Zeitungsformat

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Zeitungsformate Pixabay
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Wortherkunft: von mittelniederdt. ‚tidinge‘, später ‚zîdunge‘ = Nachricht und von lat. formatum = das Geformte, das Gestaltete

Definition

Gedruckte Zeitungen sind Träger journalistischer Inhalte und auch physische Medien, deren Form zur → Rezeption ihrer → Inhalte beiträgt. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Format, das bestimmt, wieviel Platz für Texte, Bilder, Anzeigen und sonstige grafische Elemente zur Verfügung steht und wie → Nachrichten auf einer Seite angeordnet und gewichtet werden können. Der Begriff ‚Zeitungsformat‘ bezeichnet die äußeren Maße und das daraus resultierende Seitenverhältnis einer gedruckten Zeitung. Die gängigen Formate werden meist angegeben als Breite und Höhe in Millimetern; gemeint sind die Abmessungen einer einzelnen Zeitungsseite.

Geschichte

→ Zeitungen hatten früher – im Vergleich zu den heute in Deutschland verbreiteten Exemplaren – eher kleine Formate. So erschien die ab 1609 gedruckte Wochenzeitung Aviso in einem Format von 155 x 205 mm. Die erste richtige Tageszeitung, die Einkommenden Zeitungen aus Leipzig, die ab 1650 erhältlich war, hatte ein Format von etwa 135 x 170 mm.

Ganz verlässlich sind die Größenangaben nicht: Zeitungen wurden oft im Quartformat gefertigt, der Druckbogen wurde zweimal gefaltet, wodurch sich vier Blätter (und damit acht Seiten) ergaben. Auch Oktav- (acht Blätter, 16 Seiten) und andere Kleinformate kamen vor. Die Größe des Druckbogens jedoch war nicht genormt, sodass unterschiedlich große Zeitungen hergestellt wurden.

Mit der Entstehung der Massenpresse im 19. Jahrhundert veränderte sich die Produktion und damit auch das Format der Zeitung. Technische Entwicklungen auf dem Gebiet von Satz und Druck ermöglichten die kostengünstige Herstellung von Zeitungen auf größeren Formaten: Die Schnellpresse löste die aufwändigere Handpresse ab und wurde durch die Rollenrotationsmaschine in den 1860er Jahren verfeinert – sie bedruckte nicht mehr den einzelnen Papierbogen, sondern die Papierbahn von der Rolle, die anschließend in die gewünschte Größe geschnitten und gefalzt wurde.

Die jetzt auf großem Format mögliche Hierarchisierung und Gliederung von Nachrichten machte historisch die Qualität der Zeitungen aus, die sich nun endgültig aus der Buchtradition emanzipiert und als eigenes Medium etabliert hatten: „Das Großformat schuf die Voraussetzung, dass ein zufälliges und produktionsgesteuertes Layout von einem intentionalen und journalistischen Layout abgelöst werden konnte, das die soziale Welt für seine Leser kartografierte“, (Bucher/Schumacher 2012: 179; nach Barnhurst/Nerone 2001: 22).

Abhängig von Region und Vorlieben der Verlage bürgerten sich unterschiedliche Zeitungsformate ein, und erst 1973 wurden mit der DIN 16604 (aktuelle Fassung 2007-10) die Papierformate und Anzeigen-Satzmaße für die in Deutschland verbreiteten Zeitungsformate standardisiert. Die Norm erleichtert seitdem die Zusammenarbeit von Zeitungsverlagen und ihren Druckereien mit der Werbewirtschaft.

Gegenwärtiger Zustand und Forschung

In Deutschland besonders verbreitete Formate sind die Großformate ‚Nordisches Format‘, ‚Rheinisches Format‘, ‚Berliner Format‘ und das Kleinformat ‚Tabloid‘. Die Bezeichnungen sind zum Teil von einzelnen Titeln abzuleiten: So erscheinen etwa in Norddeutschland im Nordischen Format Die Zeit, Die Welt oder auch bis 2024 die Hamburger Morgenpost. Verlässlich ist die Format-Benennung nach Regionen allerdings nicht: Der Kölner Stadt-Anzeiger erschien bis 2023 im ‚Berliner Format‘, die Berliner Zeitung wiederum hat das ‚Rheinische Format‘.

