Qualität. Die „Umgekehrte Pyramide“ – Ursprung und Durchsetzung eines journalistischen Standards. In: Publizistik, 4, 2003, S. 414-426

Schwiesau, Dietz; Josef Ohler: Die Nachricht. In Presse, Radio, Fernsehen, Nachrichtenagentur und Internet. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis. München [List] 2003

Zschunke, Peter: Agenturjournalismus. Nachrichtenschreiben im Sekundentakt. 2. Auflage. Konstanz [UVK] 2000

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Gabriele Hooffacker
*1959, Prof. Dr. phil., seit 2013 Professorin an der HTWK Leipzig. 1999 gründete sie die Journalistenakademie in München, die sie bis 2013 gemeinsam mit Peter Lokk leitete. Sie gibt die Lehrbuchreihe Journalistische Praxis bei Springer VS heraus, die von Walther von La Roche gegründet wurde. Arbeitsschwerpunkte: Online und Crossmedia, Medienwandel, journalistische Darstellungsformen. Kontakt: gabriele.hooffacker(at)htwk-leipzig.de

Zu journalistischen Arbeitstechniken hat Gabriele Hooffacker einen → Einführungsbeitrag geschrieben.