… und alle Fragen offen?

Eine Einführung in das Wörterbuch der Journalistik
Von Horst Pöttker und Martin Gehr

Der Medienhafen in Düsseldorf hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem futuristisch anmutenden Zentrum der Branche entwickelt. Hier sind alle Mediensparten vertreten. Im Vordergrund das Düsseldorfer Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks. Foto: Turmfalke/pixabay.com
Der Medienhafen in Düsseldorf hat sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem futuristisch anmutenden Zentrum der Branche entwickelt. Hier sind alle Mediensparten vertreten. Im Vordergrund das Düsseldorfer Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks. Foto: Turmfalke/pixabay.com

Journalismus steht in Deutschland seit jeher im Ansehen der Berufe weit unten. Das liegt auch daran, dass seine Aufgaben, Arbeitsweisen und Probleme zu wenig bekannt sind – besonders in Zeiten, in denen Soziale Netzwerke mehr Nachrichten zu produzieren scheinen als klassische Medien und dadurch Blogger und Youtuber mit zahlreichen Followern größere Aufmerksamkeit erlangen als einst etablierte Verlagspublikationen, Rundfunkstationen und TV-Sender. Da der Journalismus und seine darin engagierten Menschen einem immer stärkeren Druck ausgesetzt sind und Umbrüche nicht nur beim Layout einer Zeitung, sondern in der Beschaffenheit der gesamten Branche auftauchen, stellen sich Mediennutzer, aber auch Medienmacher Fragen, die sich mehr denn je den Hintergründen dieses Berufszweigs widmen.

Grenzenlos? Wie weit dürfen wir gehen?
Welchen juristischen Gegebenheiten ist der Journalismus unterworfen? Ist etwa verdeckte Recherche, wie sie Günter Wallraff betreibt, strafbar, auch wenn sie Skandale aufdeckt, die selbst kriminell sind? Was bedeutet Urheberrecht im redaktionellen Alltag – sowohl für eigene Produktionen als auch für Fremdmaterial, das Journalisten verwenden? Stimmt der Satz von Kurt Tucholsky, dass → Satire alles darf? Und überhaupt: Wo ist die Grenze, an der die Medien die Würde des Menschen verletzen?

Gestern. Heute. Morgen? Der Wandel der Technik verändert den Journalismus stets grundlegend. Fotos (v.l.): PublicDomainPictures/pixabay.com, FirmBee/pixabay.com, SeanPrior/clipdealer.com
Gestern. Heute. Morgen? Der Wandel der Technik verändert den Journalismus stets grundlegend. Fotos (v.l.): PublicDomainPictures/pixabay.com, FirmBee/pixabay.com, SeanPrior/clipdealer.com

Datei statt Blei: Clever und smart oder app-soluter Unsinn?
Auch die Technik stellt uns vor Rätsel: Der Markt der Medien prosperiert zwar durch ein vielfältiges, allerdings auch unüberschaubar gewordenes Angebot, das noch die Masse erreicht, aber eine Spezialisierung auf immer engere Zielgruppeninteressen aufweist. Dies ist unter anderem auf nutzergenerierte Webinhalte (Web 2.0) sowie die Diversifikation verfügbarer Technologien zurückzuführen. So sind technische Entwicklungen nicht mehr nur eine Option, sondern gesellschaftlicher Konsens: Handys nennt man mittlerweile Smartphones, Zeitungen werden auf Displays gelesen, Radiosendungen downgeloaded und Filme → gestreamt. Wo wird das hinführen? Und was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu? Hat sie die Ambition, nicht nur Stellung zu beziehen, sondern auch zu erklären und in der spürbar komplexer werdenden Welt den Überblick zu behalten?

Die Branche. Die Berufe. Die Biographien
Diesem Anspruch möchte das Journalistikon gerecht werden. Wissenschaftler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum haben für dieses Wörterbuch der Journalistik ein → Kollektiv gebildet und bestücken das Lexikon kontinuierlich mit Artikeln.