In Deutschland verbreitete Zeitungsformate
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Das Nordische Format (auch Norddeutsches Format) hat die Maße 400 x 570 mm. Neben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Welt sind die Süddeutsche Zeitung und die Bild bekannte Zeitungen dieses Formats.

Im Rheinischen Format mit den Maßen 350 x 510 mm oder 360 x 530 mm erscheinen zum Beispiel die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und Der Freitag.

Das Berliner Format mit der Größe 315 x 470 mm wird u. a. für die wochentaz und die Nürnberger Nachrichten verwendet.

Im Kleinformat Tabloid (auch Halbnordisches Format, Kompaktformat oder Half Broadsheet) mit den Maßen von 235 x 315 mm oder 285 x 400 mm werden Der Tagesspiegel, das Handelsblatt oder inzwischen die österreichische Kronen Zeitung veröffentlicht.

Weniger verbreitet sind das Halbe Berliner Format mit den Maßen 225 x 305 mm oder 235 x 315 mm, das zum Beispiel die Gießener Zeitung nutzt oder auch das Halbrheinische Format mit 233 x 327 mm oder 231 x 323 mm, das sich beim Berliner Kurier und der Morgenpost für Sachsen findet.

Das Schweizer Format mit 320 x 475 mm verwenden die Neue Zürcher Zeitung und auch fast alle anderen Schweizer Tageszeitungen.

Weltweit finden sich noch weitere unterschiedliche Formate: Unter anderem das Broadsheet (z. B. British Broadsheet 375 x 597 mm und American Broadsheet ca. 381 × 578 mm) sind verbreitet. Bei uns hingegen gilt der Begriff ‚Broadsheet‘ eher als Oberbegriff für großformatige Zeitungen.

Ein ähnliches Problem gibt es mit der Mehrdeutigkeit des Begriffs ‚Tabloid‘, der einerseits unterschiedliche Zeitungsformate zwischen DIN A4 und dem ‚Berliner Format‘ bezeichnet, wie sie bis ins 19. Jahrhundert verbreitet waren. Andererseits steht der Begriff ‚Tabloid‘ – er bezog sich ursprünglich auf ein englisches Tablettenformat, das Wirkstoffe in konzentrierter Form enthält – für einen unterhaltungsorientierten Zeitungstyp: die zunächst auf der Straße verkauften Boulevardzeitungen, die tatsächlich Informationen ‚in konzentrierter Form‘ bieten. Der deshalb auch genutzte Begriff „compact newspaper“ (Arnold 1981: 222), also „Kompaktformat“, grenzt sich ab von der Boulevardpresse und bezeichnet schlicht das kleine Zeitungsformat.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Zeitungen weltweit wiederholt ihre Formate variiert (Barnhurst/Nerone 2001), speziell zu Beginn der 2000er Jahre gab es eine Tendenz zur Verkleinerung des Zeitungsformats; inzwischen verwenden viele traditionell als Broadsheet erschienene Zeitungen das Tabloid-Format. Diesen oft kritisch beobachteten – und mit Qualitätsverlust in Verbindung gebrachten – Veränderungen (Bucher/Schumacher 2007: 515) widmeten sich verschiedene Forschungsprojekte in den Jahren zwischen 2005 und 2014. Dabei ging es zum Beispiel um den Zusammenhang von Zeitungsformat und Leseverhalten (Bucher/Schumacher 2007), von Format und journalistischem Wandel (Brin/Drolet 2008); von Format und Lesekomfort besonders unter beengten Umständen, z. B. auf dem Arbeitsweg (Tsang/Hoffmann/Chan 2014), – hierzu gab es auch die Überlegung, ob speziell jüngere Menschen kleinere Formate schätzen würden, weil sie das Lesen auf kleinen technischen Geräten gewöhnt seien (Bucher/Schumacher 2012: 177f.) –, was bezweifelt wurde (Haller 2009: 48; D’Inka 2022), und es ging um Bedenken wegen einer → ‚Tabloidisierung‘ des Journalismus bei kleineren Formaten (Andersson 2013).

