Gebauter Beitrag

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Hierbei handelt es sich um eine Darstellungsform im Radio-Journalismus aus → O-Ton und Sprechertext.

Als gebauter Beitrag werden sowohl der O-Ton-Bericht, O-Ton-Collagen sowie → Reportagen und → Mini-Features im Hörfunk bezeichnet. Gesendet werden sie meist im Rahmen einer Magazin-Sendung. Dabei sind O-Töne und Berichtstext in der Regel gleichwertig. Während der O-Ton-Bericht sachlich informiert, gibt die Reportage auch Atmosphäre und Stimmungen vor Ort wieder.

Der Text leistet die Verbindung (als roter Faden) der O-Töne sowie die Erklärung komplexer Zusammenhänge. Der O-Ton im Beitrag verteilt sich auf mehrere Takes (von engl. to take = nehmen, als Substantiv ‘take’ = Aufnahme; gemeint sind also Einzelaufnahmen bzw. Abschnitte eines Beitrags). Der O-Ton liefert authentische Aussagen sowie persönliche Statements. Er darf nicht zu lang sein und soll nicht im Übermaß eingesetzt werden.

Auch in Podcast-Episoden werden neben Interviews überwiegend gebaute Beiträge eingesetzt. Zudem stellen viele Sendeanstalten gebaute Beiträge als Podcast zur Verfügung. Einige Beispiele: Der WDR-Klassiker ZeitZeichen existiert seit über 40 Jahren und beleuchtet seitdem täglich in einem etwa 15-minütigen Beitrag Ereignisse der Weltgeschichte und historische Persönlichkeiten. Dem aktuellen Zeitgeschehen wiederum widmet sich die Nahaufnahme des Inforadio rbb mit Kurzreportagen und einem Schwerpunkt auf Berlin und Brandenburg. Auch Kulturrezensionen werden im Rundfunk in der Regel als gebaute Beiträge realisiert. So stammen die O-Töne bei den Filmtipps von NDR Kultur aus den besprochenen Kinofilmen. Schließlich kann auch die im Radio beliebte Form der Wissenscomedy eine gezielte Mischung aus Sprechertext, O-Tönen, Geräuschen und Musik sein, die mitunter zu erläuternden Spielszenen arrangiert werden – wie in Tiemanns Wortgeflecht bei WDR 5, das der Herkunft von Wörtern und Redewendungen auf den Grund geht.

Literatur:

Buchholz, Axel; Walther von La Roche (Hrsg.): Radio-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk. 10. Auflage. Wiesbaden [Springer Fachmedien] 2013

Linke, Norbert: Radio-Lexikon. 1200 Stichwörter von A-cappella-Jingle bis Zwischenband. Berlin [List] 1997

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Gabriele Hooffacker
*1959, Prof. Dr. phil., seit 2013 Professorin an der HTWK Leipzig. 1999 gründete sie die Journalistenakademie in München, die sie bis 2013 gemeinsam mit Peter Lokk leitete. Sie gibt die Lehrbuchreihe „Journalistische Praxis“ bei Springer VS heraus, die von Walther von La Roche gegründet wurde. Arbeitsschwerpunkte: Online und Crossmedia, Medienwandel, journalistische Darstellungsformen. Kontakt: gabriele.hooffacker(at)htwk-leipzig.de

Zu journalistischen Arbeitstechniken hat Gabriele Hooffacker einen → Einführungsbeitrag geschrieben.