Kommunikation ohne Grenzen? Viele Mediennutzer fühlen sich von der Informationsflut überfordert. Das Journalistikon will für einen Überblick sorgen. Foto: kentoh/clipdealer.com
Kommunikation ohne Grenzen? Viele Mediennutzer fühlen sich von der Informationsflut überfordert. Das Journalistikon will für einen Überblick sorgen. Foto: kentoh/clipdealer.com

Wir werden zum Beispiel der Frage nachgehen, ob E-Paper langfristig die klassischen Druckverfahren ablösen. Die Nutzer erfahren, was Wissenschaft und Praxis unter → journalistischer Qualität verstehen und welche Kriterien sich zur Bewertung journalistischer Produkte ansetzen lassen. Ein umfangreiches Verzeichnis zum → journalistischen Jargon offenbart, was → Aufsetzer und → Eckenbrüller sind und dass man nicht bis zur Wettervorhersage warten muss, um sich vor dem nächsten → Sommerloch oder Shitstorm zu schützen. Und wer bei alldem das Interesse entwickelt, selbst in die Branche einzusteigen, erhält im Journalistikon ausführliche und aktuell gehaltene Informationen über → Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, → Berufsrollen sowie → Biographien über Journalisten, die in herausragender Weise die Branche, mitunter sogar die Gesellschaft geprägt und Spuren hinterlassen haben, die auch ein webbasierter Sturm nicht wird verwischen können.

Welcher Weg ist Ihr Ziel? Sie haben die Wahl!
In Zeiten, in denen Vielfalt gefordert und Individualität ausgelebt wird, haben wir uns entschieden, die Lexikonartikel nicht strikt zu vereinheitlichen. Zwar hat jeder Eintrag eine geordnete Layout- und Definitionsstruktur, dennoch sind die einzelnen Beiträge vom Schreibstil des jeweiligen Autors geprägt.

Zudem bietet das Journalistikon diverse Zugangsmöglichkeiten zu Schwerpunkten und einzelnen Artikeln: Nutzer haben die Wahl zwischen einer freien oder schlagwortbasierten → Suche sowie → 19 Überblicksartikeln, die in Themen wie → Berufsethik, → journalistische Kulturen, → Nachrichtenfaktoren oder die → Geschichte des Journalismus einführen und dann zu weiterführenden Detaileinträgen geleiten. Der Leser kann sich den Inhalten auch über eine klassische → Alphabetstruktur oder anhand der → Autoren nähern.

Diese Varianz gilt ebenfalls für die technische Nutzung: Die Website ist optimiert für klassische Computer und Tablets, aber auch Smartphones, so dass Sie auch von unterwegs und im kompakten Format auf die Suche nach Antworten gehen können.

Was ist denn das für ein Niveau hier?
Das Wörterbuch der Journalistik wendet sich nicht nur an Wissenschaftler oder Studierende entsprechender Fachrichtungen, sondern an jeden, der sich für Journalistik und praktischen Journalismus interessiert und sich als Mediennutzer oder Medienhandwerker an einem reflektierenden Zugang versuchen möchte. Das Journalistikon lohnt sich für alle, die Informationen zur Thematik suchen, ohne dabei ein zweites Lexikon zum Verständnis der Ausführungen daneben legen zu müssen.

Sollten Ihnen trotz dieses Versprechens bemerkenswerte Fehler inhaltlicher oder technischer Art auffallen oder Vorschläge zur Entwicklung des Journalistikons in den Sinn kommen, zögern Sie nicht, uns zu schreiben:
redaktion@journalistikon.de

Das Lexikon wird beständig erweitert. Um eines bitten wir Sie daher schon jetzt: Auch wenn der Begriff Journalismus vom französischen „jour“ = Tag abstammt und das Internet ein schnelllebiges Medium ist: Geben Sie uns Zeit. Denn „mal eben so“ dahingeschlunzte Nachrichten und Mitteilungen, die weder wissenschaftliche noch journalistische Qualitätskriterien berücksichtigen, gibt es schon genug. Oder anders formuliert: „Nur wer Zeit hat, kann Zeit geben.“