Insgesamt relativierten die Forschungsergebnisse die Befürchtungen vor einem Qualitätsverlust der Presse infolge kleinerer Zeitungsformate. Zwar wurde das Kompaktformat in den Studien tatsächlich bevorzugt, doch auch die internationale Entwicklung hat gezeigt, dass ein kleineres Format nicht mit einer geringeren journalistischen Qualität gleichzusetzen ist. Viele renommierte Zeitungen, darunter The Times, The Guardian und Le Monde, haben ihr Format in den vergangenen Jahrzehnten verkleinert, während Qualitätszeitungen wie El País und Público bereits seit ihrer Gründung im Kompaktformat erscheinen. Das kompakte Zeitungsformat hat sich damit auch im Qualitätsjournalismus weltweit etabliert.

In der jüngeren Vergangenheit gab es nur noch wenige Formatänderungen bei gedruckten Zeitungen. Das Durchschnittsalter der Zeitungsleser steigt, bei regionalen Tageszeitungen ist oft der am häufigsten angegebene Kündigungsgrund der Tod des Abonnenten. Dennoch erreichen Tageszeitungen noch täglich 43,5 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland (Agma 2026) – aber nicht unbedingt auf Papier. Während Überlegungen zur Größe des Zeitungsformats also eine untergeordnete Rolle einnehmen, liegen die Prioritäten der → Verlage inzwischen auf der Entwicklung von digitalen Formaten wie z. B. Newslettern.

Literatur

Andersson, Ulrika: From Broadsheet to Tabloid: Content changes in Swedish newspapers in the light of a shrunken size. In: Observatorio (OBS*) Journal, 7, 4, 2013, S. 1-21. https://obs.obercom.pt/index.php/obs/article/view/708/626

Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse e. V. (agma): ma 2026 Tageszeitungen. Frankfurt a. M. [agma] 2026.

Arnold, Edmund C.: Designing the Total Newspaper. New York [Harper & Row Publishers] 1981.

Barnhurst, Kevin G.; John Nerone: The form of News. A History. New York/London [The Guildford Press] 2001.

Brin, Colette; Geneviève Drolet: Tabloid Nouveau Genre. Format change and news content in Quebec City’s Le Soleil. In: Journalism Practice, 2, 2008, S. 386-401.

Bucher, Hans-Jürgen; Peter Schumacher: Tabloid versus Broadsheet: Wie Zeitungsformate gelesen werden. In: Media Perspektiven, 10, 2007, S. 514-528.

Bucher, Hans-Jürgen; Peter Schumacher: Zeitungsformate aus Lesersicht: Eine vergleichende Rezeptionsstudie zur Leser-Blatt-Interaktion in Tabloids und Broadsheets. In: Bucher, Hans-Jürgen; Peter Schumacher (Hrsg.): Interaktionale Rezeptionsforschung. Theorie und Methode der Blickaufzeichnung in der Medienforschung. Wiesbaden [Springer Verlag] 2012, S.177-204. DOI: 10.1007/978-3-531-93166-1_7 (Aktualisierte und überarbeitete Fassung der an der Universität Trier durchgeführten Studie von 2006/2007)

D’Inka: Launch/Relaunch. In: Journalistikon 2022.

Haller, Michael: Zeitungsformate. Akrobaten ohne Netz. In: Message 3, 2009, S. 48.

Tsang, Steve N. H.; Errol R. Hoffmann; Alan H. S. Chan: Preference for newspaper size. In: Applied Ergonomics, 45, 3, 2014, S. 571-576. https://doi.org/10.1016/j.apergo.2013.07.015

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Iris Rotermund
studierte Germanistik, Anglistik und Kunstwissenschaft in Bremen. Journalistin, Redakteurin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin für Journalismus.