Fernsehorganisation

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Definition:
Der Begriff beschreibt hier den organisatorischen Herstellungsprozess eines → Fernsehprogramms. Dabei hat sich eine zweckmäßige Arbeitsteilung entwickelt. Organisatorisch sind dies zwei Bereiche: die technische und die inhaltliche Abteilung. Die technische Abteilung heißt beim Fernsehen Produktion, die inhaltliche Abteilung Redaktion. Beide müssen eng zusammenarbeiten, um das Fernsehprogramm zu erstellen.

Geschichte:
Die Trennung von Technik und Inhalt war beim Fernsehen zu Beginn seiner Existenz durch den enormen Produktionsaufwand bedingt; die Beherrschung der Fernsehtechnik erfordert bis heute viel Know-how. Es gibt bei den Fernsehsendern Kamera-, Ton- und Lichtabteilungen, die sich je nach Produktionsart (beispielsweise im Fernsehstudio oder draußen, evtl. ‚on location‘) vor und während der Produktionsphase detailliert abstimmen müssen. Hinzu kommen Sendetechniker, die dafür sorgen, dass das Fernsehprogramm in die Verteilungskanäle (Satellit, Kabel, terrestrisch, Internet) eingespeist wird.

Auf der redaktionellen Seite des Fernsehens haben sich klassische Ressorts wie Politik, Wirtschaft und Kultur als Organisationseinheiten etabliert. Hinzu kamen aber auch Redaktionen, die sich ausschließlich um eine Sendung kümmern, zum Beispiel politische Talkshows. Entscheidend ist in jeder Hinsicht jedoch die ausführliche Absprache zwischen Produktionsabteilung und Redaktion.

Gegenwärtiger Zustand:
Die Fernsehorganisation befindet sich derzeit im Umbruch. Dies hat mit der Digitalisierung, Ökonomisierung und dem sich ändernden Nutzungsverhalten der Zuschauer zu tun. Eine immer wichtigere Rolle spielt dabei die crossmediale Zusammenarbeit. Dies bewirkt unter anderem, dass sich auf der redaktionellen Seite die klassischen Ressorts auflösen und in neuen Organisationsformen zusammenarbeiten. Ein gängiges Beispiel ist der → Newsroom für nachrichtliche Formate im Fernsehen und im Internet auf Webseiten, Mediatheken und Apps. Darüber hinaus tendieren die Fernsehsender vermehrt zum Auslagern (Outsourcing) von Redaktionen.

Eine weitere Entwicklung ist bei der Verschmelzung von Inhalt und Technik zu beobachten. Durch die Digitalisierung wird die Bedienung der Kameratechnik und Schnittsysteme leichter. Daher können auch geschulte Redakteure oder Autoren für die umfassende Realisation von Beiträgen eingesetzt werden (zum Beispiel als Videojournalist). Bei den großen Sendern müssen Reporter zum Teil ihr gedrehtes Filmmaterial bereits selbst schneiden, bevor sich eine Cutterin oder ein Cutter dem Material annimmt.

Forschungsstand:
Im Fokus der Forschung stehen derzeit vor allem die Veränderungen der Redaktionsorganisation im Fernsehen und das sich ändernde Nutzungsverhalten der Rezipienten. In diesem Zusammenhang wird der Frage nachgegangen, welche Folgen dies für die Fernsehorganisation. Einerseits interessiert die Wissenschaft, wie sich Inhalte mit den neuen Organisationsformen wandeln und welche crossmedialen Strukturen vom Publikum angenommen werden. Andererseits befassen sich diverse Forschungen mit der Einbindung des Publikums ins Fernsehen (Partizipation) sowie der Nutzung von Mediatheken.

Literatur:

Baur, Sandra: Videojournalismus. Grundlagen, Instrumente, Praxistipps. Saarbrücken [VDM Verlag Dr. Müller] 2006

Groebel, Jo: Das neue Fernsehen. Mediennutzung – Typologie – Verhalten. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2014

Mast, Claudia (Hrsg.): ABC des Journalismus. Ein Handbuch. 12., völlig überarbeitete Auflage. Konstanz [UVK] 2012

Meier, Klaus: Innovations in Central European Newsrooms. Overview and case study. In: Journalism Practice, 1, 2007, S. 4-19

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Mike Kortsch
*1974, ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik der TU Dortmund und forscht im Bereich der politischen Kommunikation. Er leitete unter anderem die Lehrredaktion Fernsehen (do1). Mike Kortsch hat beim Norddeutschen Rundfunk volontiert und viele Jahre als Autor, Redakteur und Regisseur für die ARD, das ZDF und Arte gearbeitet. Kontakt: mike.kortsch(at)tu-dortmund.de